• Schrift vergrößern
  • Standard-Schriftgröße
  • Schriftgröße verkleinern

Die Serengeti stirbt

E-Mail Drucken PDF








Sie sind sichtlich erschüttert. Sie wollten Gnus und Antilopen besichtigen, Giraffen, Zebras und Gazellen, Warzenschweine, Flusspferde und Elephanten. Ein Plausch besonderer Art sollte es werden. Im sicheren Jeep sitzen sie, zünftig gekleidet, Stanley und Livingstone hätten sie als ihre touristischen Wiedergänger erkennen können.

Doch nun stammeln sie ihr Entsetzen in die hingehaltenen Mikrophone: Tote Tiere, immer wieder tote Tiere, Kadaver, verhungert und verdurstet, verendet.

Der Mara-Fluss, Lebensader für die Nordostserengeti in Tansania und das kenianische Naturschutzgebiet Masai Mara, hat besorgniserregend geringe Pegelstände. Die riesigen Tierherden sind darauf angewiesen, dass sie im Einzugsgebiet des Mara-Flusses jeweils im September noch genügend Nahrung und Wasser finden, um sich in die nächste Regenzeit retten zu können.

Wegen der anhaltenden Dürre in Ostafrika werden nun Nahrung und Wasser zusehends knapp. In den vergangenen Monaten hat es kaum geregnet, was Missernten und schlechte Weiden zur Folge hatte und hat. Wenn diese natürlichen Quellen verloren gehen, werden 1,3 Millionen Huftieren wie Gnus und Antilopen zur Flucht gezwungen. „Das gesamte Ökosystem steht vor dem Kollaps", warnt Martin Geiger, Wasser-Experte beim WWF. Seit 1970 ist der Abfluss im Mara bereits um durchschnittlich 60 Prozent zurückgegangen, vor allem durch massive Abholzungen im Quellgebiet, Bewässerung von Weizen- und Bohnenfeldern und einem enorm steigenden Wasserbedarf für Vieh und Menschen in Kenia. Hinzu kommen Veränderungen in Folge des Klimawandels.

So melden es die Medien.

„Hinzu kommen Veränderungen in Folge des Klimawandels“: Ob unsere reisefreudigen Touristen wahrnehmen können, dass sie mitverantwortlicher Teil der zu besichtigenden Katastrophe sind? Im Blick auf die verendeten und verendenden Tiere könnte ihnen bewusst werden, dass ihr eigener verschwenderischer Lebensstil buchstäblich tödlich ist, denn schon mit ihrer Reise praktizieren sie keinen zukunftsfähigen Lebensstil.

Peter Kern

Ergänzungstexte:

  • Ökokrise
  • Postmoderne

Audio

Die Serengeti stirbt

 


Zufällig ausgewählte Glosse

In kapitalistischen Wirtschaften wird der Mensch zum konkurrierenden Raubtier deformiert.