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Postmoderne

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Postmoderne





Menschen, die selbstverschuldet verfetten, haben die Notwendigkeit zu essen, höher gestellt als alles andere. Sie breiten sich horizontal aus, weil sie keinen Sinn für das Vertikale haben.

Wir beschleunigen unaufhaltsam unsere Bewegungen, ohne die Ergebnisse unseres Tuns qualitativ zu erhöhen. Das ist in jeder Hinsicht Ressourcenverschwendung inmitten der angepriesenen Effizienzoptimierung.

Viele rasen blind vorwärts, ohne den Triumph der kommenden Tragödien auch nur zu ahnen.


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Unsere postmodernen Gesellschaften sind masslos gross, und doch funktionieren sie nach Regeln ohne Grösse.

Orte der Celebrities: Kathedralen für Fremdenneugier.

Wir leben in schrillen Zeiten: Der dernier cri hat einen höheren Kurswert als das Korrekte.

Liebe, missverstanden als Anthropophagie, als Menschenfresserei: Ein gieriges Subjekt verschlingt den Anderen.

Die angstbesetzte Begehrung, imme Recht haben zu müssen, ist Ausdruck einer lebensfeindlichen Gewalt.

Fanatiker sind bereit zu töten, nur weil jemand anders denkt als sie. Falsche Bewusstseinsbildung, also unzureichende Erziehung.

Mit dem Pathos einer kultivierten Depression den Spagat meistern zwischen einem Leben in Wohlstand und der Zerstörung der Welt. Wir sind Schizophrene.

In Zeiten der technisch ermöglichten Massenproduktion wird unsere Phantasie industriell deformiert. Wir sehen keine humanen Alternativen.

Kosmos: Schmuck. Schöne Ordnung. Dann die Wohlordnung und Schönheit des Universums. Und heute: Kosmetik.

Wir Gegenwärtigen sind Enterbte. Vergangenheit gehört uns nicht mehr, und für die Zukunft fehlt uns das Notwendige. Wir sind erbärmliche Tagelöhner in dürftiger Zeit.

Der Schuh, das Kleid, das Haus, die Tomate, der Apfel, der Krug, die Traube, der Wein und das Brot - alles enthält nichts Lebendiges mehr. Alles ist ohne Bezug. Die Dinge sind gleich-gültig geworden. Sie haben ihre Wahrheit verloren und damit ihren inneren Wert. Sie taugen für die Wegwerfgesellschaft. Diese aber taugt nicht für eine gelingende Zukunft.

Messung, eins: Mit einem konventionell festgelegten Massstab von aussen an die Phänomene herangehen. Messung, zwei: Das Mass, das in den Phänomenen liegt, wiederfinden. Also: Der Widerstreit zwischen angelegtem Mass und dem Angemessenen. In der Postmoderne zählt nur die erste Art zu messen.

Von der besinnenden Suche nach der Wahrheit zur Selbstgewissheit des berechnenden Denkens, von der veritas zur certitudo. Seinsvergessenheit. Martin Heidegger.

Dem postmodernen Menschen fehlt der Sinn für Gründlichkeit.

Was das Leben heute bedroht: Die Irrationalität ausserhalb der Universitäten und die - ihre eigenen Grenzen vergessenden - positiven Wissenschaften innerhalb der Hochschulen.

Ambivalenz des Fortschritts: Der Computer, der mir in Sekundenschnelle die gewünschten Datenbanken vollständig zur Verfügung stellt, entlastet mich bei meiner Arbeit. Ich muss mich nicht mehr im Erinnern üben. Damit entfällt auch die Wiedererweckung des von mir Vergessenen. Besinnung bleibt aus. Der Reichtum des Fragens verarmt. Die Fragelust erlischt. Ich denke im Horizont dessen, was mir der Computer mit seinen Anzeigen vorschlägt.

Die hektische Abwehr vieler Nöte lässt kein Bewusstsein der Not im Ganzen aufkommen.

Der vorahnende Blick auf die Gefahr ist im Atomzeitalter zu einer Theorie der Heuristik der Furcht auszubauen. Hans Jonas.

Die triumphalen Einwände der Logiker widerlegen nicht ein einziges existenzielles Gefühl.

Wonach in postmodernen Zeiten die Mehrheit strebt, ist selten ein ethisch legitimierbarer Wert.

Postmodernem Denken ist die conditio humana abhanden gekommen.

Der postmoderne Mensch lebt mit einer Nachlässigkeit, die empörend ist.

Die Menschheit: Restmüll im Meer des Lebens. Höchste Zeit, dass sie sich selbst entsorgt. Anthropofugale Weltsicht. Ulrich Horstmann: Das Untier.

Wir denken nicht radikal genug, dafür zerstören wir umso radikaler.

In der Heftigkeit unserer Zivilisation sind alle Schrecken nah.

Das humanistische Utopia ist nirgendwo in Sicht. Überall triumphieren die Löwen, Füchse und Wölfe. Niccolò Machiavelli.

Verwahrlosung: Die Wahrheit, die in den Dingen und Menschen ist, losbinden und achtlos fortwerfen. Was bleibt, ist das Hässliche und der Hass.

Das Nutzenkalkül macht aus Dingen Objekte.

Nachdenken als fruchtlose Ablenkung vom Überdruss, kommt zu falschen Ergebnissen. Es ist bestenfalls unterhaltsam.

Postmoderne Denker berufen sich gern auf Fernando Pessoa: "Wie viele bin ich? Ich bin viele". Sie vergessen leider dieses von ihm zu zitieren: "Ich bin so krank in mir".

Die Anspruchsverdorbenen ruinieren hochnäsig die Welt.

Wir verzichten aus Müdigkeit darauf, Massstäbe anzuwenden. Was dabei herauskommt, adeln wir als objektive Erkenntnis.

Der aktuelle Debattenlärm betäubt, er klärt nicht auf.

Fortschritt: Wir schreiten von uns fort, von dem, was einstmals Mensch hiess.

Das Krankheitssyndrom in den Untergang: Kartesianismus - Platonismus - Christianismus. Hanspeter Padrutt: Der epochale Winter.

Unsere postmodernen Lebensstile sind tyrannisch.

Die Rationalitätskritik der Postmoderne hat den Tod der Vernunft zur Folge. Die Auswanderung der Verantwortung des zerbrechenden Subjektes ist dann unausweichlich.

Sie sprechen über Nichtigkeiten mit einem solchen Ernst, so dass ihnen die ernsten Angelegenheiten dieser Welt gar nicht mehr in den Blick kommen.

Wir haben verlernt, uns zu schämen.

Zu viele sind selbstgewiss, nicht aber reflektiert.

„Blicke ich der heutigen Welt ins Gesicht, erblicke ich eine Fratze.“ Friedrich Dürrenmatt.

Postmoderne Gesellschaft – Sklaverei ohne Herren.

Verabschiedung des kritischen Denkens: Von der Geschichtsschreibung zum Geschichten erzählen. Von Proust zu Peter Handke.

Von der Aufklärung zum Mythos. Das freut die Herrschenden.

Flucht aus der Ratio, das führt zur Todessehnsucht, am Ende zu Mord. Man lese nochmals Thomas Mann: Der Zauberberg. Dort die Schlusssätze.

Das Licht der sich selbst missverstehenden Aufklärung wurde zum Atompilz von Hiroshima und Nagasaki.

Die Dürre ihrer Herzen lässt frösteln.

Die mit Herzensbildung Ausgezeichneten haben in postmodernen Zeiten keine Chancen.

Eliten heute: In ihrer Erfolgsverdrossenheit bleiben sie vom Elend dieser Welt unberührt.

Die Aufgabe der Ethik in der Postmoderne sei es, vor der Moral zu warnen, also den Herren in uns abzuschaffen. O, armer Niklas Luhmann.

In respektloser Präzision widerlegt er das Geschwätz von der postmodernen Beliebigkeit: Vittorio Hösle.

Französische Philosophen nach Sartre schreiben mehr poetisch als kognitiv. Das berührt die Gemüter, erhellt sie aber nicht.

Die prämoderne Forderung des Apostels Paulus Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen, ins Postmoderne übersetzt: Lasst Arbeitlose verhungern!

Auf Wahrheit zu insistieren, erscheint dem postmodernen Menschen als unerträgliche Anmassung.

Der Zeitgeist begrüsst jene Denker, die mit traumwandlerischer Sicherheit den Problemen aus dem Wege gehen.

Die Herrschaft der unkultivierten Experten verdirbt alles.

Sie wollen viele Leben leben und leben am Ende keines richtig.

Das anything goes der Postmoderne, ethisch verstanden, ist so aseptisch, dass es uns krank macht.

Die Jagd nach dem Aktuellen verfehlt jede ernst zu nehmende Bedeutung.

Wandel heisst heute nicht, überlebensnotwendige Richtungsänderung, sondern Beschleunigung auf dem immer gleichen Weg.

Postmoderne Liebe: Sich wechselseitig zu depersonalisieren. Gilles Deleuze.

Ihre Begegnungen sind angefüllt mit Sprachlosigkeit. Ihre Liebe ist hechelnde Gier. Ihr Koitus erschöpft sich in technischer Zungenfertigkeit.

Wer vom Imperialismus der Vernunft schwadroniert, hat ihre heilende Kraft nie erfahren. Über sie nur gelesen zu haben, reicht eben nicht aus.

Vernunft ist Wahrnehmung des Ganzen, von dem wir Menschen immer nur ein kleiner Teil sind.

Das Ganze sind alle von meinem jeweiligen Handeln betroffenen Phänomene.

Zurückhaltung ist nicht mehr ihr Gesetz. Sie kennen nur noch die Tricks der eitlen Selbstinszenierung und die Strategien der Macht.

Statt sich berühren zu lassen, erstarren sie in einer kalten Pose abwehrbereiten Widerstandes: Macht-Eliten.

Wer heutzutage unangreifbar bleiben will, flüchtet sich ins Formale, ins Methodische, in den wilden Wirbel von Organisationsentwicklungsorgien.

Sie denken nicht konsequent genug. Bevor sie logische Schlüsse zu zukunftsfähigen Lebensstilen wagen, beruhigen sie sich in der Watte weiterhin nur krankmachender Lebensläufe.

Blosse Nachahmung wärmt die Gemüter. Funken für Neuanfänge schlägt sie nicht.

Weshalb sympathisieren unsere so genannten Eliten immer wieder mit bestenfalls filigran gebauten aber letztlich unmenschlichen Ideen?

Sie beschwören den Diskurs, ohne das Vermögen, miteinander reden zu können.

Geschwätz, das nur einen medialen Wert hat. Es kann dem Fernsehzuschauer gefallen, dem Menschen gefällt es nicht.

"RTL verfüttert die Debilen an die Schadenfreude des Massenpublikums."  Roger Willemsen.

Ein Festvortrag: Am Rande des Dürftigen.

Das postmoderne Persönlichkeitsbild: Person sei mega out. Angezeigt sei das sich ständig auflösende, multiphrene Ich. Du bist nicht eins, du hast Viele zu sein. Der Mensch verschwindet wie am Meeresufer ein Gesicht im Sand.

Die Entzauberung des Ichs und dessen Aufspaltung in viele Ich-Zustände geschieht immer noch durch das eine Ich, das um alle anderen Ich-Zustände weiss.

Der Einzelne: Zu ewiger Subjektlosigkeit ausgeblasen. Man ist kein Mensch mehr, nur noch ein System.

Aus den Scherben eines zersplitterten Ichs lassen sich keine Funken der Verantwortung mehr schlagen.

Vom einen Ich in die vielen Ich-Zustände: Wie die Schizophrenie im Alltag salonfähig wird.

Missverstandene Toleranz: Alles achten heisst, ohne Überzeugung zu sein.

Die Ratio wird schwammig: Sie denken nicht mehr in Begriffen, sie denken in Bildern.

Vom homo sapiens zurück zum homo pictus.

Alles technisch Machbare ist dem Postmodernen sofort moralisch plausibel und ethisch geboten.

Sie verkaufen alles, inzwischen auch sich selbst.

Gefahr für unsere Zukunft: Es gibt keine Herren mehr. Auch die erfolgreich emanzipierte Frau ersetzt sie nicht. Dies verstanden als "Herr und Meister", "Frau und Meisterin".

Vater und Mutter: Sie sind nicht mehr Herren im eigenen Hause.

Sie ertragen keine grossen Werke mehr. Sie machen aus ihnen Steinbrüche ihres kleinmütigen Denkens.

Das Studium der Klassiker wird eingedampft zum verharmlosenden Paraphrasieren.

Vor lauter Komplexität übersehen sie das Naheliegendste.

Vorgezogener Morbus Alzheimer: Sie denken immer nachlässiger, bis sie sich an den Verlust ihrer Denkkraft gewöhnt haben.

Sie haben aufgehört zu denken, grantelnd räsonieren sie nur noch.

Vom Syllogismus zur Ekstase blosser Assoziationen.

Trendforscher: Er bebrütet mit Eifer die tauben Eier der Grossstadt-Szenen.

Nur derjenige wird als unparteiisch angesehen, der diskussionslos die vorherrschende Meinung akzeptiert.

Um Neues zu sagen, bleibt den Meisten nur, Unfug zu reden.

New Age: Der Trip in ein nebulöses Reich verschwimmender Illusionen, irrational und unpolitisch.

Seine Rede war schön. War sie auch gut?

Vom täglichen Überdruss befreit sich eine Jugend, der man keine Aufgaben gibt, durch Destruktion.

Nach der Lektüre der Tagebücher 1981 bis 2001 von Fritz J. Raddatz: Der Adel des Geistes in der Postmoderne, eine einzige Horde erbärmlich eitler und korrumpierter Wichte?

In einer ökonomisch globalisierten Welt hat der Beruf  längst den Charme von Wohlstandsversprechen und materieller Sicherheit verloren.

Sie sind bequem geworden. Sie verweigern die Arbeit an der Wahrheit.

Wer die Wahrheit für tot erklärt, versinkt im Morast der Pluralität.

Mittelmässigkeit missversteht sich heute als Mass der Mitte.

Systemtheorie bleibt im Horizontalen.

Es sollten nicht die jüngst erschienen Werke gelten, sondern die guten.

Jede technische Neuerung beraubt uns der Poesie der Dinge.

Bevor wir uns den wirklich drängenden Aufgaben stellen, haben wir uns schon verausgabt.

Menschen ohne personale Identität waren einstmals charakterlose Lumpen. Eine gespaltene Existenz. Schisma. Schizophrenie. Das galt einmal als Geisteskrankheit. Postmodern feiert man sie als multiphrenes Ich.

Er widerspricht immer aus Neuerungssucht. Das hält er für avantgardistisch.

Sie lieben nicht mehr. Bestenfalls wollen sie noch lieben. Es bleibt jedoch beim austauschbaren Rollenspiel.

Sie begehren nicht mehr das leibhaftige Gegenüber, sondern nur noch die Vorstellung von ihm.

Sie lehnen mit Emphase genau das ab, was hilfreich wäre für ihre Zukunft.

Es gab Zeiten, da konnte man über den Verfall und Wiederaufbau der Kultur nachdenken. Albert Schweitzer. Heute reflektiert man über den Verfall der Kultur ohne Wiederaufbau? Der Theologe Ernst Luther setzt immerhin noch ein Fragezeichen. Das lässt hoffen.

Sie verdammen kategorisch, ohne zu analysieren.

Sie verkehren nur noch mit sich selbst. „Onanistischer Geiz.“. J.-P. Sartre.

Armut und Hypochondrie waren in früheren Zeiten gepaart. Heute sind es Reichtum und Hysterie.

Dem Hungernden fehlt nicht das gute Essen, sondern auch das schlechte. Das kann sich der Gourmetgänger nicht vorstellen.

Wir beobachten, um zu beherrschen. Wir sollten uns im interesselosen Schauen üben.

Wir können heutzutage sehr viel wissen. Was aber sollten wir wissen?

Ein Studium ohne Humaniora verlängert nur den Status quo.

Freiheit von – der schnellste Weg in den Nihilismus.

Nichts gibt es, was die Schar der so genannten Meinungsbilder herabzuwürdigen vermöchte.

Intellektuelle als Wendehälse: Sie haben einen hellwachen Verstand für ihre bedingungslose Selbstbehauptung, während ihre Vernunft in tiefem Schlaf versunken ist.

Wir versinken längst in einem Sumpf von Kot und Spermien. Überall und immer „Scheisse“ sagen zu dürfen und „ficken“ zu können, nennen sie Emanzipation.

Schöngemachte, reiche und berühmte Frauen: Weiberverblödung.

In der geschminkten Unnatürlichkeit den anderen nicht wahrnehmen können: Statt Gesichter, nur noch Masken.

Wer in der Welt der Gegenwart aufgeht, versäumt Wesentliches.

Postmoderne: Eine Epoche, in der die Intellektuellen albern sind.

Die Dreistigkeit der Selbstinszenierungen bereitet nur noch Übelkeit.

Der Verstand tötet jede Empathie.

Nicht alle Bürger der griechischen Polis hätten Anteil an der Vernunft, so hiess es in der Antike. Diese hoch fragwürdige Setzung rechtfertigte dann die Sklaverei. Wie viele Sklaven unter dieser Voraussetzung wohl unsere Gesellschaften bevölkern?

Wir haben uns angewöhnt, die grossen Probleme als nicht existent zu erklären, damit wir sie nicht lösen müssen.

Alles wird nur noch mit Hochmut und Dreistigkeit behandelt. Die Folgen sind täglich zu besichtigen.

Vom Anti-Autoritarismus zur anarchistischen Anthropologie – der irrwitzige Prozess der Ermordung der Vernunft im postmodernen Denken.

Längst sind die Präsentationen wichtiger als die Produkte, die Verpackung als das Verpackte.

Wir verursachen mehr, als wir verantworten können.

Schwindet mit dem Erkalten einer heissen Nachricht auch der Skandal?

Die Postmoderne strebt nach der Gleichheit im Differenten, ohne zu sehen, dass sie gerade dadurch selbst autoritär wird.

Der Relativist widerlegt sich, wenn er sich nicht selbst relativiert.

Es gibt keine allgemeingültige Wahrheit. Das postuliert postmodernes Denken mit allgemein verbindlicher Geltung. Ein hübscher performativer Selbstwiderspruch.

Aus dem tiefen Raum schmerzlicher geschichtlicher Erfahrungen formuliert der eine normativ: „Dialogbereitschaft soll sein!“ Schon widerspricht ihm vollmundig ein Postmoderner und behauptet, ein solcher Satz sei autoritär, er müsse deshalb negiert werden. Wie erfreulich, dass der Postmoderne den normativen Satz im Akt des Antwortens bestätigte: Er nahm den Dialog auf. Er hätte seinen Gesprächspartner auch erschlagen können. Dann, und nur dann, hätte er ihn widerlegt.

Wir leben in einer Epoche des intellektuellen Stammelns und des esoterischen Raunens. Wie kläglich.

Weshalb opfern wir so leichtfertig das historisch Gesicherte dem bloss modisch Aktuellen?

Werbetexte: Leeres Geschwätz, aufgemotzt mit Neologismen und unerwarteten Metaphern.

Sie denken nicht mehr logisch, sondern taktisch.

Sie entstellen die Realität, indem sie diese falsch nachempfinden.

Voyeur: Besitzergreifung aus der Ferne.

Manifeste zu unterzeichnen, ist nicht selten die Art der Mittelmässigen, bekannt zu werden.

Kann eine Kultur schrumpfen, ohne zu sterben?

Die Unfähigkeit, aufmerksam hinzuhören potenziert ihre Egozentrik.

Kindische Gespräche passieren ihnen, erwachsene gelingen kaum noch.

Spassgesellschaft: Das Recht auf permanente Party; die Pflicht zum Vollrausch.

Partygäste: Sie repetieren mit Eifer das Bedeutungslose.

Das Erwartete wird bedient. Nur keine wesentlichen Fragen.

Der Terror der Intimität. Richard Sennett.

Wir leben nicht mehr, wir produzieren und konsumieren nur noch.

Wer nur Beifall bekommt, hat entweder ein schlechtes Buch geschrieben oder er wurde missverstanden.

Nachdem sie die grossen Erzählungen zu Grabe getragen haben, können sie nicht einmal mehr die kleinen mit Mitleid festhalten.

Stille versetzt heutzutage in Angst und Schrecken.

Sie denken nicht mehr an die Nachwelt. Stil und Gedanke sinken ins Grundlose. Helvetius.

Die Zeiten sind längst vorbei, in denen Katastrophen als Zeichen zur Umkehr verstanden wurden. Stattdessen provozieren sie heute ein nur weiterhin krankmachendes Krisenmanagement, das in neuen Katastrophen endet.

Mit Sophismen und Rhetorik lässt sich keine Wahrheit begründen.

Wer Herzensbildung anmahnt, wird wie ein Aussätziger gemieden. Zeitgemäss sind Vulgarität und Barbarei.

Nichts überlebt, denn nichts ist mehr vornehm.

Talkshows: Monomane Statements als Hahnenkämpfe der Eitelkeit. Niemals hingehen, man kann nur verlieren.

Nochmals Talkshows: Sie versinken in einem Meer von Banalitäten.

Die heutigen Eliten übersehen im permanenten Blick auf den Teich ihrer Eitelkeiten die fremde Grösse des fernen Gegenübers.

Seine impotente Eitelkeit zeugt keinen einzigen zukunftsfähigen Gedanken. Er sollte schweigen.

Die Aufgabe des Intellektuellen in postmodernen Zeiten: Der leidenschaftliche Kampf gegen Unterdrückung, Ausbeutung und Gewalt, der Kampf für zukunftsfähige Lebensstile. Und was tun sie? Nichts dergleichen, schwafeln stattdessen maliziös vom Gutmenschentum.

Wer entschuldigend über sich urteilt, sein Verstand stünde gerade still, der muss sich fragen lassen, wann er zuletzt ging.

Zivilcourage während einer Redaktionssitzung: Sie sassen auf ihren Zungen. Über blamables Schweigen in der Wochenzeitung DIE ZEIT. F.J. Raddatz.

Michel Foucault: Verächter der cartesianischen Vernunft und Verleugner des bürgerlichen Humanismus – ein Archäologe eines wenig zukunftsfähigen Wissens.

Michel Foucault und sein Nachdenker André Glucksmann sind als gereizte Pessimisten nur psychologisch zu verstehen.

Foucaults Verfallenheit an die Sado-Maso-Praktiken. „Ich bin angewidert. Und mir ist förmlich flau im Magen“. Immerhin sagt das F.J. Raddatz.

Intellektuelle zerren verstärkt Randständisches ins öffentliche Bewusstsein – mit dem traurigen Ergebnis, dass wir dem allmählichen Verschwinden des Zentrums stumm und tatenlos beiwohnen.

Nichts gegen Lesben, Schwule und Sado-Masochisten – aber alles für die Aufmerksamkeit der anderen.

In postmodernen Zeiten hat das Gewissen verlernt zu rufen.

Das wirklich Irreparable tritt auf wie eine Nebensächlichkeit.

Sich mit ernsthaften Dingen zu beschäftigen, wird heutzutage ernsthaft denunziert.

Wendehälse: Rechte Leute von Links.

Wer auf’s Ganze geht, wird heruntergekürzt auf’s Anekdotische. Schopenhauer.

Das therapeutische Gespräch auf Sigmund Freuds Couch befreit uns bestenfalls vom hysterischen Elend unserer Wahnvorstellungen. Amerika will heute höher hinaus: Human flourishing, das Aufblühen des Menschen. Das ist weit mehr als das alte Streben nach Glück. In den USA ist man jetzt im Krieg gegen das Unglück, war on unhappiness. Martin Seligmann, Gray Greenberg.

Den Arteriosklerotikern stehen die Hysteriker gegenüber. Achterloo. Friedrich Dürrenmatt. „Mit Hysterikern meine ich die (US-) Amerikaner.“

Im postmodernen Konzept von Glück hat das Leiden zu verschwinden, weil es als Zeichen eines unerfüllten Lebens gilt.

Der fatale Hang zur Dritt-Frau ist salonfähig geworden.

Sie wollen heute möglichst ohne Anstrengung ernten. Deshalb wieder beleben sie das Herr-Knecht-Verhältnis.

Falsche Bescheidenheit: Ruhmgierig unter der Camouflage, ach, machen Sie doch kein Aufhebens von mir.

Wenn sie etwas haben wollen, schreien sie laut, ohne bitte zu sagen. Wenn sie es haben, hauchen sie nicht einmal ein leises danke.

Sommerlochhumanität: Das Fernsehen entdeckt Themen, über die ausserhalb der Ferienzeiten grosszügig hinweggegangen wird. Wenigstens für die Daheimgebliebenen Aufklärung.

Sie sind unfähig, ihre Freuden mit anderen zu teilen, und sie belästigen sie auch nicht mit ihren Kümmernissen. Kurz, sie sind unmenschlich.

Wir begreifen die Dinge nur noch mit tauben Fingern.

Nur um den Preis der Nivellierung ist noch Verständigung möglich. Allerdings wird in solchen Einigungen auf niedrigstem Niveau nichts wirklich verstanden.

Der Zeitgeist verzichtet auf verlässliche Kategorien und erstickt deshalb den Einzelnen im Belanglosen.

Von der Heiterkeit des Einzelnen über die gezwungene Fröhlichkeit von Gruppen zur medial hergestellten Massenbelustigung: Eine Kaskade ins Alberne.

Der Autor: Er exkulpiert sich mit hydrantenhafter Geschwätzigkeit.

Der Nutzen unseres Lebens. Anderen nützlich zu sein. Sobald wir das nicht mehr für sie sind, werden wir knallhart fallengelassen.

Der postmoderne Verstand erfasst jede Spitzfindigkeit – nur das Evidente sieht er nicht.

Sie feiern ihr narzisstisches Ich mit Champagner, während sie zugleich die Erde zugrunde richten lassen.

Neo-Narzissmus: Sie ersaufen im Privaten. Barrikaden werden sie keine bauen.

Sie weigern sich, ihre Talente zur Belehrung und Besserung anderer einzusetzen. Entweder sind sie schlechte Menschen oder einfach nur dumm.

Die europäische Kultur zerfällt im Rhythmus von Fünfjahresplänen.

Wer die neueste Interpretation eines Sachverhaltes parat hat, muss die Sache selbst, die verhandelt wird, nicht wirklich kennen. Es reicht, mitreden zu können. Entsprechend flach ist dann auch alles.

Sobald die Laien aufhören, die Experten zu führen, kommt es zu Katastrophen.

Empfindungen, die sehr fein und platonisch sind, gelten heute als therapieverdächtig.

Die Postmodernen sind stolz darauf, die Jagd nach der Wahrheit aufgegeben zu haben.

Woher kommt die moderne und postmoderne Tendenz, den Menschen auf die blosse Funktionsweise von Lurchen hinunter zu interpretieren?

Sie sind nicht einmal mehr in ihren Gedanken grossmütig.

Der Verachtung des Vorhandenen folgt nicht zwangsläufig die Sehnsucht nach dem Besseren.

Uns rinnt die Zeit aus dem Stundenglas unseres Lebens. Kein anthropologisches Diktum allein mehr, sondern inzwischen eine gattungsgeschichtliche Aussage.


Peter Kern


 


Zufällig ausgewählte Glosse

„Die Naturwissenschaft ist nicht wahr, denn sie zerstört die Natur.“ Georg Picht: Der Begriff der Natur und seine Geschichte.