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Ethik

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Ethik





Die Tränen in den Augen eines einzigen Kindes können unsere Seele wecken: Empöre dich gegen das menschengemachte Unheil in dieser Welt und engagiere dich!


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Ethiktheorien - nichts als der eitle Lärm der Worte?

Kommt es zum Terror der Tugend, dann war keine Tugend im Spiel.

Es gibt eine Tyrannei der Sanftmut, die verleugnet, dass das Gute mit diamantenen Wällen umschlossen ist. Nicht immer bricht der stete Tropfen auch den Stein.

Der korrumpierte Fortschritt. Er erfasst nur die Technik, nicht die moralische Emporbildung.

Das Böse kommt durch die Torheit der Menschen in die Welt, dazu braucht es keinen Teufel.

Sinnlos zu leben, treibt uns in den Tod. Sinnhaft zu leben, zerreibt uns angesichts von Zielen, die uns nicht zur Ruhe kommen lassen. Allein als sinnfreie Existenz geniessen wir den Augenblick. Wir leben dann mit unserer Natur im Einklang.

Die Unsitte, alles zu werten, nimmt den Menschen ihre Würde und den Dingen ihr Eigenrecht.

Wertfreiheit ist auch ein Wert. Er führt ins Elend der Lieblosigkeit.

"Sei erschütterbar!" Ein ebenso unsinniger Imperativ wie "Liebe!".

Das berechnende Denken bejaht oder verneint mit dem Verstand; etwas ist richtig oder falsch. Das besinnende Denken vernimmt als Vernunft, was sein soll: Gut oder böse sind hier die Kriterien. Böses unterdrückt und zerstört, Gutes befreit, erhebt und vervollkommnet. Die ethisch leigitmierte Wahl des Guten, die sich in der sittlichen Handlung bewährt, braucht beides: den begründenden Verstand und die Haltung der vernommenen Vernunft.

Eine Aufgabe in postmodernen Zeiten: Aus dem aristotelisch-kantischen Erbe eine anthropologisch fundierte Ethik zu extrapolieren.

Weder Aristoteles noch Kant haben eine ethische Begründung sittlicher Normen intendiert. Es ging ihnen um die Klärung dessen, was in seiner Evidenz keiner philosophischen Rechtfertigung bedarf.

Pflicht als den Appell an die eigene ethische Einsicht begreifen, nimmt ihr den Stachel autoritärer Fremdbestimmung.

Die alte Tugend der Gerechtigkeit ist heute zu einem Spiel des Interessenausgleiches verkommen. John Rawls.

Eine heteronome Sollensethik unterdrückt, sie befreit nicht. Stattdessen: Eine autonome Strebensethik. In ihr macht der Mensch das, was er sittlich kann, zum Gesetz dessen, was er moralisch soll.

Martin Heidegger hat es nicht unterlassen, eine Ethik zu schreiben; er hatte Gründe dafür, es nicht zu tun. Er begreift sein besinnendes Denken bereits als sittliches Handeln. Solches Denken braucht kein Sollen, denn es ist vor der Trennung von Subjekt und Objekt im Einklang mit allem Seienden. Reiner Schürmann: Le principe d'anarchie. Heidegger et la question de l'agir.

So wie es keine Pflicht zu lieben geben kann, so gibt es andererseits keine Pflicht ohne Liebe.

Tugendwissen ist immer Ausdruck des sittlichen Bildungsniveaus des Wissenden, also Ausdruck dessen, was für eine Person er ist.

Die Verbindlichkeit für das Mass meines Handelns liegt nicht in einer statisch gesetzten Vernunft; sie liegt in der andersartigen Gestimmtheit meiner ganzen Person, aus der heraus ich Vernunft vernehme. Also: Von der angstgegründeten und furchtgetriebenen Machtkonkurrenz hin zur schenkenden Liebe.

Die blosse Rationalität der Mittel kann die mit diesen Mitteln verfolgten Ziele nicht begründen. Es fehlt die Dimension der Wertrationalität. Alasdaire MacIntyre nennt dieses Verdrängen einer verbindlichen Wertorientierung "Weberianismus".

Philosophie kennen heisst noch lange nicht, philosophieren können.

Subjektivität heisst nicht notwendig Beliebigkeit und Relativismus. Subjektivität kann allgemein verbindlich und objektivitätskonstituierend sein. So schon Platon gegen die Sophisten.

Die Vernunft arbeitet an der Vorstellung des Guten, die der Wille zum Bösen mit Hilfe des Verstandes immer wieder verhindert.

Vernunft vernimmt und schafft durch den Menschen, was sein soll. Notwendigkeit lässt die kausale Welt erstehen. Vernunft und Notwendigkeit könnten zukunftsfähige Lebensstile erzeugen.

Personimmanente Ethik: Der Mensch soll werden, der er ist.

Die Moral finden wir im Plural vor. Die Ethik legitimiert, welche gelten soll. Deren Bewährung durch die Tat ist Sittlichkeit.

In Fragen der Moral und Sittlichkeit sind wir alle Experten, vorausgesetzt, wir haben uns zureichend emporgebildet.

Vernunft konstituiert sich selbst. Auch wer sie leugnet, setzt sie im Leugnen voraus.


Die selbst vernommene Vernunft zur ethischen Autorität des Handelns zu machen, ist kein diktatorischer Machtpositivismus.

Das reine Gewissen spricht aus innerer Gewissheit. Es ist mehr als das Sozialdressat unserer Erziehung. Es gibt Richtung im Sturm der Ablenkungen.

Unvernunft drängt auf lebensfeindliche Abwege.

Ethik in Europa: Die aufgeblasenen Worte eines christlich-abendländischen Komödienhauses, denn die Bewährung in der sittlichen Tat bleibt aus.

Das Totalverdikt, es gäbe verbindliche Normen, wird mit dem Totalverdikt, es gäbe sie nicht, erschlagen. Im Hintergrund kichert der Logiker.

Verstand als leerer Scharfsinn rettet uns nicht. Erst wenn der Verstand Diener der Vernunft wird, ist er hilfreich.

Wer mich zeugte und gebar, hat mich zur Freiheit verdammt. Doch, weshalb soll ich und nicht sie Verantwortung tragen?

Erst in der Erfahrung eines Unbedingten werde ich dessen inne, wer ich sein kann, und damit, wer ich sein soll.

Der bedingungslose Machtwille hoher Bankmanager trägt täglich zur Verwahrlosung des menschlichen Ethos bei. Eine Umkehr ist trotz der Finanzkrise nicht in Sicht.

Schuld: Biologische Schuld - der Natur nicht zu entsprechen. Ökonomische Schuld - die Grenzen des Wachstums nicht zu respektieren. Politische Schuld - Prozesse der Selbstzerstörung zuzulassen. Rechtliche Schuld - die legalen Spielräume zukunftsfähiger Alternativen nicht zu nutzen. Theoretische Schuld - keine konkreten Utopien zu entwerfen. Ästhetische Schuld - das Hässliche als avantgardistisch zuzulassen. Moralische Schuld - an den Prozessen der Zerstörung aktiv teilzunehmen. Metaphysische Schuld - ohne Kraft des Widerstandes zu bleiben.

Moralisch kann immer nur der Einzelne beurteilt werden, nie ein Kollektiv.

Die neuzeitlich-instrumentelle Vernunft ist in Wahrheit der gewalttätig-unifizierende Verstand.

Tragisch ist die doppelte Existenz der Wahrheit, wenn im Streit der Paare beide Recht haben.

Wahrheit ohne Güte verletzt. Ein ungelöstes Problem aller Fanatiker.

Die Antwort auf die Frage nach dem Warum des Lebens verweigert eben dieses Leben.

Wer die normative Kraft des Faktischen an die Stelle der Norm setzt, hat die Vernunft suspendiert.

Der Pragmatiker hat keine Liebe für die Dinge, mit denen er umgeht. Handelt er deshalb verantwortungslos?

Sich lauthals mit hohen Ansprüchen brüsten. Sollen diese praktisch werden, schleicht man sich kleinlaut davon.

Jeder normative Satz ist ein synthetischer Satz a priori. Die Negation solcher Sätze führt "notwendig zur Vernichtung der Ethik." Jedoch, die Negation ist nicht notwendig. Vittorio Hösle.

Moral gibt es im Plural. Insofern ist sie raum-zeitlich bedingte Gehirnwäsche.

Nächstenliebe nur am Notleidenden in der eigenen Nähe zu praktizieren, reicht in Zeiten der Globalisierung nicht mehr aus. Wir haben auch wahrzunehmen, was wir dem Fremden in der Ferne antun. Nächhstenliebe ist also um Fernenliebe zu erweitern.

Dogmen vernichten die Moral.

Solange das Sieger-Image des Bösen wie ein Adrenalinstoss wirkt, hat das Gute keine Chance.

Er rühmt die Tugenden, und er begeht die Verbrechen. Ein Mensch in seinem Widerspruch. Die postmoderne Leugnung der Tugenden löst dieses Problem auch nicht.

Das Liebesgebot gilt unbedingt, zeitlos und überall.

Die Liebe zu uns selbst befördert die Liebe zu den anderen.

Wir sind selbstverantwortliches Subjekt unserer Ethik, nicht unserer Moral.

Das Humane verblasst zum blossen Intermezzo der Geschichte.

Ein akademischer Titel, etwa in Harvard erworben, schützt nicht gegen destruktives Denken und Handeln.

Die Empfindungslosen: Sie können keine Werte mehr wahrnehmen.

Dankbarkeit ist eine Tugend. Sie ist das Eingangstor zur Humanität.

Die Zeiten sind vorbei, in denen uns nur die nahen Wunden berührten. Notwendig: Eine Fernen- und Zukunftsethik. Hans Jonas.

Auf der Suche nach einer stoisch-epikureischen Moral, jenseits des Christentums.

Die Vorbilder für das Leben müssen im Menschen selbst entspringen. Alles andere ist Diktatur.

Existentiell Bedeutsames ist nicht zu beweisen. Nur indem wir es ganz konkret  leben, ist es.

Helfendes Gutsein kann, entgegen anders lautender Urteile, sehr wohl die Evolution positiv bestimmen.

Wohin verändern wir die Welt in unserer demokratisch verfassten Freiheit? Wohin sollten wir sie verändern?

Ehrbarkeit ohne die Kraft der Phantasie, lässt den Menschen verkümmern.

Die Moral verdunstet in der Nähe von Brieftaschen und Banken.

Diese Welt ist ohne Liebe. Deshalb ist sie so, wie sie ist.

Sie haben das antike Leitbild des guten Lebens längst umgedeutet in eine einzige sich beschleunigende Schnäppchenjagd.

Das Ethos der Selbstverbesserung befreit uns nicht, es macht uns krank.

Wer meditiert, der muss sich nicht mit jedem Verstandesegoisten auseinandersetzen.

Die Stillen im Lande: Unter den Kleinen gross, unter den Grossen klein. Aber immer menschlich.

Wer einen Ritus zerbricht, zerreisst die Kette, die uns mit unserem Ursprung verbindet. Er macht uns wurzellos, bis wir verdorren.

Auch die formalen Tugenden sind wichtig. Doch sie entarten, wenn sie miserablen Zwecken dienen.

Ordnung, Pünktlichkeit, Fleiss, Disziplin ohne Liebe mutieren zur deutschen Untertanenseligkeit.

Es gibt Kulturkritik. Es gibt eine Kritik an der Kulturkritik. Und es gibt eine Kritik an der Kritik der Kulturkritik. Das hat schon etwas Reaktionäres, aber eben im positiven, also zukunftsfähigen  Sinne.

Gott und die Götter sind tot. Sokrates, Platon und Aristoteles: tot. Kant, auch tot. Oder wurden sie alle nur für tot erklärt von denen, die sich jeden moralischen Anspruch vom Leibe halten wollen?

Das Gute kommt nicht selten von Menschen, die nie eine Universität von innen sahen.

Ein Soldat, der im Krieg tötet, gilt nicht als Mörder. Ein Kaufmann, der einen wucherischen Gewinn einstreicht, nicht als Dieb. Vom Banker schweigt man am besten gleich ganz.

Die Gebote der Vernunft sind für jede Situation neu zu justieren, nicht neu zu erfinden.

Wer unbedacht unvernünftigerweise zur Unzeit Vernunft einfordert, der muss um sein Leben bangen. Im Abendland war Sokrates das erste Opfer. Unzählige sollten folgen.

Die heutigen Skandale sind die Gewohnheiten von morgen.

Tabus werden eingerissen, um dem Anstössigen die Absolution zu erteilen.

Jedes aufgehobene Tabu enthemmt den Einzelnen, bis er nur noch als schamloses Triebbündel dahin vegetiert. Das Absurde daran: Er missversteht das alles als einen positiven Akt der Befreiung.

Gegen den Umfragewahn: Was mit besonderer Häufigkeit auftritt, kann erschreckend wertlos sein. Albert Schweitzer fiele heute als eine statistisch nicht signifikante Grösse unter den Tisch.

Wer nicht mit dem Bösen kokettiert, gilt schnell als Gutmensch.

Wer gute Menschen Gutmenschen schimpft, ist der ein Böse-Mensch?

Die Aussaat des Bösen wächst üppig auch noch auf trockenem Sand. Dagegen bedarf der Samen des Guten selbst bei fruchtbaren Böden der geduldigsten Pflege.

Der radikale Moralismus hat seine eigene Moral nicht verstanden. Kant: Du sollst nie lügen.

Dringend erforderlich: Eine nicht-rechnende Ethik.

Es gibt Situationen, in denen die Wahrheit der Lüge zu verteidigen ist.

Abtönungspartikel machen die Wahrheit verträglicher. Durchaus möglich.

Die Sprache hinkt hinter der Wirklichkeit her. Der Begriff Betrug wird inflationiert.

Jean Paul: „Sei hart im Bestimmen des Sittlichen und sei sanft im Anwenden auf Einzelne.“ Da spricht ein humanes Herz.

Den zum Rezeptbuch verkommenen Sollens-Ethiken steht die Herzensbildung gegenüber, die das ethische Gespür für das je Individuelle noch kennt.

Moral, die aus der Mitte kommt, erhebt zu Recht Anspruch, ernst genommen zu werden. Doch an den Rändern wird sie unmoralisch.

Was wir zurücklassen, geht nicht verloren. Werden wir dieser Verantwortung gerecht?

Wie nützlich ist das Schlechte für die Welt?

Sie arbeiten emsig am reibungslosen Funktionieren der Systeme. Was diese bewirken, schert sie herzlos wenig.

Es ist belanglos, wenn die Wissenschaft bei der Begründung einer universal gültigen Ethik scheitern sollte. Bedeutsam ist, dass Tugenden universal gelebt werden.

Sinnlichkeit und Sittlichkeit vereinen heisst, das Werk der Natur und das Werk seiner selbst harmonisch auszubalancieren. Ist das dann das Ende des Widerstreites zwischen Materie und Geist, der sich in Schönheit auflöst? Nicht ganz. Schmelzende und energische Schönheit verweisen auf die kleinen Abstürze in die eine oder andere Richtung. Schiller.

Der Mensch bleibt Mensch. Seit Sokrates ist die Menschheit moralisch keinen Deut vorangekommen.

Morgens verkürzt der Lärm der Motoren den Schlaf; mittags schmeckt die Tomate nicht nach Tomate, die Erdbeere nicht nach Erdbeere; den ganzen Tag über atmen wir verpestete Luft ein, und nachts verhindert der Dauersmog den Blick in den gestirnten Himmel über uns. Kein Wunder, dass das moralische Gesetz in uns sich nicht meldet und Widerstand befiehlt.

Wir brauchen Philosophen, die den Weg auch gehen, in den sie weisen. Und wenn sie keine Wegweiser aufstellen, sollten sie heutzutage schweigen.

Das nur Richtige trifft uns nicht existentiell. Deshalb konnte Galilei widerrufen. Sokrates aber nahm den Schierlingsbecher.

Das Mass der Mitte ist nicht Mittelmass.

Statt sich vor quälender Langeweile durch Zerstreuung zu retten, könnte man auch dem Nächsten dienlich sein. Im ersten Falle wird man Opfer der Vergnügungssucht, im zweiten Falle wird man glücklich.

Es gibt Wahrheiten, die alle Irrtümer aufwiegen: Es sind die Wahrheiten des Herzens, es ist die Wahrheit der Liebe.

Versuche so zu handeln, dass dich dein Herz nicht widerlegt.


Peter Kern


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