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Pädagogik

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Pädagogik



Die pathologische Selbstüberschätzung der Nichtskönner treibt die Solidität und Verlässlichkeit aus unserer Gesellschaft.

Es gibt keine glückliche und schöne Kindheit mehr. Sie ist unter die Zwecke der Ökonomie geraten.

Die ewig-grossen Fragen, die bisher unbeantwortet blieben, werden auch in Zukunft keine Antwort finden. Es sind falsch gestellte Fragen. Und dennoch muss sie jede Generation wieder neu stellen: Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen? Wer ist der Mensch?

Wir haben den Weg vom Wurm über den Affen zum Menschen gemacht. Nietzsche hatte Gründe, dass dieser Mensch sich überwindet und dann übersteigt zum Über-Menschen. Stattdessen arbeiten wir eifrig an der Regression zum Wurm. Friedrich Nietzsche: Also sprach Zarathustra, Vorrede 3.

Belehrung allein ist sinnlos. Erhebung ist alles. Diese ist niemals das Resultat rhetorischer Unterrichtung. Noch nie hat ein Begriff auch nur einen Menschen sittlicher gemacht. Tugend ist nicht lehrbar. Deshalb ist aller Ethikunterricht für die Katz.

Ausbildungsziele für die heutige Arbeitswelt: Aus Menschen physisch autarke Maschinen machen, die immer und überall klaglos funktionieren.

Wer nichts materiell Nachweisbares leistet, muss kein Faulpelz sein. Beschäftigt er sich mit dem Menschlichen im Menschen, dann hat sein Tun den höchsten Wert.

Wer sich verbessert, verbessert auch die Welt.

Ohne Hüter und Erzieher,  - wohlgemerkt: Erzieher, nicht Lehrer -, verlieren wir uns im Nirgendwo. Wer keinen guten Menschen kennt, den er verehrt, bleibt unter seinen eigenen Möglichkeiten.

Wenn sich niemand im Guten übt, kann auch nichts Gutes entstehen. Und schon behauptet man, es gäbe nichts Gutes.

Warum-Fragen sind immer gesellschaftszersetzend. Sie sind Sand im Getriebe des Systems. Man hat sie aus den Lehrplänen gestrichen. Wohlweislich.

Wer in der Pädagogik mit Strafe und Belohnung Gehorsam erpresst, erzieht nicht, er dressiert.

Prioritäten beachten. Zuerst: Du musst dein Denken ändern! Dann: Du musst dein Leben ändern!


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Misstraue den Lehrern. Der Wind ihrer Worte macht nicht vernünftig.

Der Geborgeheit durch die Mutter entwöhnt, der Kindheit entwachsen, wird der junge Mann solange ruhelos irren, bis er seine Frau findet, die ihm neue Heimat wird. Dieses Gesetz der Tradition ist zerbrochen. Und schon häufen sich die getriebenen Heimatlosen.

Die Schule heute tötet den Menschen im Menschen.

Der Fallende ist wahrhaft nur zu retten, indem man ihn antreibt, -  ja, antreibt, - sich selbst zu retten.

Ein ökonomisch nicht verwertbares Bildungsziel: Den Sinn des Geheimnisvollen lehren, also ein Wissen davon zu vermitteln, dass wir Menschen niemals alles werden ergründen können. Das würde uns bescheidener und damit zukunftsfähiger machen.

Module abzuarbeiten, versetzt die akademische Kreativität in Todesstarre. Es wird die Universität aus der Zeit werfen, weil ihr die Erneuerungsfähigkeit verloren geht.

Man wird die Massen nie für das Höhere begeistern können, wohl aber für das, was ihnen nahe ist. Sorgen wir also dafür, dass das Nahe zugleich auch das Hohe ist. Das öffentlich-rechtliche Fernsehen in Deutschland dürfte hier mutiger sein.

Niemanden auf das hin festlegen, was er ist, sondern zu dem hin befähigen, was er sein kann.

Jugendliche am Wochenende in einer Kleinstadt: Voller Bewegung und vermeintlichem Ziel, erregt, die Gesichter aus glühender Hoffnung...aber: Wohin? Es gibt keine Angebote für sie. Der Umschlag in Vandalismus ist vorprogrammiert.

Wenn die Ideale der Kindheit und des Jugendalters erloschen sind und Ernüchterung eingetreten ist, nennt man uns Erwachsene. Nein, wir sind in Existenzfragen nur träge geworden.

Kinder brauchen Liebe, nicht Sex. Pädagogische Liebe  ist eine sexuell abstinente Form der Zuwendung. Der Pädagoge stimuliert nicht die Genitalien, sondern die Seele der Kinder durch seine heilsamen Berührungen.

Die Luxusvilla, das Pony und das Internat ersetzen keine authentische Zuwendung der Eltern zu ihren Kindern.

Die der elterlichen Karriere geopferten Kinder werden in den Händen von Pädagogen und Priestern nochmals Opfer, diesmal Opfer der Lust: Odenwaldschule, Canisius-Kolleg.

Die wertvollste Gabe von Eltern: Ihre Kinder aus der Familie zu entlassen, reich an erlebter Aufmerksamkeit.

Unsere Gesellschaft produziert höchst erfolgreich Ausbildungskonsumenten.

Die aktuelle Pädagogik lebt von der Semantik der Ökonomie. Schüler und Lehrer als Menschenmaterial, das zu optimieren ist, damit es in der Wirtschaft effizient funktioniert.

Bildung: Es geht nicht um Umerziehung, es geht um Umstimmung. Wie kommen wir aus der todbringenden Grundbefindlichkeit der Angst in die uns befreiende Gestimmtheit der Liebe? Das ist eine Schicksalsfrage. Bleibt sie ohne Antwort, dann hat die Menschheit keine Zukunft.

Die notwendige Überwindung der Erziehungswissenschaft muss sich als Befreiung der in ihr gebannten Pädagogik ereignen, also als Befreiung von der erziehungswissenschaftlichen Vergegenständlichung, denn der Mensch ist kein Gegenstand.

Nicht wie wir uns wissen, bestimmt über unsere Personqualität, sondern wie wir sind. Doch die ethische Reflexion lehrt uns dann, dass wir mehr sein könnten als wir sind. Daraus folgt die Pflicht zur Emporbildung.

Die Bologna-Reform an den Hochschulen ermöglicht keine Form der lehrenden Erziehung.

Wer sich in ein ernsthaftes Gespräch begibt, der wird zum sorgfältigen Hörer.

Nous, Vernunft - das ist nicht zu lehren und zu lernen. Dazu entscheidet man sich, übt sich dann darin, den in dieser Entscheidung erfahrenen Ansprüchen zu entsprechen, bis man ein Könner geworden ist. Und schon im nächsten Augenblick kann man scheitern. Dann beginnt alles wieder von vorne.

Zur Bologna-Universitäts-Reform: In einem schlechten Akademismus fertig verfasste Meinungen unter Zeitdruck weiter geben, ohne diese Meinungen der Freiheit des eigenen geistigen Urteils auszusetzen.

Pädagogischer Eros - das ist liebende Zuwendung im Sinne von Agape/Caritas, nicht körperliche Zudringlichkeit und sexuelle Inbesitznahme. Sex - Eros - Agape/Caritas.

Erziehung - der immer wieder neu zu wagende Vorgang, die Menschheit im Menschen zu befreien. Damit ist jede Schule als blosse Unterrichtsinstitution prinzipiell überfordert.

Jede gute Pädagogik ist Prolepse, ist Entwurf des Kommenden.

Die Pädagogik ist als Einzelwissenschaft nicht Principium, sondern Principatum, das Entsprungene, nicht der Ursprung. Das hat der empirisch arbeitende Erziehungswissenschaftler in aller Regel vergessen. Deshalb gibt es dort so viele Kategorienfehler.

Vom Kinde ist nicht als Faktor zu sprechen, immer nur als Möglichkeit.

Mathematische Erkenntnisse können schon junge Menschen haben, philosophische nicht, denn die bedürfen der "Reife" des Alters.

Vernunft vernimmt die Ordnung der Menschen und Dinge im Kosmos. Deshalb kann derjenige, der vernünftig Ordnung zu halten versteht, auch als gebildet gelten. Er hat seinen Platz im Kosmos gefunden.

Ein gutes Gespräch ist mehr als der Austausch von Argumenten endlicher Subjekte. Gelingt der Dialog, dann ereignet sich die Selbstentäusserung eines Dritten - des Nous.

Der Mensch ist wild gefährlich. Er muss gezähmt werden. Wodurch wurde versucht, ihn zu zähmen? Durch Dressur und Fremderziehung, durch Selbsterziehung, durch einen starken Staat, durch offenbarungstheologische Drohungen mit der Hölle. Alles hat, aufs Ganze gesehen, wenig geholfen. Heute versucht man es, mal wieder, mit "Menschenzüchtung". Peter Sloterdijk: Regeln für den Menschenpark.

Kein Wort der Aufklärung könnte uns überzeugen, wenn unser Herz nicht schon überzeugt wäre.

Die Autorität des Menschlichen erfahren und an ihr wachsen.

Sich in Zucht nehmen, das heisst, unter Massstäben der Tugend, sich beherrschen können. Das ist zu unterscheiden von jeder "Schwarzen Pädagogik", denn:  „Jeder Klaps ist eine Demütigung“. Alice Miller.

Wenn das Herz nicht spricht, ist jede Aufklärung vergeblich.

Der Ehrgeiz der Eltern ist masslos. Aus den Kindern solle etwas werden. Dabei wird vergessen, dass sie schon immer jemand sind.

Schulzeit ist längst zu abgerichteter Karrierezeit verkommen.

Hilfe, ich bin hoffnungslos antiquiert. Ich rede noch von Bildung. Wie schön, höre ich von Wenigen. Das macht Mut.

Früher strebte man nach Bildung, heute bekommt man Kompetenzen verordnet. Bildung emanzipierte, Kompetenzen domestizieren für ökonomische Arbeit.

Bildungsmenschen bewahren den Wert der Schöpfung. Kompetenzmenschen steigern die Wertschöpfung.

Eltern und deren Kinder werden von einer krankmachenden Wettbewerbshysterie heimgesucht. Beruhigt sie!

Wozu ist die Welt da? Um von uns erkannt zu werden? Um von uns beherrscht zu werden? Um von uns ausgebeutet zu werden? Um von uns zerstört zu werden? Oder ist sie dazu da, dass wir uns in ihr durch sie zum Menschen emporbilden?

Die früh erwachsene Ernsthaftigkeit von Scheidungskindern deuten sie als Reife. Was für eine Selbsttäuschung!

Schulreformen erschöpfen sich im Staub, den sie aufwirbeln. Zurückbleiben orientierungslose Lehrer, Eltern und Schüler.

Sie bleibt immer eine Sehnsucht, die vollkommene Emporbildung. Würden wir sie erreichen, sie wäre unmenschlich.

Die Bedrohung der Pädagogik durch Wissenschaft ergibt Erziehungswissenschaft.

Einen Menschen lieben, heisst, ihn als Möglichkeitsmenschen sehen, also im Prozess der Emporbildung.

Wer ermahnt, bildet nicht, er lehrt nur das Ermahnen.

Ausbildung und Kompetenzerweiterung sind spiessig und kleinkariert gegenüber Welterfahrung und Herzensbildung.

Emporbildung: In der Begegnung zwischen Ich und Du helfen, die Vernunft hervorzulieben.

Im anderen das Noch-nicht-Erweckte übersehen, reduziert ihn zum blossen Werk der Natur und Werk der Gesellschaft. Er bleibt Fragment seiner selbst, er bleibt Halbmensch, wie das Pestalozzi nannte.

Zur universitären Bologna-Studienreform: Das Professorenhaupt unter den Zeitgeist beugen und sich als Unternehmer schminken. Ach, wenn das doch der Wahrheitsfindung diente!

Er stellte mutig grosse pädagogische Wegweiser auf. Jetzt hat er sich gross im pädophilen Sumpf verirrt: Hartmut von Hentig.

Ohne Herzensbildung sind wir erschreckend gewöhnlich.

Kant, der Mensch sei das erziehungsbedürftigste und erziehungsfähigste Wesen auf Erden, also nicht das klonbedürftigste und klonfähigste.

Zur Würde des Scheiterns gehört, nie aufzugeben, sich emporzubilden.

Eine realistische Pädagogik entwirft das dem Menschen Mögliche, nicht aber das schon vorhandene Reale. Weshalb Pädagogik nie nur Wissenschaft sein darf.

Erinnerungen an eigene Lehrer: Sie waren Lehrbeamte, mehr nicht. Doch die wenigen Ausnahmen: Welche Beglückung!

Leben: Der fast immer vergebliche Kampf gegen das in der Kindheit Aufgepfropfte.

Emporbildung: Vom "Werk der Natur" über das "Werk der Gesellschaft" zum "Werk seiner selbst". Johann Heinrich Pestalozzi, der notorisch Fehlinterpretierte.

Wir müssen uns zerstören, um uns empor zu bilden.

Abstieg: Bildung, Halbbildung, Unbildung. Konrad Liessmann.

Er missversteht sein trockenes Kästchenwissen als Bildung.

Endzeitbildung ist Herzensbildung, éducation sentimentale. Sie zielt auf moralische Sensibilität. Sie überwindet die krankmachenden und todbringenden Leidenschaften wie Masslosigkeit und Gier. Sie versteht sich auf Gabe und Gegengabe.

Endzeitbildung hat als Fundament eine Ethik des Überlebens in Würde.

Endzeitbildung fördert logisches Fühlen.

Endzeitbildung ist Befreiung der Fakten aus dem Gefängnis von Kapital und Macht.

Endzeitbildung ist Ermöglichung einer sustainable society.

Endzeitbildung ist Überwindung der Apokalypseblindheit.

Endzeitbildung lehrt wahrnehmen, was ist und entwerfen, was sein soll.

Endzeitbildung fördert die Ausbildung der moralischen Phantasie.

Endzeitbildung schult den integralen Blick.

Endzeitbildung ist die Ausbildung moralischer Schizophrenie, denn wir müssen für den Erhalt des Lebens auf dieser Welt weitaus mehr fordern als wir fähig sind, selbst zu leisten. Das will ausgehalten sein.

Endzeitbildung: Lernen, mit zärtlichem Mitleid auf unsere Welt zu schauen.

Endzeitbildung: Befähigt werden, sich aus der zerstörerischen Gegenwart in eine wahrhaft nachhaltige Zukunft zu imaginieren.

Emporbildung: Geburtsadel, Geldadel, Geistesadel, Herzensadel.

Ein zukunftsfähiges Bildungsziel: Der Sprache des Herzens die Zunge lösen.

Strukturelle Gewalt behindert, ja verhindert Emporbildung.

Missverstandene Autorität: Patriarchales Diktat statt liebevoller Erziehung.

Die Gebildeten sind ausgestorben, die Halbgebildeten sterben gerade aus, und die Ungebildeten übernehmen die Herrschaft.

Die Überwindung der pubertären Sensibilität nennen wir Erwachsenwerden.

Die Ansichten im Lebensherbst kehren zurück in die Jugendjahre. Zu spät.

Der Zorn im Alter möchte die Jugend vor todbringenden Wiederholungen warnen; vergeblich.

Aus den Zeitrhythmen fallen: Das Alter irritiert durch vorgetäuschte Jugendlichkeit.

Verlorene Jugendjahre: Die patriarchale und staatliche Autorität erstickte jede Spontaneität.

Bildung fliegt nicht wie eine gebratene Taube ins Maul des Unterernährten.

Ausbildung ist kein Damm gegen Unvernunft. Im Gegenteil: Sie versieht diese mit einem schlagkräftigen Rüstzeug. Deshalb ist sie so gefährlich.

So genannte Bildungspolitiker lesen Statistiken wie "Heilige Bücher".

Seine Bildung fiel im Gespräch in Schichten ab.

Gute Erziehung lehrt unterscheiden.

Empirisch abgesicherte Belehrungen sind existentiell erschreckend belanglos.

Erziehung in der Familie ist Betreuung von Kindern aus Liebe. Die institutionelle Betreuung in der Krippe ist dagegen Erziehung ohne Liebe. Ralph Dawirs und Gunther Moll.

Frühförderung im Kindergarten pathologisiert die Entwicklung der Kinder.

Lehrer erziehen keine Individuen, sie dressieren bestenfalls Typen.

Das Ende der Pädagogik: Die höhnische Furcht vor Entwicklung: Aus dem kann ja nichts werden. Ich unterrichtete schon seinen Bruder.

Im Diskriminieren geübt: Die herzlose Sprache in Lehrerzimmern.

Noch ein zukunftsfähiges Bildungsziel: Behutsamkeit einüben.

Wo der Meister zaudert und zweifelt, ist dem Schüler alles fix und fertig gewiss. Dávila.

Die Heilsversprechen der Selbstbeobachtung und Selbstoptimierung führen geradewegs auf die Couch des Therapeuten.

Vom Aussterben bedroht: Bildungssatte und dadurch brillante Menschen.

Wohlstandskinder: Sie verlangen alles und bekommen es sofort und anstrengungslos. Ein Preis unter vielen, den sie zahlen: Sie kennen die Sehnsucht nicht mehr.

Die Erziehungswissenschaft beschützt den Erziehungswissenschaftler vor jedem ernsthaften Kontakt mit den Kindern.

Der rasche Paradigmenwechsel in den Humanwissenschaften, zumal in den Erziehungswissenschaften, ist der wenig schmeichelhafte Ausdruck wenig sattelfester Wissenschaftler.

Pädagogik als Wissenschaft verdreht denen, die erziehen, im Fünfjahresrhythmus die Köpfe. Arme Mütter und Väter.

Tugend ist nicht lehrbar. Sie will erfahren werden. Und erst in der eigenen Tat stellt sie sich als wahr dar. Liebe gibt es nur, indem ich liebe, Gerechtigkeit nur, indem ich gerecht bin.

Nicht die naiv-unbedarften Irrtümer der Jugend zählen, sondern ihre begründete Korrektur durch später erlangte vernünftige Einsicht und beherzt wahrgenommene Entscheidungsfreiheit.

Welches Selbst verwirklichen sie bei ihren Versuchen, sich selbst zu verwirklichen?

Unsere Schulen erziehen nicht zum Leben, sondern zum Funktionieren. An den Universitäten lernt man das Funktionieren auf höherem Niveau.

Bildung, Halbbildung, Unbildung – der Dünkel der Technokraten ist tödlich.

Lichtenberg: „Er teilte des Sonntags Segen und oft schon des Montags Prügel aus.“

Erziehungstheorien. Tradition seufzen die Alten. Fortschritt jubeln die Jungen. Doch was für ein fragwürdiger Fortschritt!

Leistungsorientierte Erziehung durch die Eltern mutiert heutzutage zur Vernichtung der eigenen Kinder.

Bildung erscheint in neoliberalen Zeiten nur noch als Spezialtraining für die Gladiatorenkämpfe in den Marktarenen.

In den wichtigen Lebensdingen hilft weder der Beweis noch das Überzeugenwollen, möglicherweise die ratende Rede, am besten das Beispiel der massgebenden Tat.

Der Erziehungswissenschaftler benötigt para-pädagogische Richtlinien.

Der modulisierte und effizienzoptimierte Unterricht übergibt dem Kapital passgenau ausgebildete Konsumenten.

Wissen lässt sich büffeln, auch unter Zeitdruck; verstehen nicht.

Seine Entschuldigungen widersprechen seinen Handlungen: Er hat nichts dazu gelernt.

Die Vorsorge gegen das Vergessen hat Hochkonjunktur. Wir speichern unterschiedslos alles und verderben uns dabei gründlich Gehirn und Herz.

Erziehung zur ökonomischen Effizienz hat Konjunktur. Wer kümmert sich um die Erziehung zu Existenz-sichernden Wertempfindungen?

Staatlich verordnete Ausbildung ist Dressur; sie erlaubt eine allumfassende Kontrolle.

Geheime Erzieher, äusserst effektiv: Die neuen Medien.

Curriculum: Kleinteilig und kulturlos, ein Gemischtwarenladen aus Vergangenheit und Gegenwart ohne zukunftsfähige Impulse.

Non vitae sed scholae discimus. Wir sind über Seneca nicht hinausgekommen.

Sie sagen, das Gewissen schlafe. Dann liesse es sich ja aufwecken.

In den Erziehungswissenschaften ist die Sucht nach immer neuen Paradigmenwechseln der peinliche Ausdruck ihrer Unsicherheit und aktuellen Belanglosigkeit.

Erziehungswissenschaftliche Lehrbücher sind Sammelbecken pädagogischer Bankrotterklärungen.

Sie schreiben ihre Mails flüchtig und voller Fehler. Wenn sie ihre statischen Berechnungen auch so handhaben, werden immer mehr Brücken einstürzen.

Diktatorische Fürsorge löst verzweifelte Fluchten aus.

Er sah, wie unbeholfen er mit einem Kinde kommunizierte. Da wusste er, sein pädagogisches Lehrbuch musste er nicht lesen.

Die stumpfe Generation: Grölen und Pöbeln als letzter Ausdruck von Selbstwahrnehmung. Vor der Verurteilung daran erinnern: Die Jugend ist das Produkt von uns Erwachsenen.

Wer Gewohnheiten als Ergebnisse von Lernprozessen missversteht, lernt nicht wirklich.

Im geistigen Einatmen geht es um Wissen, im geistigen Ausatmen um Können. Wissen zu optimieren und Können zu perfektionieren, ist Thema jeder heute überall geforderten Ausbildung. Zwischen dem Ein- und Ausatmen liegt der Mass-Stab für unser Handeln. Hier entscheidet sich, für welche Ziele unsere Ausbildung eingesetzt wird. Das ist der Gegenstand einer recht verstandenen Grundbildung. Wo wird diese heute erfahren und bedacht?


Peter Kern


 


Zufällig ausgewählte Glosse

Christentum der Christenheit und Christentum des Neuen Testamentes: Der Reichtum der Kirche und der Grundsatz der Armut.