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Werk der Gesellschaft

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Werk der Gesellschaft -

Historisch-gesellschaftliche Betrachtungsweise




Werk der Gesellschaft


Wenn ich in diese Welt schaue, zittert mir das Herz vor Kälte: Kein Friede unter den Religionen, kein Friede unter den Völkern, kein Friede unter den Menschen. Nur hohle Worte, die das Verhalten von Priestern, Politikern und Bürgern Lügen straft. Doch über eine aufmüpfige Jugend empören sie sich.

Reiche Menschen, die das Gefühl ihrer monetären Sicherheit aufbläht, sind im Irrtum.


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Wer sich gierig allem zuwendet, weiss nichts von der Bedeutung und Würde der Dinge. Es gibt Hierarchien. Hierarchie ist hier keine soziologische, sondern eine philosophische Kategorie.

Der aus Eitelkeit Eroberte hat keine Chance, er selbst zu sein.

Jede totalitäre Praxis braucht ihre heuchlerische Dialektik. Das gilt für den autoritären Familienvater ebenso wie für den sich omnipotent wähnenden Staatenlenker einer Diktatur.

Kulturkritik, die in ihrem Widerspruch noch die Verhältnisse spiegelt, die sie verneint, bleibt affirmativ.

Wer unfähig ist, Psychoanalyse in Gesellschaftskritik zu verwandeln, verwaltet nur den Status quo. Er betreibt weiterhin nur krankmachendes Krisenmanagement und sichert sich so den permanenten Zustrom von Klienten.

Auto bauen: Die trügerische Nützlichkeit heillosen Tuns. In hundert Jahren wird man entsetzt auf uns blicken. Wer nachdenkt, weiss es heute schon.

Es singen allzu viele im Chor der gesellschaftlichen Heuchelei.

Massentierhaltung: Terroristische Übergriffe einer Menschheit voller Hybris.

Die Masse lebt in ungesunden Städten und verbringt ihre Werktage an krankmachenden Arbeitsplätzen. Man hat ihr eingeredet, diese Unmenschlichkeit sei alternativlos. Also: Systemische Erkrankung als individuelles Schicksal.

Die augenzwinkernde Arglosigkeit des Konsumenten lässt ihn seine Mitschuld am Elend dieser Welt nicht erkennen.

Sein Urlaub lebte von der Ästhetik einer Dritt-Welt-Ghetto-Romanze. Armut als Kick für den Habenden.

Sentiment und Zynismus heiraten, wenn der Reiche mit lässiger Hand den Scheck für die Armen unterschreibt.

Rankings - Dummheit in Tabellen.

Die Tyrannei der grossen Augenblicke: Weihnachten und Ostern. Geburt und Tod. Doch jede Regung bleibt aus. Er lebt nicht, er funktioniert nur. So beschreibt ihn dann die herrschende Wissenschaft und versteht nicht, dass sie nichts vom Menschen verstanden hat. Das Studium am pathologischen Fall geht eben in die Irre.

Angst anästhesiert das Denken.

Bedingungslose Selbstbehauptung - eine Formel, die Feinde braucht, um zu existieren.

Wer über Lebensqualität nachdenkt, subordiniert, dass er in unserer Gesellschaft an dieser Gesellschaft leidet.

Reduktion von Komplexität ist noch nicht Befreiung zum Einfachen.

Fortschritt: Fortschritt wovon? Fortschritt wohin? Fortschritt als leere Bewegung oder unter dem Anspruch eines ethisch legitimierten Telos?

Konsumsucht und Verdrängung machen blind für ein Leben voller Schuld.

Als Bürger funktionieren zu müssen, bleibt auch in einer Demokratie Knechtschaft.

Sich im Verstehen üben erhöht die Bereitschaft, Fremdes gelten zu lassen.

Die Befriedung der Menschheit wird immer misslingen. Sie setzt viele emporgebildete Menschen voraus, die sich aus vernommener Vernunft heraus bewähren. Solche Emporbildung in grossem Massstab gelingt jedoch nur, wenn die gesellschaftlichen Verhältnisse solche Erziehung auch ermöglichen. Die Realisierung einer besseren Welt impliziert mithin die Existenz einer vernünftig gestalteten politischen Ordnung. Diese könnte dann den Rahmen abgeben für gebildete Individuen in grosser Zahl. Wir befinden uns in einem vitiösen Zirkel. Was politisch aussichtslos ist, bleibt dennoch persönlich sittlich notwendig. Es gibt die Rettung Einzelner.

Die platten Gelegenheitsargumente zur Begründung der Atomenergie erschüttern in keiner Weise das Nein zu ihr.

Die gewohnheitsmässig erworbene Sitte muss kein Ausdruck von ethisch legitimierter Moral sein.

Die Tragödie des ungezügelten Besitzenwollens macht uns unfrei.

Viele Medien führen uns in die Irre. Sie drängen uns dazu, das Falsche für wahr zu halten.

Bei Verwerflichem verweilen, lässt das Leben misslingen.

Sie sind aggressiv aus Angst. Schenkt ihnen Liebe!

Inmitten aller Ablenkungen wird es immer schwerer, sich selbst zu leben.

Das tödliche Vergessen erlaubt uns, das Gemetzel im Schlachthaus der Geschichte stets zu wiederholen.

Herzensangst, wenn die geliebte Kultur verramscht wird.

Mass der Mitte: Kultur des Elends - Kultur der Armut - Kultur des Auskommens - Kultur des Wohlstands - Kultur des Überflusses.

Angesichts des Elends dieser Welt missgönne ich den Toten ihre Sicherheit und Ruhe.

"Überall auf der Erde leben wir in einem Gefängnis."  John Berger.

In Wohlstandsgesellschaften mit ihrer Wegwerfmentalität ist alles Bemühen um MEHR nutzlos.

Die Waren beanspruchen den Konsumenten: Der arbeitende Kunde.

Sie haben aus uns prosumers gemacht. Wir sind Produzent und Verbraucher zugleich, also unbezahlte Mitarbeiter im Dienste des Kapitals.

Gesellschaftliche Gewohnheit ist noch nicht Wahrheit.

Für die sich als wertfrei gebenden Sozialwissenschaften erscheint der Prozess moralischer Entartung nur als Strukturwandel in der Gesellschaft.

Was bzw. wer sind wir? Gestalter unserer Gesellschaften? Ihre Teilhaber? Nein, nur noch deren Produkte, also soziale Marionetten.

Die Frau als das Modell einer traurigen Geschichte der Domestizierung durch den Mann. Immer wieder: Kinder, Küche, Kirche.

Der Mann als Jäger und Sammler. Krieg ist Menschenjagd. Nach dem Gemetzel dürfen die Frauen die Leichen einsammeln.

Fortschritt: Weitergehen, und koste es den Untergang. Die Abneigung gegen jeden substantiellen Richtungswechsel oder gar gegen die radikale Umkehr verbaut uns die Zukunft.

Für den homo sociologicus eine Katastrophe: Nicht zu wollen.

Die Ansprüche der Gesellschaft an das Individuum sind nur noch terroristisch.

Auf Institutionen ist kein Verlass. Sie sind dem Einzelnen gegenüber stets gleichgültig. Es kommt also auf die Qualität der Menschen in ihnen an.

Atomzeitalter: Unser Leben ist vom Schrecken kontaminiert. Dieses Wissen ist längst noch nicht bei allen angekommen.

Die atomare Bedrohung: „Hitler hat uns eingeholt“. Christa Wolf. Und das heute global.

Eine Gesellschaft, die ihren eigenen Wahnsinn nicht wahrhaben will, sperrt ihre Kritiker in Gefängnissen ein oder steckt sie in die geschlossenen Räume ihrer psychiatrischen Anstalten.

Zivilisationsekel ersetzt keine Theorie der Gesellschaft.

Antagonismen, mit denen man versucht, die Welt zu erklären: Ausbeuter – Ausgebeutete. Männer – Frauen. Berechnendes Denken – Besinnendes Denken. In ihrem Entweder-Oder taugen sie alle nichts.

Es sind gelehrte Barbaren, die die Welt zerstören.

Emotionalisierung des öffentlichen Lebens als Abdankung des Verstandes.

Wer die veröffentlichte Meinung vertritt, sollte wissen, dass er sich irrt.

Noch leben wir im Zeitalter der totalen Instrumentalisierung.

Sie bewerten die Grösse eines Zeitgenossen nach der Häufigkeit seiner Auftritte in den Medien. Grösse? Nein, Häufigkeit!

Zur Genealogie des Kleinbürgers: „Das tut man nicht“. Ohne Begründung.

Selbstverrat des Proletariats: Aus dem Reich der Notwendigkeit zu Kleinbürgern aufsteigen, ohne je Herr werden zu können.

Sozialer Aufstieg: Den Stolz des Proletariers gegen die neurotische Angst des Kleinbürgers eintauschen.

Ein Leben in bürgerlicher eintöniger Routine ermöglichte das Ungeheure: Auschwitz. Was wird es morgen sein?

Die Dreistigkeit in den oberen Schichten steht derjenigen unten in nichts nach, im Gegenteil.

Aber auch das gilt: Diese Kleinbürger sind verlässlichere Menschen als das Heer der Promis, der Mondänen und egomanischen Intellektuellen.

Für mich zunehmend unerträglich: Das gespreizte intellektuelle Sich-Distanzieren vom Elend der Lieblosigkeit in dieser Welt.

Viele Debatten dienen nur dazu, den Verstand glänzen zu lassen. An vernünftigen Lösungen ist man nicht interessiert.

Vorgesetzte sollten nicht danach streben, geliebt zu werden. Achtung tät es schon.

Nachmittagsprogramm im Fernsehen: Um öffentlich sich vorführen zu lassen, tilgt  der Stolz die Scham.

Es ist zu unterscheiden zwischen ehrbaren Armen und Tunichtguten, Nichtstuern, Trunkenbolden.

Die fünf A, die einen sozialen Brennpunkt garantieren: Alte, Alleinerziehende, Arbeitslose, Arme, Ausländer.

Entlastungen aus der persönlichen Verantwortung: Er sei eben das Produkt schlechter gesellschaftlicher Verhältnisse. Mutter hurt, Vater säuft. Folglich müsse er zuschlagen, klauen, randalieren. Was für ein fragwürdiger Soziologismus.

Die hoffnungsvollen Zeichen des Widerstandes werden immer wieder uminterpretiert: Blumenkinder auf den Laufstegen der Haute Couture.

Es gibt einen Grad von Elend, der nur noch Abscheu einflösst. Wie will man da auf Abhilfe hoffen?

Neureiche: Sie gaben nie etwas, und sie nehmen weiterhin alles.

„Die Menschen aus den Salons stehen morgens nie mit der bohrenden Frage auf: Was esse ich heute?“ Julien Sorel, die Hauptfigur in Stendhals Roman Le Rouge et le Noir.

Die nervöse Furcht, sozial abzusteigen, blockiert jeden revolutionären Gedanken.

Dem aktuellen Gewinner zu applaudieren, bereitet die Show vor für künftige Tage.

Heute lobt die Kritik das, was man kein zweites Mal lesen möchte, dafür übersieht sie das, was wiederholte Male zu lesen wert wäre.

Die Beschleunigung unserer Bewegungen ist ein Gradmesser der Flucht vor uns selbst.

In ihrer neurotischen Eile verletzen sie einander pausenlos.

Weshalb interessiert uns vorrangig der Wandel? "Die Stabilität ist nicht weniger geheimnisvoll als der Wandel." Claude Lévi-Strauss.

Nicht Männer, sondern falsche Denkmuster sind die Feinde der Frauen.

Der kategorische Imperativ der feministischen Emanzipationsbewegung: Frauen gehören an die Spitze! Die Inhalte und Ziele, die sie dort vertreten, sind nachrangig. Ein Beleg? Alice Schwarzers Einsatz für „Kohls Mädchen“ Angela Merkel im Wahlkampf 2005.

Wenn Frauen regieren, wäre die Welt dann humaner, gerechter und friedlicher? Es kommt auf die Frauen an. Wenn auch sie nichts taugen, würde sich nichts ändern.

Nach jahrzehntelanger preussischer Pflichterfüllung bleibt die bittere Einsicht, als Ehemann versagt zu haben. Ein Emanzipationsopfer?

Reichtum verlängert auf perfide Weise die ungelösten Eheprobleme. Man versucht, durch ständigen Zukauf das dem Markt Entzogene in Besitz zu nehmen, die Liebe.

Eine Mutter: Ich bin nicht gleich eine Schimpansin, weil ich mein Baby stille.

Die schrille Abscheu vor dem Gebären: Das Kind als Geisel.

Die Liebe zum Kind – ein jahrtausende altes Plagiat des Herzens. Heute will man uns diese Mutterliebe ausreden. Madame Badinter.

Eskapaden in Paarbeziehungen werden heutzutage missverstanden als Fülle des Lebens.

Der Verlust des Lebenspartners erzeugt nur noch Mangel, nicht Not. Deshalb auch die raschen Wiederverheiratungen nach dem Tod der Ehefrau.

Gute Ehen sind kompliziert; deshalb gibt es immer seltener welche.

Erika Manns scherzhafte Frage an einem Hochzeitstag an ihren Vater Thomas Mann, ob er seine Ehe wiederholen würde: „Nein, es überwog doch die Peinlichkeit.“ Verliebte, lernt daraus!

Wer nimmt die geheimnisvolle Traurigkeit von Scheidungskindern wahr?

Partnersuche im Internet: Der Suchende preist sich an als Produkt und wird somit zur käuflichen Ware. Eva Illuos.

Der Computerflirt zerschellt am Realitätstest der ersten Begegnung.

Partygäste: Teilnahmeunfähige Egomanen.

Sie führen nur noch ein Phantomleben, in dem sie das, was sie tun, nicht wirklich vollziehen.

Mutterrecht ( Matriarchat ) – Vaterrecht ( Patriarchat ): Menschenrecht.

Sie sagen Meine Frau und verhalten sich auch so: Besitz ergreifend.

Die Emanzipation hat das gutherzige Brummen der Männer zum Verstummen gebracht.

Im Feminismus sind die Männer der in Verruf geratene Teil der Menschheit.

Lesbische Liebe: Die Rebellion der Frau gegen den egozentrischen Mann zur Befreiung der weiblichen Säfte.

Die Vereinbarung, dass Mann und Frau sich gegenseitig zu befriedigen hätten, ist eine Forderung der Moderne. Ambivalenz des Fortschritts auch hier?

„Um heute zu gewinnen, müssen sich Männer feminisieren.“ Maureen Dowd.

Es gibt immer noch zu wenige Männer mit ansteckender Feinfühligkeit und Empathie. Das ist mit Feminisierung nicht zu verwechseln.

Die sanfte Magie ihrer Hände löscht den Macho im Mann.

Auch der Orgasmus kann zum Warenkonsum verkommen.

Heutzutage konsumiert die Masse schon, noch bevor die Werbung sie verführt hat.

Konsumenten: Sie fristen ihr Leben in einer nur materiellen und darin selbstgenügsamen Gewöhnlichkeit.

Junge Mädchen heute: Ihre Gehirne spiegeln nur ihren Körper. Figurbetontes Denken, das in Bulimie endet.

Wer seine Ruhe verteidigt, verletzt andere, auch und gerade die Freunde.

Die Quantität der Freunde steht im umgekehrten Verhältnis zur Qualität ihrer Beziehungen. Sie sind Isolierte im Koitus, sie sind Onanisten des Lebens. Facebook.

Der Ruf nach Spenden- und Stifter-Kultur restauriert feudale Gesellschaftsstrukturen.

Almosen demütigen.

Wir dürfen uns nicht mehr durch Leiden lebendig fühlen. Unsere pathologisierte Gesellschaft verbietet das.

Sobald der Neid das Motiv der menschlichen Empörung ist, fliesst Blut.

Konsument-Sein missverstehen sie als Fortschritt.

All-Inclusive-Tourismus: Käfighaltung für Verführte.

Tourismus – die vergebliche Flucht der Gehetzten vor sich selbst.

Der falsche Blick des Touristen: Armut wird zur pittoresken Enklave verniedlicht.

So mancher dröhnt sich mit allerlei Geräuschen die Ohren voll, um sich selbst nicht hören zu müssen.

Die Bürokratisierung von Politik und Wissenschaft ist ein Garant dafür, dass in den Überlebensfragen der Menschheit keine Lösungen angestrebt werden.

Was irritiert, die Heiterkeit während wissenschaftlicher Kongresse, die von der Shoah handeln.

Guter Journalismus: Man wäre schon zufrieden, wenn sie Klarheit ohne Seichtigkeit und Tiefe böten. Eben etwas Pragmatisches, also Nützliches.

Wer nicht wahrgenommen wird, existiert in unserer Welt nicht. Doch Leid und Elend bleiben, ob darüber berichtet wird oder nicht.

Den anderen sehen und ihn sofort ins vorfabrizierte Schema pressen: Die neue Ordnung der Dinge.

Das hochmütige Verstossen des Anderen wird sich bitter rächen.

Die Orthodoxie der herrschenden Meinung ist verletzend unduldsam.

Partygespräche, nicht nur: Standpunktlos im Trend mitreden.

Workerholicer: Wer nur in seinen gesellschaftlichen Pflichten aufgeht, geht bald in ihnen unter.

Von der lebendigen Ordnung der Natur zur gesetzlich erzwungenen Regelmässigkeit unserer total verwalteten Gesellschaften – sie nennen es Fortschritt.

Es bedarf eines a-historischen Sinnes, um den gesellschaftlichen Fortschritt für überflüssig zu erklären.

Karrierestreben: Stellen erklimmen, denen man nicht gewachsen ist.

Professionalität: Nur in der Berufsrolle erscheinen, nie als Mensch.

Mobilität: Der keuchende Galopp des auf der Strecke gebliebenen Menschen.

Früher kaufte man das Obst, nachdem man es gekostet hatte. Heute kauft man es nach dem Aussehen. Die Welt als Oberflächenphänomen.

Ach, die Selbstgefälligkeit der Oberschicht in den Nobelenklaven dieser Welt und die der Rentner auf Mallorca: In der Struktur kein Unterschied.

Wir vergeuden unsere Energie ans Materielle, statt die wahren Dramen unseres Daseins zu leben.

Solidarität unter dem Motiv der Wahrnehmung von Partikularinteressen verletzt die Vernunft.


Peter Kern


 


Zufällig ausgewählte Glosse

Bereits Honoré de Balzac wusste, dass im Kapitalismus die Menschen entweder Kassierer oder Defraudanten, also ausgebeutete Dummköpfe oder Schurken, würden.