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Wissenschaft

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Wissenschaft





Die Kenntnis des Vielen als Information führt noch nicht zur Erkenntnis als Verständnis.


Was ich wahrnehme, sagt mir nicht, warum es so ist, wie es sich zeigt. Um das zu verstehen, brauche ich den Logos: Verstand und Vernunft.


Wahrheit ist nicht nur Urteilswahrheit. Wer das nicht versteht, scheitert in Konfliktsituationen mit seiner Gesprächspartnerin, mit seinem Gesprächspartner.


Wer zur Wahrheit nicht fähig ist, der kann auch nicht zu einem gültigen Wissen gelangen.


Die Eindeutigkeit unserer Verstandesurteile raubt den Erscheinungen die Nuancen. Unsere Erkenntnis der Dinge und Menschen ist plump.


Dem empirischen Aufsammeln menschlicher Eigenschaften geht immer schon eine Idee voraus: Biologismus, Soziologismus, Idealismus. So erscheint jede Eigenschaft im Lichte eines anderen Menschenbildes anders.


Das Mögliche ist nicht das Nicht-Wirkliche, sondern das Un-Wirkliche als das noch nicht am Wirken Seiende.


Wahrnehmung ist nicht Wissen. Sie klebt am Vorhandenen, ohne dessen Sein zu verstehen. Wer die „Natur“ als Steinbruch für die Befriedigung menschlicher Begehrungen nimmt, weiss nicht, was „Natur“ i s t: „Physis“, griechisch gedacht.


Der phänomenologische Tatbestand liegt immer vor dem naturwissenschaftlichen Erklärungsschema. Dieses reisst Teile an sich, während jenes das Ganze erblickt.


Standardisierte Prüfungen, etwa Tests, unterbinden manchen Missgriff der alten subjektabhängigen Notengebung. Zugleich aber führen sie andere Ungerechtigkeiten ein, denn der Mensch ist kein funktionales System. Schon am Beginn der modernen Massenprüfung fehlt der aufmunternde Händedruck des Prüfers. Und am Ende steht eine Note mit zwei Ziffern hinter dem Komma. Die ist niemals gerecht, wohl aber statistisch korrekt.


Archiv

Wer von Ursachen auf Wirkungen schliesst, hat den Grund der Dinge noch nicht verstanden.

Die Doktrin der moralisierenden Technikkritik übersieht die Steuerung aller Wahrnehmung und Weltauslegung durch Technik. Diese Steuerung selbst ist bereits bösartig.

Das Technische raubt uns die Freiheit und speist uns gönnerhaft ab mit Komfort und Macht.

Wem Naturgesetze allein die Welt auslegen, der haust eingezwängt als Erscheinung unter Erscheinungen. Er kennt die Freiheit des Entwerfens und des Entscheidens qualitativ neuer Möglichkeiten nicht.

Unser Leben ist nicht epistemologisch, sondern nur doxologisch zu begründen.

Humanwissenschaften: Sie sagen alle dasselbe, nur auf verschiedene Weise. Die einen erfassen vom Menschen nur ein Fragment, die anderen denken umgreifend. Die Letzteren werden zu Klassikern. Von ihnen können wir immer wieder lernen

Politik, Gesellschaft, Wissenschaft, Theologie: Man suspendiere nur ihr jeweiliges Kategoriensystem, und schon ist ihr Anspruch auf Selbstverständlichkeit und Wahrheit dahin. Wie also legitimiert man Kategoriensysteme?

Wer die Welt in einen reinen formalen Code verwandelt, treibt ihr das Leben aus. Intellektueller Exorzismus.

Wir alle sind vom Kommerz besudelt, also Unfreie. Das gilt auch für die Wissenschaftlerin und den Wissenschaftler.

Die so genannte vorurteilsfreie, objektive und zweckfreie Wissenschaft wird dort am intensivsten gefördert, wo sie dem Wohlstand dient. Eine hübsche Paradoxie.

Die Sklavenseelen der Brotgelehrten haben endlich ihre Heimat gefunden. Sie sind vom höchsten Reich der Freiheit umgezogen in die durchreglementierte Bologna-Universität.

Ein postmoderner Wissenschaftler: Sein ökonomischer Nützlichkeitspanzer verhindert jede menschliche Regung.

Die Metaphysik fragt nach dem Sein des Seienden, sie fragt aber nicht nach dem Sein selbst. Dieses Sein jedoch eröffnet erst den Wahrnehmungshorizont des Seienden. Dieses Sein wechselt in der Geschichte. Über diese Seinsgeschichte wissen wir nur wenig. Wir wissen heute gar nicht mehr, dass alles auch ganz anders sein könnte. Seinsvergessenheit. Martin Heidegger.

Was passiert, wenn man Erlebnis-Qualitäten auf chemisch-physikalische Quantitäten reduziert? Man hat keine Erlebnis-Qualitäten mehr. Eine physikalische Wellenlänge kann niemals logisch einer Farbe äquivalent sein. Farbe hat als Farbe Farbqualitäten, keine Längenquantitäten. In unserer Lebenswelt macht es Sinn zu sagen, die Farbe Rot habe etwas Aggressives; dagegen macht es keinen Sinn zu sagen, sie habe etwas Langwelliges.

Nicht jede Begründung ist ein Beweis.

Aus den chemisch-physikalischen Vorgängen im Gehirn ist das menschliche Wahrnehmenkönnen von etwas als etwas grundsätzlich nicht erklärbar. Der moderne Hirnforscher setzt das von ihm zu Klärende immer schon als etwas bereits Gegebenes voraus. Welch unerlaubte Fall einer petitio principii!

Es sind unsere wissenschaftlichen Methoden, die die Gegenstände unserer Erkenntnis konstruieren. Die neuzeitlich verrechnenden Wissenschaften geben den Phänomenen keine Chance, sich von sich aus selbst zu zeigen.

Denken, das allein dem Kausalitätsprinzip verfallen ist, reicht für das Verständnis von Leben nicht aus.

Warum hört die Zellteilung in einem gesunden Organ immer dann auf, wenn das Organ voll ausgebildet ist? Mit physikalisch-kausalen Gesetzen ist dieses Phänomen prinzipiell nicht erklärbar.

Immer wenn etwas als etwas wahrgenommen wird, ist es schon ausgelegt im Horizont einer Seinsart. Diese Horizonte selbst entziehen sich jeder wissenschaftlichen Beweisbarkeit. Beispielsweise ist Natur nicht nur das, als was sie im Horizont der naturwissenschaftlichen Wahrnehmung erscheint.

Das Begriffene ist für den rechnenden Verstand das schon Erledigte, ohne vernommen zu haben, was er wirklich begriffen hat.

Wissenschaft, die nur dem Nutzen dient, ist blosse Technik.

Erkenntnis, die immer nur siegen will und auf Beute aus ist, wirkt tödlich.

"Das Höchste wäre: zu bgereifen, dass alles Faktische schon Theorie ist." Johann Wolfgang von Goethe: Maximen und Reflexionen.

Die neuzeitliche Wissenschaft ist nicht dasselbe wie die scientia im Mittelalter, die ihrerseits verschieden war von der episteme der alten Griechen. Welche der drei Wissenschaften antwortet angemessen auf die ökologischen Herausforderungen unserer Zeit?

Die Hermeneutik der Faktizität (Heidegger) des eigenen Lebens bedarf keiner Beweislogik, um wahr zu sein.

Auch die Humanwissenschaften haben exakt zu sein, nicht erbaulich.

Herrschaftswissen führt nie zu Heilswissen. Herrschaftswissen bleibt an den Willen zur Macht gekettet.

Entscheidend: Aus welchem Seinshorizont legen sich die Einzelwissenschaften aus? Martin Heidegger schreibt die Geschichte des Seins als Verfallsgeschichte. Danach erkennen wir heute unter den Bedingungen des Gestells. Keine gemütliche Perspektive.

Die Berufung auf empirisch gesicherte Tatsachen übersieht, dass jede Tatsache immer nur eine Tatsache im Horizont einer Theorie ist. Die Metaphysik der Theorien bestimmt also die Tatsachen.

Nur metaphysische Thesen zwingen die positive Forschung zur Besinnung.

Ein Nadelstich gegen das lineare Denken: Nur wer im Kreis geht hat auch die Möglichkeit, ins Zentrum zu blicken.

Die empirische Hirnforschung mit ihren bildgebenden Verfahren kommt zu Sätzen über die Wirkungsweise des Gehirns. Solche Sätze sollen zugleich das Forschungsgebiet und dessen Möglichkeiten sichern. Man bewegt sich also im Kreis. Doch das wird vom modernen Hirnforscher nicht wahrgenommen. Er wähnt sich im Kreisgang auf einer geraden Linie, die er als Fortschritt deutet, bis er plötzlich wieder am Anfang anlangt und dann ratlos dasteht, weil es keinen Fortschritt gab.

Definitionen verendlichen. Sie machen die Welt berechenbar, aber zugleich auch ärmer.

Erfahrung kann nicht die Basis für apodiktische Erkenntnis sein.

Ist die Differenz zwischen apodiktischem Urteil und assertorischem Satz wirklich aufgehoben? Der Streit um den Unterschied zwischen nomothetischen Naturwissenschaften und idiographischen Geisteswissenschaften scheint noch nicht erledigt zu sein.

Die Quantenphysik rehabilitiert den platonischen Materialismusbegriff. Sie bringt die aristotelische Vorstellung von Materie ins Wanken. Platon: Timaios. Werner Heisenberg: Physik und Philosophie.

Die grammatische Form des Satzes behindert die Formulierung spekulativer Wahrheiten. Platon: Politeia, 7.Brief. Hegel. Heidegger.

Im dihairetischen Verfahren sind die Teile nur aus dem Ganzen zu verstehen. Nur das Ganze ist das Wahre. Das analytische Verfahren der Naturwissenschaften verfehlt folglich die Wahrheit. Es kann nur das Richtige erkennen. Das Richtige muss aber nicht das Wahre sein.

Nur synthetischen Sätzen a priori kommt Notwendigkeit zu.

Erfahrung erlaubt keine Verallgemeinerung.

Gegen jeden Dualismus gesprochen: Zwei Prinzipien, die angeblich nicht aufeinander beziehbar sind, wie etwa Natur und Geist, sind immer schon darin identisch, dass sie Prinzipien sind.

Kohärentes Denken fordert immer das System.

Unterscheiden lernen zwischen der Wahrheit eines Vorfalls und dessen Interpretation.

Über Folter lässt sich nicht wertfrei sprechen. Wer das unter dem Anspruch wertfreier Wissenschaft versucht, scheitert mit seiner Beschreibung.

Sind Konstruktivisten Narzissten?

Sagen, dass etwas ist: Sachverhalt, Faktum. Sagen, was etwas ist: Sinn, Wesen.

Wissenschaft: Bedingungsloser Machtwille über die Dinge oder unbedingter Wille zur Wahrheit? Wir müssen uns entscheiden.

Sobald der Mensch zum nur materiellen Objekt der Erkenntnis wird, hört er auf, als freie Person zu existieren.

Ganzheitliches Denken missversteht sich, wenn es nur um den Preis von Besiegten zu haben ist. Dann geht es nicht um Frieden fördernde Zusammenschau, sondern um selbstgerechte Vereinheitlichung, also um unterdrückende Gewaltanmassung.

Noch bevor wir etwas wahrnehmen, lenkt der Innenraum unserer Wertempfindungen den Strahl der Erkenntnis. Angst macht alles zum Feind. Liebe erlaubt ein friedliches Miteinander und, selten, sogar die grosse Freundschaft.

"Es schläft ein Lied in allen Dingen." Joseph von Eichendorff. Konstruktivisten wollen die Dinge nicht wecken, um deren Lieder zu hören. Sie zwingen ihnen fremde Lieder auf.

Die Naturwissenschaften mit ihrem trivialen Erklären haben die Welt banal werden lassen.

Alle Erkenntnis sei Konstruktion. Das ist der postmoderne Übermut einer geistigen Selbsttäuschung.

"Wenn Sozialwissenschaftler die Mathematisierung für den einzigen Weg zu plausiblen Schlussfolgerungen halten, schlägt ihre Wissenschaft Purzelbäume."  Harry Collins / Trevor Pinch: Der Golem der Technologie, 2000.

Der Anspruch der Wissenschaft auf Voraussage und Kontrolle sei unhaltbar. Gregory Bateson.

Veritas filia temporis. Wächst die Wahrheit wirklich mit der Zeit?

Aus Weisheit unwissend werden: Ein Gelehrter.

Nicht das Denken findet die Wahrheit, es ist die Person als Ganze.

Die Studenten Bolognas waren einst die aus Liebe zur Wissenschaft Heimatlosen. Heute sind die Bolognastudenten heimatlos, weil ohne Liebe zur Wissenschaft.

Die Wahrheit einer Aussage hängt nicht von ihrer Anerkennung ab.

Systemtheorie: Die Beschreibung schnarrender Automatismen anonymer Vollzüge, denen man die personale Verantwortung ausgetrieben hat.

Wenn sich in der Philosophie Wahrheit auf historische Richtigkeit reduziert, dann hat sie uns in unserer Not nichts zu sagen.

Wir pendeln zwischen obskurem Spiritualismus und manischem Materialismus haltlos hin und her. Wir leiden unter Gleichgewichtsstörungen. Uns fehlt die menschliche Mitte.

Alles nur Materialismus? Nein, alles nur Material, bis hin zum Menschenmaterial.

Wirklich sei nur das, was wir messen und mathematisch berechnen können. Das gilt etwa für Töne. Können wir das Brausen eines Sturmes messen? Seine Windgeschwindigkeit wohl, aber sein Brausen? Nein. Ist das Brausen nun unwirklich?

Wie zähmt man die wissenschaftliche Arroganz?

Mit der intellektuellen Akrobatik, wie man sie in universitären Oberseminaren pflegt, versäumen wir das Notwendige: Taten zur Rettung der sinkenden Welt.

Wenn das sektorielle Denken den eigenen Standpunkt verallgemeinert, kommt Unsinn heraus.

Wertfreie Wissenschaft – ein Diktum für Unaufgeklärte.

Wenn Du den YETI siehst, so behalte das für Dich. Könnte das an unseren Universitäten Nachdenken auslösen? Nicht alles, was wir wissenschaftlich können, sollten wir auch tun. Die vielbeschworene Freiheit der Wissenschaft schliesst die Freiheit, etwas nicht zu machen, ein.

Die heutigen Wissenschaftler sind zu sehr Techniker, zu wenig Schöngeister.

Denken: Wie die Scherben in einem Kaleidoskop fallen - bei jeder Drehung verschiebt sich das Gefüge der Welt.

Der Zweifel gehört zum Wissenschaftler. Nur sollte er nie daran zweifeln, dass er als Mensch gut sein kann. Denn dies muss er selbst nur wollen.

Der anschwellende Penis erklärt ebenso wenig die Begierde wie die Hirnfunktionen den Willen.

Unsere so genannt wertfreie Wissenschaft vermag keine Ziele für das Leben zu begründen. Doch statt Magd des Lebens zu bleiben, hat sie sich zum Tyrannen aufgeschwungen.

Die heutigen Wissenschaftler sind Zuhälter des Zeitgeistes.

Je erfolgreicher die Naturwissenschaften werden, desto offensichtlicher ist der Verlust ihrer Unschuld.

Naturbedingte Verführungen zum Dualismus: Tag und Nacht; Leben und Tod. Gesellschaftliche Verführungen: Ausbeuter und Ausgebeutete; Rechte und Linke. Spirituelle Verführung: Böse und Gut. Doch, Obacht. Das sind keine sich ausschliessenden Gegensätze. Nehmen wir das Zusammenhängende von Tag und Nacht: "Ist nämlich Eines!" Heraklit. Parmenides. Hanspeter Padrutt: Und sie bewegt sich doch nicht. Im besinnenden Denken werden die Trennungen hinfällig.

Fortschritt ohne Besinnung auf zukunftsfähige Lebensstile annulliert sich selbst.

Naive Vorurteile artikulieren sich als Gerede, vorschnelle Theorien als leerer Betrieb. Lasst doch endlich die Dinge sich von sich selbst her zeigen: Phänomenologie.

Solange das mehrperspektivische Wahrnehmen im Horizontalen bleibt, laufen wir standpunktlos um die Dinge herum. Erst die Verlagerung ins Vertikale macht wertsichtig.

Wissenschaftliche Richtigkeit ist nicht die Wahrheit der Natur, des Alltags und des Menschen.

Wie wollen wir denken? Wollen wir den einheitlichen Weltzusammenhang im Sinne der Physik erklären oder im Sinne des Parmenides verstehen "als Eins, zusammenhaltend"?  Hanspeter Padrutt: Und sie bewegt sich doch nicht.

Die Naturwissenschaft behauptet die Zwecklosigkeit der Natur. Woher weiss sie das? Wie begründet sie das? Jedenfalls nicht aus den methodischen Regeln ihrer Erkenntnisgewinnung. Sie wird irrational.

Die Vulgarität der grenzenlosen Anpassung an die Tagesmode kennzeichnet die aktuelle Universitätsreform mit dem viel versprechenden Namen Bologna.

Auch an den Universitäten ist man wie verhext vom Zauber des ökonomischen Wachstums und vernarrt in die geistlose Akkumulation von Waren und Kapital.

In den Wissenschaften männliche Einsichten als neutrale Erkenntnisse auszugeben, ist scheinheiliger Machismo.

Die Bologna-verseuchte Ausbildung an den Universitäten richtet erfolgreich unsere abendländische Kultur zugrunde. Ein beachtlicher Beitrag von Effizienzoptimierung.

In den Bologna-gebeutelten Universitäten schläft die philosophische Tradition in verstaubten Archiven. Man wird sie wieder aufwecken müssen.

Die Universitätsreformer kennen nur noch einen Feind, den unabhängig forschenden Geist, den selbständig denkenden Einzelnen.

Es gibt Themen, die dem postmodernen Wissenschaftler immer unangenehm bleiben, weil sie ihn als Person treffen könnten.

Wer nur auf Statistiken hört, ist subaltern.

Systemimmanente Begleiterscheinungen von hoher Effizienz sind recht materiell: Gefährlicher Schutt, vergiftete Abfälle mit allen negativen Folgen für das Leben.

Schliesst die Universitäten! Es gibt schon zu viele gut ausgebildete charakterlose Lumpen.

„Ein Talent, doch kein Charakter.“ Trifft das Karl-Kraus-Notat Hans Magnus Enzensberger?

Die eitle Überlegenheit lebender Professoren über das tote Genie ist einfach nur abstossend.

Verführter Beamter: Die Qualität seiner Vorlesungen und Seminare war unseriös bis zur Läppischkeit.

Statt die Höhen der reflexiven Distanz zu erklimmen, baden Professoren heute mit ihren Studenten lieber lustvoll im Meer der Affirmation.

Weshalb erscheint dem Wissenschaftler das Geschenk ernsthafter Gebete nur noch als Suggestion?

Es gibt Wirklichkeiten, nur durch Worte evoziert. Wer diese ablehnt, ist kein Realist, wie er für sich in Anspruch nimmt, sondern ein Dummkopf.

Leeres Polarisieren löst keine Probleme.

Wissenschaftliche Intelligenz ist die Komplizin der Karriere ihrer Träger.

Radikaler Konstruktivismus: Sich selbst solange belügen, bis man an seine eigenen Lügen glaubt.

Schopenhauer charakterisiert einen Solipsisten: Er sei ein "in einem uneinnehmbaren Blockhaus verschanzter Irrer." Gilt das auch - entgegen seiner Selbstwahrnehmung - für den radikalen Konstruktivisten?

Ihr Verständnis der Wirklichkeit hängt ab von der dürftigen Potenz ihrer Phantasie.

Gegen den radikalen Konstruktivismus: Das Erkannte war früher als der Erkennende.

Empirische Untersuchungen behaupten, bewiesen zu haben, Scheidungskinder nähmen keinen Schaden. Ideologische Fragestellungen ermöglichen jedes statistisch abgesicherte Ergebnis.

Unter den trendigen Geschäftsanzügen der reformwütigen Bologna-Exekutierer schlägt das Hasenherz der lähmenden Furcht, aus Unachtsamkeit einen eigenen Gedanken zu denken und damit unangenehm aufzufallen.

Der universitäre Drill in den Bologna-Studiengängen macht die Studierenden taub für zukunftsfähige Ideen.

Lichtenberg: „Ich glaube nicht, dass unter der so genannten studierenden deutschen Jugend die Summe leerer Köpfe je grösser gewesen ist als jetzt.“ Ach, guter Lichtenberg, Sie kannten die Bologna-Studenten noch nicht.

Reformwütige haben den Kulturraum Universität liquidiert. In ihr treibt man nur noch Erkenntnis ohne Liebe.

Die Reformer verflüssigen die Substanz der alten Universität, bis die Tradition in den modulisierten Studiengängen völlig überflüssig geworden ist. Wenn es gut geht, schwimmen gelegentlich noch Brocken alter humaner Wissensbestände in der neuen Sauce von technischer Verwertbarkeit und Effizienzoptimierung.

Das erbarmungslose Gesetz akademischer Karrieren deformiert die Sieger.

Tollkühn schliesst man vom System Gehirn auf den ganzen Menschen.

Alle Systemkonstrukteure vergewaltigen.

Gedanken, die der Zucht der aphoristischen Triftigkeit gehorchen, taugen nicht zu Systemkonstruktionen.

Was ziehen Sie vor? Das Entweder-Oder oder das Sowohl-Als-Auch?  Das Oder zwischen beiden Optionen präjudiziert eine Antwort, die man gar nicht geben wollte.

Die Idee der Menschlichkeit ist effizient aus den Universitäten emigriert.

Vor dem Studium verbindet uns Menschen das Herz. Nach dem Studium verbinden uns nur noch die Köpfe. Also: Um die Vernunft gekürzter Verstand; halbierte Rationalität.

Es gibt kaum noch klare Gedanken. „Ein Meinungsragout breitet sich aus.“ F.J. Raddatz.

Gespreizter Schwindel, hoch geachtet. Dabei ist es nur ein einziges Durcheinander von Beliebigem. Eben „eleganter Unsinn“. Alan Sokal / Jean Brickmont. Vgl. die Sokal-Affäre.

Unverkrustete Menschlichkeit sucht man bei den neuen Professorinnen und Professoren vergeblich. Sie missverstehen diesen Mangel als Ausdruck wissenschaftlicher Objektivität.

Jede Generation erfindet ihre Dummheiten, ohne das zu finden, was ein Leben trägt.

Es gibt antizipierbare Katastrophen, aus denen es, wenn sie beweiskräftig eingetreten sind, nichts mehr zu lernen gibt, weil wir dann alle tot sind. Deshalb: Heuristik der Furcht. Günther Anders.

Das genetisch Neueste ist längst nicht immer das in der Geltung Höchste. Vittorio Hösle.

Erkenntnisgenese des Phänomens Vakuum: Epikur, Gassendi, Newton.

Erkenntnisgenese des Phänomens Licht: Die alten Griechen, der Araber Alhazen, Descartes, Grimmaldi, Newton, Einstein.

Erkenntnisgenese des Phänomens Liebe: Bei den alten Griechen Agape, im Christentum Caritas, und heute nur noch chemisch verursachte Eingeweidefunktionen.

Mit trunkenem Entzücken werden diejenigen zitiert, die gerade in Mode sind. Von der Haute Couture wissen wir: Moden wechseln rasch.

Ein Katheterphilosoph: Es gelang ihm mühelos, die Grossen der Philosophiegeschichte auf Phrasen hinunter zu kürzen

Philosophiegeschichte betreiben, tötet das Eigene; sie zu ignorieren, überschätzt es.

Der heutige Wissenschaftsbetrieb ist die Hure der Habsucht, also der Wirtschaft.

In den Fakultäten und Senaten verhindert die kleinbürgerliche Mentalität von Aufsteigern jeden grossen Gedanken.

Dem Kathederphilosophen genügt ein kalter Gedanke, um einen Grossen seines Faches zu erledigen. Dieser Grosse würde mit ihm nie so verfahren. Selbst wenn er ihn wegen seiner Mediokrität übersehen müsste – er würde daran leiden.

Die Philosophen der Universitäten sind selten Philosophen fürs Leben.

Die Hörsäle der Sozialwissenschaften sind zu Plauschbörsen des Zeitgeistes geworden.

Das ständige Versagen von Experten wäre ein vergnügliches Schauspiel, wie Hochmut vor den Fall kommt, - wenn es nicht so tödliche Konsequenzen hätte.

Wissenschaft, die nur auf Verwertbarkeit aus ist, verrät die von ihr untersuchten Sachen.

Die genetisch letzte Mode in den Wissenschaften gilt fälschlicherweise als die grösste Richtigkeit. Für die Humanwissenschaften hat das katastrophale Folgen.

Das abstrakte Gerede des postmodernen Humanwissenschaftlers ist proportional zur Belanglosigkeit seines Inhaltes.

Lichtenberg stellte fest, dass Frauenzimmer, wie er sie damals nannte, im Vergleich zu Männern vernünftig urteilen könnten. In einer Fussnote beeilt er sich, hinzuzufügen: Wenn sie erst einmal besser erzogen werden – er meint: eine Universität besuchen dürfen -, so werden auch sie schlechter werden, also den guten Vernunftgebrauch dem Verstandesegoismus opfern. Wie weitsichtig!

Wer verstehen will, muss schon verstanden haben, denn nichts sagt ein guter Text demjenigen, der nicht sehen kann.

Alles hängt von unserer Grundeinstellung ab. Verstehen von Wille zu Wille aus der Wertgestimmtheit der Angst, des Glückes oder der Liebe: Positismus - ästhetischer bzw. objektiver Idealismus - ethischer Idealismus bzw. Idealismus der Freiheit. Wilhelm Dilthey.

Von einem Wissensdurst beherrscht sein, der zu keinen pragmatisch verwertbaren Ergebnissen führt: Ein glücklicher Forscher.

Verstehen heisst, unter Teilnahme etwas begreifen.

Moderne Wissenschaft entreisst den Dingen ihre verborgene Verwertbarkeit. Das ist tödlich.

Eine Hand, die nicht liebkost, begreift nichts.

Sie denken zuviel im Sitzen. Sie sollten mehr gehen. Peripatos.

Die Flut der Bilder ermöglicht infofreie Köpfe: Man sieht alles und versteht nichts mehr.

Wir glotzen, also sind wir.

Nicht alles, was sie wissenschaftlich abgesichert suchen, lässt sich auch finden.

Den intelligiblen Teil des Charakters fängt keine Wissenschaft ein. Deshalb zu behaupten, ihn gäbe es nicht, zeugt von wissenschaftstheoretischer Ignoranz.

Im Ozean der Welt fischen Wissenschaftler mit zu grossmaschigen Netzen. Hans-Peter Dürr.

Der Glaube an die moderne Wissenschaft ist längst zum Aberglauben geworden.

Heute entlassen die Universitäten Technokraten, die stolz darauf sind, mehr zu arbeiten als alle anderen. Dabei haben sie nur nicht gelernt, Wesentliches von Unwesentlichem zu unterscheiden.

Die Wahrheit stirbt, stranguliert von universitären Karrieristen.

Die liebende Vernunft integriert die empirischen Daten der Wissenschaften in ein übergeordnetes Ganzes; der berechnende Verstand dagegen benutzt sie schamlos zur Leben bedrohenden Machtsteigerung.

Informationen: Unverstandener Wissensmüll in schlecht gelüfteten Köpfen.

Die empirische Zwillingsforschung überrascht, wie einheitlich zwei Menschen sein können. Die philosophische Anthropologie zeigt ihre tief unterschiedlichen Werthorizonte. Beide halten das Weinglas mit gespreiztem kleinem Finger, der eine trinkt auf den Kapitalismus, der andere auf den Sozialismus.

Der Heuschreckenwissenschaftler: Stephan Hawking sieht die „Zukunft der menschlichen Rasse langfristig im Weltraum“. Also: Einfallen, abgrasen, weiterfliegen.

Der wissenschaftliche Verstand sucht Gründe, um an Evidenzen zweifeln zu können. Auf diese Weise macht er alles wurzellos, und das Leben verdorrt.

Wer wagt noch, die computergestylten Seminararbeiten zu kritisieren? Ihr Layout scheint für die Ewigkeit gemacht. Auch hier, mehr Schein als Sein.

Die wissenschaftlich Besonnenen zügeln ihre Erkenntnisse im Wahrheitsraum der Vernunft. Die professionellen Verwerter dagegen spannen die empirisch gewonnenen Erkenntnisse nur noch vor den Wagen des machtförmigen Verstandes.

Jede Definition tötet das Definierte.

Eine sorgfältige phänomenologische Beschreibung öffnet die Türen zu den Sachen.

Kategoriensalat: Die Thesen der Hirnforscher werden umso komischer, je präziser sie werden.

Die Hörigkeit des berechnenden Denkens bestimmt inzwischen sogar die philosophischen Seminare.

Akademische Berufungsverfahren: Der verbissene Versuch, Überlegene zu verhindern.

Wir leben in keiner Gelehrten-Aristokratie; es ist nicht einmal eine Gelehrten-Republik.

Demokratische Ausweitung: Von der Einheit von Forschung und Lehre zur akademischen Kükenhaltung.

Das Wichtigste an Kongressen: Die Spesen- und Taxirechnungen einzulösen.

Das menschliche Hirn wächst mit dem Fleischkonsum. Nach neuesten Knochenfunden: Der Mensch ass schon Millionen Jahre früher Fleisch als bekannt. Sind wir nun klüger geworden?

Eine Scherbe – eine ganze Kultur. Ein Papyrusfragment – eine ganze Philosophie. Fakten schaffen aus Indizien: Nicht nur am Tatort kriminell.

Die Humanwissenschaften danken genau in dem Moment ab, in dem sie versuchen, das Offensichtliche zu quantifizieren.

Früher wurden die Zeugen der Wahrheit totgeschlagen, so wie Sokrates oder Jesus, heute erschlägt man gleich die Möglichkeit von Wahrheit überhaupt. Das nennen sie den neuesten Stand in der Erkenntnistheorie.

Alle Erklärungen sind überheblich.

Nach der Promotion ernährte er sich nur noch von Zeitungs-Häppchen und Video-Clips.

Solange die Leistung eines Forschers an der Anzahl seiner Veröffentlichungen gemessen wird, werden wir vergeblich auf den Umschlag von Quantität in Qualität warten müssen.

Kategorischer Imperativ für Humanwissenschaftler: Nichts vor dem 50. Lebensjahr veröffentlichen!

Universitäten hängen heutzutage Schilder wie Gastwirte aus: Einkehr zum Exzellenzcluster XYZ.

Erstaunlich, wie viel Geld für empirische Forschungen ausgegeben wird, nur um Banalitäten des Alltags wissenschaftlich abgesichert zu haben. Auch hier, kein Wissen mehr über Rangordnungen.

Heideggers Diktum, die Wissenschaft denkt nicht, sie rechnet bloss, entlarvt so manche Forschung als das Ergebnis einer armen Krämerseele.

Wenn der Lärm der Lehrenden die Vergangenheit übertönt, dann siegt in den Hörsälen die Mittelmässigkeit.

Die Universität in postmodernen Zeiten bildet nicht mehr, sie instruiert nur noch.

Die Talentlosen drängen heute zur Wissenschaft. Ausnahmen bestätigen die Regel.

Empiriker forschen an Länder-Rankings zur Lebensqualität. Das ist eine weiche Kategorie. Man muss sie operationalisieren: Gesundheit, Sicherheit, angenehmes Leben. Und ehe sie sich’s versehen, kommen sie vom Regen in die Traufe.

Indem der Wissenschaftler die menschliche Spontaneität aseptisch zergliedert, hat er sie auch schon zerstört.

Das technisch Perfekte reicht grundsätzlich nie an das Leben heran.

Wissen, das von Empfindungen abgeschnitten wurde, wirkt tödlich. Das ist die Crux aller Wissensfabriken, vulgo: aller modernen Universitäten und Think Tanks.

Gegen den neuesten Stand der Forschung hilft kein anderes Mittel als die Zeit.

Auch dies gilt: Blosse Abweichung vom Zeitgeist ist noch kein Ausweis einer fundierten Ansicht.

Das technokratische Geschwätz neurophiler Philosophen entsorgt unermüdlich das Menschliche am Menschen.

Bevor jemand hoch gezüchteten Unsinn schreibt, sollte er lieber taugliche Register von guten Büchern erstellen.

Die wenigen guten Bücher ertrinken in der Flut ihrer schlechten Nachbarn.

Unter den Händen unserer universitären Verstandesegoisten ist die Wahrheit unfruchtbar geworden.

Respekt vor einem Lebenswerk? In jedem beliebigen Proseminar wird jeder erstbeste Grünschnabel dazu angehalten, über die ernsthaften Bemühungen eines ganzen Lebens rasch und hochmütig zu urteilen.

In den Worten steckt die Philosophie unserer Vorfahren. Heidegger: Die Sprache denkt.

Die Herrschsucht der Wissenschaftler verdirbt ihre Erkenntnisse.

Die Regale unseres Erkenntnismarktes sind übervoll. Allein, es fehlt die Anleitung, um sich zurecht zu finden.

Der Stammtisch nähert sich gelegentlich mehr der Wahrheit als so manches universitäre Oberseminar.

Kein Informationswissen gibt auch nur den Hauch einer Antwort auf existentielle Fragen.

Ich vertrete ein Loser-Programm: Sokrates vergiftet, Jesus ans Kreuz genagelt, Gandhi und King erschossen. Die taugen nicht zur ökonomischen Standortsicherung, sie reichen nicht einmal für eine universitäre Exzellenzinitiative.

Unkenntnis ist die weit verbreitete Quelle so mancher Publikation.

Ein sorgfältiger Blick in die Geschichte hätte es manchem Autor erspart zu schreiben.


Peter Kern


 


Zufällig ausgewählte Glosse

Sich mit heiterer Gelassenheit von den Grundsätzen seiner Zeit beurlauben zu können, ermöglicht eine zukunftsfähige Kreativität.