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Werk seiner selbst

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Werk seiner selbst -

Spirituell-geistige Betrachtungsweise




Werk seiner selbst


Die Dinge des alltäglichen Gebrauchs sind nützlich, nicht aber das Ziel unseres Lebens.


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Wer in der Liebe auf Beute aus ist, hat nie geliebt.

Wenn sich das Leben in die Zusammenhanglosigkeit des Vielen verstreut, wird es beliebig und sinnlos.

Begegnungen, die keinen Aufenthalt im Menschlichen zulassen, sind verschwendete Lebenszeit.

Wer nur die gesellschaftlichen Verhältnisse ändert, überwindet nicht gleich auch den alten Adam. Dazu bedarf es der Revolution der Empfindungstiefe und der Denkungsart des Einzelnen.

Verstand im Dienste der Vernunft erzeugt intellektuelle Sympathie. Erkenntnis aus Liebe wird möglich.

Ehrfurcht erschliesst das Geheimnis der Dinge.

Wahrhaft frei ist nur der Glückliche, nein, der Liebende.

Sitte, die zur Moral wurde, ist durch mich in einem freien Akt der Selbstwahl zu übernehmen. Die Übernahme wird durch ethische Reflexion legitimiert. Ohne diese auf Reflexion gegründete Selbstwahl bleibt die Sitte eine Zwangsmoral und ist abzulehnen. Damit hat sich auch das Vorurteil erledigt, in der Ethik werde moralisiert.

Ohne Techne in der Praxis, ohne solides Wissen und Können, scheitert jeder Arzt. Nur diese Techne allein macht noch keinen guten Arzt. Sein Handeln ist rückzubinden an Phronesis, an Vernünftigkeit. Die entscheidende Leistung des Arztes ist also nicht, technisch etwas zu machen, sondern achtsam zu sein im Blick auf das gute Leben im Ganzen. Hans-Georg Gadamer: Über die Verborgenheit der Gesundheit.

Wir wollen wissen, was gut ist, um gut zu werden. Das gelingt nur, wenn das Wissen Ausdruck einer inneren Haltung der Person ist, wenn also Theorie selbst als Praxis gedacht wird. Werner Jaeger: Paideia.

Freiheit als grenzenlose Selbstbestimmung genommen, verbaut das Verständnis von Selbstbestimmung als Selbst-Bindung.

Phronesis, das ist sittliche Vernünftigkeit und Besonnenheit, Wachsamkeit und Achtsamkeit, die dem Menschen prinzipiell möglich ist. Zu ihr muss er jedoch emporgebildet werden.

Der Mensch ist sich selbst eine Aufgabe. Er muss sich entscheiden. Erst in seiner je eigenen Tat kommt er im Entschluss zu sich selbst.

Der freie Wille verhält sich zur Willkür wie die Vernunft zum Verstand.

Das Verstandesallgemeine hat sein Mass im richtigen Denken, das Vernunftallgemeine in der Idee des Guten.

Das Allgemeine muss im Besonderen anschaulich werden, damit es in der Vereinzelung praktisch anwendbar ist.

Nur das Wollen, was das Vernünftige will, ist verallgemeinerbar.

Nur im Ich des geliebten Anderen bin ich Ich in meiner vollen Möglichkeit.

Indem ein Einzelner sich vollendet, vollendet sich mehr als ein Einzelner.

Den Dingen und Menschen Namen geben, um sie zu sich selbst zu befreien. Keine Anglizismen und Neologismen. Urworte. Wasser und Baum. Krug und Wein. Brot. Mond, Sonne, Sterne. Tag und Nacht.

Eine Herkulesaufgabe: Den Willen von Ewig-Gültigem in postmodernen Zeiten metaphysikfrei sichtbar machen.

In der Antizipation des Todes und in der einen grossen Liebe überschreiten wir das Leben, um uns selbst im Anderen zu finden.

Liebe trägt uns in die Weite einer grenzenlosen Beziehung. Angst schliesst uns ein in Furcht vor allem. Im Glück gelingt für Augenblicke eine harmonische Balance.

Wir leben in unterschiedlichen Räumen. Im Raum der Angst, im Raum des Glücks, im Raum der Liebe. Auf diese Weise sind wir jeweils ein anderer, und doch bleiben wir immer derselbe. Nur im Raum der Liebe gelingt uns das Leben.

Es sind die Liebenden, die die Liebe zerstören.

Erst wenn die Liebe den Sinnen entwachsen ist, kommt sie zu sich selbst und trägt unser Leben.

Nur der Weise vermag, sinnvoll allein zu leben.

Vertrauen ermöglicht es, schutzlos von den letzten Dingen zu sprechen.

Wie viele Gefühle sind nötig, um glücklich zu sein? Eine falsch gestellte Frage.

Der verborgene Sinn des Lebens liegt offen vor uns. Es ist das Leben selbst.

Wir blicken zu oft nach oben, hörig, anstatt in die Runde, umsichtig.

Bei Georg Christoph Lichtenberg in den Sudelbüchern gefunden: Schlappherzigkeit.

Liebe, die nach Besitz verlangt, zerstört sich im Moment dieser Begehrung.

Wer im Meer der Not hilft, der gibt nicht den berüchtigten Tropfen auf den heissen Stein. Er ist der Retter eines konkreten Einzelnen. Damit ist der Zynismus des Nichthelfenwollens widerlegt.

Nur wer geliebt wird, kommt zur inneren Ruhe.

Eine Ethik des Verrates: Sich von lebensfeindlichen Ideologien lösen können.

Weisheit, die nicht zur Tat führt, wird zum Verrat an der vernommenen Vernunft.

Wer nur nach dem Nutzen fragt, banalisiert sich und die Welt.

Meine Freunde verstehe ich nicht immer, aber wir vertrauen einander.

Anspruch und Zuspruch fördern mich: Ich soll, was ich kann.

Die Befriedigung angeborener Triebe und gesellschaftlich induzierter Strebungen sind Ausdruck von Unfreiheit. Erst wenn sie durch das Sittengesetz legitimiert werden, sind sie ethisch gerechtfertigt. Die so gerechtfertigten Triebe und Strebungen kann ich frei wählen. Eine solche Wahl ist eine autoritätsfreie Bindung.

Freiheit der Person ist die Freiheit, freiwillig das Wahre zu wollen, ohne autoritär zu werden.

Erzwungene Wahrheiten führen zu Ideologien der Unterdrückung.

Liebe ist "ein gegliedertes Insgesamt von Entwürfen auf meine eigenen Möglichkeiten hin." Jean-Paul Sartre. Liebe schafft also neue Welten, eben auch solche, die zukunftsfähig sind.

"Der Tyrann pfeift auf die Liebe; ihm genügt die Furcht." Jean-Paul Sartre.

Nur das Wort wird Tat, das wir auch verwirklichen können. Die Handlungsmöglichkeiten sind grösser als wir meinen.

Wer sich nicht selbst revolutionierte, bleibt unter seinen positiven menschlichen Möglichkeiten.

Die Macht der Gewohnheit lebensfeindlicher Praktiken kann durch Vernunft gebrochen werden. Was wir dazu brauchen: Aufklärung und Zivilcourage gleichermassen.

Das Gerede von den Systemzwängen ist eine billige Ausrede dafür, nicht Widerstand leisten zu wollen.

Der von den Postmodernen entthronte innerweltliche Gott Vernunft gibt wieder Lebenszeichen.

Die Plackerei des Sisyphos ist nicht nur für die Hausfrau der Normalzustand des Lebens. Deshalb notwendig: Von der Frauenemanziptaion zur Menschheitsemanzipation.

Wer gelernt hat zu sterben, über den verliert jeder seine Macht.

Solange ich von Aufgaben erwartet werde und ihnen entsprechend reagiere, gehorche ich passiv den Aufgaben, nicht mir. Ich lebe nicht eigenverantwortlich aktiv.

Sofern ich frei sein will, habe ich der Herrschaft der moralischen Werte ein Ende zu bereiten. Erst dann kann ich mich an ein Unbedingtes freiwillig, fröhlich und heiteren Herzens binden, ohne das als autoritäre Knechtung missverstehen zu müssen.

Völker und Nationen sind nichts; die Emporbildung des Einzelnen ist alles.

Er ruhte in sich. Nicht einmal an den Rändern war er erschütterbar.

Respekt vor der Leistung des anderen ist Anerkennung der Individualität im Meer des Kollektiven.

Es sind immer noch Einzelne, die entscheiden, nicht anonyme Systeme. Solche Entscheider könnten auch Nein sagen. Sie haben das nur nicht gelernt.

Solange es Menschen gibt, tragen sie Verantwortung, mal mehr, mal weniger. Immer gilt: Sie tragen Verantwortung für ihr Tun und Lassen.

Das Gerede vom Ende der Verantwortung radiert den Menschen als Menschen aus.

Arbeit an sich selbst, heisst nicht Selbstverwirklichung, wenn der Ertrag purer Egoismus ist.

Liebe als Agape kennt keine Grenzen des Wachstums.

Das Gesetz verfehlt, die Typologie verfälscht das Reden vom Menschen. Nur das je Einmalige trifft. Deshalb zielen diese Glossen auch auf alle und keinen.

Ohne Vernunft strandet der Verstand.

Der Verstand macht unfrei, die Vernunft frei.

Das Mass des Humanen ist universal; die Deutungen sind es nicht.

Dem Imperativ, aktuell zu sein, entkommt nur eine meditative Existenz.

Wenn wir keine Zwischentöne hören, folgen wir taub der Marschmusik der Herrschenden.

Alle gewinnorientierten Tätigen sind borniert. Könnten sie ihre Borniertheit überwinden, sie würden sofort aufhören, tätig zu sein.

Wer kennt schon die Differenz zwischen freiem und dienendem Willen?

Die Seelen, die die Liebe nicht erreicht, reifen nie.

Barmherzigkeit ist Liebe zum Nächsten, die von diamantenen Wällen der Kühle umschlossen sein kann. Höflichkeit dagegen ist oft nur das Strohfeuer unverbindlicher Maulhurerei.

Wir unterscheiden nicht mehr zwischen Lust und Freude. „Lust schöner Götterfunken…“, nein, das geht nicht, nie und nimmer.

Platonismus in der Liebe: Die nervöse Erregung des Begehrens der sexuellen Befriedigung vorziehen.

Preisfrage: Ist die platonische Liebe ein Fall für die Psychoanalyse?

Platonische Liebe: Ein unerfülltes Widerfahrnis? Petrarca.

Man verdankt das Entscheidende im Leben den Einschränkungen, die einem widerfahren sind.

Auf dem hohen Seil der Agape balancieren wir nie lange.

Wer nichts mehr begehrt, ist unangreifbar.

Bewundert zu werden ist ein Privileg des geistigen Adels. Dieser wird niemals den Bewunderer gering achten, sonst hätte er keinen geistigen Adel.

Um einen Untergang diagnostizieren zu können, muss man einen Aufgang erfahren haben.

Es gibt keine Technik der Produktion eines Wertes. Liebe wird nicht hergestellt, sie will vernommen sein.

Liebe trägt eine Existenz nur dann, wenn sie nicht auf wissenschaftlichen Beweisen ruht.

Liebe, die zwingt, missversteht sich.

Der alte Adel der feudalen Ständeordnung wurde liquidiert; der neue Adel einer zukunftsfähigen Herzensbildung lässt immer noch auf sich warten. Sollte er nicht kommen, werden wir keine Zukunft haben.

Den unfreien Willen zur Macht in einen dienenden zu transferieren, ist immer die Tat einer freien Person.

Welches Selbst verwirklicht sich in den heute grell anempfohlenen Selbstverwirklichungsprozessen? Es gibt auch das Selbst als Hitler in uns. Max Picard.

Selbstverwirklichung des Subjektes ist zum Selbstzweck geworden. Das Elend des Solipsismus.

Der Wahlbetrug der Selbstbestimmungsjünger. Sie übersehen die Widerfahrnisse in ihrem Leben.

Die freie Tat als Aufstand verändert bestenfalls die Herrschaftsverhältnisse. Dagegen ist die freie Tat als Unterwerfung unter ein Unbedingtes die einzige Hoffnung auf eine gelingende Zukunft. Doch es werden am Ende zu Wenige sein, die diesen salto mortale wagen.

„Die freie Welt ist nicht frei, denn sie verbietet den Selbstmord – sie ist demokratisch, nicht aristokratisch“. Karl Jaspers. Verehrter Karl Jaspers, Freitod hätte ich lieber gelesen anstatt Selbstmord. Ansonsten stimme ich voll zu.

Menschliche Tötungshemmung ist älter als die abendländische Kultur. Aktive Beihilfe zum Freitod ist deshalb als moralischer Fortschritt zu verbuchen. Seneca.

Die Scham über die Schnödigkeit des Vergessens ist dem Fortschrittler fremd.

Unser Leben rechtfertigt sich im Engagement für die anderen. In der längst angebrochenen Endzeit, die uns das Zeiten-Ende bereiten könnte, sind das auch Tiere und Pflanzen, überhaupt die ganze Natur.

Eigenständige Meinungen verunsichern und machen Angst. Nur wer diese Angst überwindet, wird innerlich frei und damit in seinem Denken und Tun zukunftsfähig.


Peter Kern

 


Zufällig ausgewählte Glosse

Eines scheint gewiss, die Vollkommenen sind seltener als die Aussergewöhnlichen.