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Der Aussenseiter

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Der Aussenseiter

Er war für die Mitwelt nicht anschlussfähig.

Er stellte, als das Trend war, sein Denken nicht in den Dienst einer kommunistischen Ideologie; also wurde seine ganz anders begründete Gesellschaftskritik nicht ernst genommen.

Er hielt an universalisierbaren Werten fest, weil er keine sadomasochistischen Neigungen postmodern legitimieren musste; folglich galt er als unbelehrbarer autoritärer Moralist.

Er suchte die Nächstenliebe in den grossen Religionsgemeinschaften; also war seine Kirchenkritik für die Sachwalter Gottes auf Erden nur Blasphemie.

Er sah zuerst den Menschen, dann die Frau und den Mann; folglich war er jeder fundamentalistischen Feministin mehr als verdächtig.

Er akzeptierte keine pädophilen Praktiken; also wurde er der Leibfeindlichkeit geziehen.

Er weigerte sich, sowohl den Verwahrlosungsindividualismus als auch die Effizienzeuphorie im Bildungswesen zu akzeptieren; folglich wurde er pädagogisch heimatlos.

Er empörte sich gegen den Ausverkauf der alteuropäischen Universitäten durch die Bolognareform; also bescheinigte man ihm Reformresistenz.

Für ihn war die uns alle tragende Natur etwas Heiliges; folglich machten alle Wachstumsfetischisten aus ihm einen unzurechnungsfähigen Spinner.

Er konnte der machtförmigen radikalen Konstruktion der Welt nicht folgen, weil ihm in diesem Erkenntniszugriff die Ehrfurcht vor den Dingen und Menschen fehlte; also galt er erkenntnistheoretisch als Fusskranker des Abendlandes.

Kurz, mit ihm war kein Staat zu machen.


Peter Kern











 


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Der Kapitalismus hat die Kritik der Künste absorbiert.