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Provokationen vernünftiger Ethik

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Provokationen vernünftiger Ethik

in einer aus den Fugen geratenden Welt –

80 Jahre nach Leonard Nelson

von Hans-Georg Wittig


Meine Damen und Herren, liebe Freunde,


über die Einladung zu diesem Symposion habe ich mich gefreut, aber doch gezögert, ob ich sie annehmen dürfe, denn ich wusste, dass viele unter Ihnen sind, die Leonard Nelsons Werk im einzelnen genauer kennen als ich. Könnte ich trotzdem einen sinnvollen Beitrag leisten? Es war zu erwarten, dass Nelsons Werk auf diesem Symposion unter den verschiedensten Fragestellungen sorgfältig erörtert wird. Was mich aber als Pädagogen an Nelson fasziniert, ist die energische Geradlinigkeit, mit der er sich für die Umsetzung seiner philosophischen, insbesondere seiner ethischen Einsichten in die Praxis eingesetzt hat – wobei ihm völlig klar war, dass dann, wenn aus vernünftiger Ethik eine Veränderung der Gesellschaft als ganzer zu fordern ist, pädagogische und politische Initiativen sich zu ergänzen haben: Pädagogik ohne politische Bündelung und Zuspitzung bleibt blind, diffus, ohnmächtig – Politik ohne einen pädagogisch geförderten Bewusstseins- und Einstellungswandel leer, substanzlos, befangen in überholten Denk- und Verhaltensmustern. Wenn ich dann aber frage, welche Konsequenzen heute aus einer Vernunftethik wie der Nelsons zu ziehen sind, dann erschrecke ich darüber, wie viel schwerer es in den achtzig Jahren seit Nelsons Tod geworden ist, wahrhaft vernünftige Selbstbestimmung zu praktizieren und die Welt gerecht, lebensdienlich, zukunftsfähig zu gestalten. Auch wenn Nelson gegen nationalistisches Unheil gekämpft hat, konnte er doch den Holocaust nicht voraussehen, noch weniger den Anbruch des Atomzeitalters mit dem Auftauchen völlig neuartiger Massenvernichtungsmittel, auch nicht die globale Ausplünderung und Schädigung der Ökosphäre und die mutwillige Entfesselung des globalen Raubtierkapitalismus. Bleibt in dieser neuen Situation der Vernunft anderes übrig, als entweder aufzuschreien oder zu verstummen? Hat sie noch andere Chancen, ohne in unerträgliche Verharmlosungen abzugleiten?

Indem ich diese Frage in den Mittelpunkt meines Beitrags stelle, erinnere ich mich zugleich an den Weg, auf dem ich in Ihren Kreis gefunden habe (und in diesen Vorbemerkungen mag ein kurzer Seitenblick darauf erlaubt sein): Zunächst nicht über Nelsons Werk, sondern über die Begegnung mit Gustav Heckmann bin ich zu Ihnen gestoßen – und dabei wiederum nicht über das „sokratische Gespräch“, sondern über den Kampf gegen die Atomrüstung. Kennen  gelernt habe ich Gustav Heckmann um 1950 als kleiner Junge, als mein Vater Kollege von ihm an der Pädagogischen Hochschule in Hannover war und unsere Familie in einer Notwohnung im Turm dieser Hochschule lebte. Schätzen gelernt habe ich das Ehepaar Heckmann etwa zehn Jahre später, gegen Ende meiner Schulzeit, als mein Vater und ich sie Anfang der 60er bei den Ostermärschen gegen Atombewaffnung trafen. Und noch mehr schätzen gelernt habe ich Gustav Heckmann wiederum zehn Jahre später, Anfang der 70er, als ich, inzwischen junger Dozent an der Pädagogischen Hochschule in Lörrach, ihn in der Arbeitsgruppe „Soziale Verteidigung“ innerhalb der „Vereinigung Deutscher Wissenschaftler“ wiedertraf. In der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler, der es um die Verantwortung für die Folgen der Wissenschaft geht, hatte mein großer Lehrer Carl Friedrich von Weizsäcker Wert darauf gelegt, dass eine Arbeitsgruppe die Möglichkeiten gewaltloser Verteidigung erforscht, und Gustav Heckmann mit seinem Interesse an Gandhi war so etwas wie der Ziehvater dieser Gruppe, die meist in Berlin tagte und dann von Theodor Ebert geleitet wurde. Ich erzähle dies, weil ich überzeugt bin, dass Heckmann damit aus der Nelsonschen Vernunftethik genau die richtigen Konsequenzen für die neuartige Situation des Atomzeitalters gezogen hat, in der wir von nun an mit dem irreversiblen Wissen von der Herstellbarkeit von Massenvernichtungsmitteln fertigwerden müssen, die in der Lage sind, das Ende menschlicher Geschichte und alles höheren Lebens auf der Erde herbeizuführen. In der Tat hofften wir damals, Anfang der 70er Jahre, dass einige neutrale Staaten in Europa den Mut haben würden, sich auf alternative Verteidigungskonzepte umzustellen (1). Wie weit sind wir heute davon entfernt, wie unangemessen ist die (vernunftwidrige, aber ökonomisch einträgliche) Renormalisierung des Militärs – die Bundeswehr als Anbieter attraktiver Jobs, bei denen sich nun auch die Frauen erfolgreich ihre Gleichstellung erkämpft haben...

Mein Thema lautet: Provokationen vernünftiger Ethik in einer aus den Fugen geratenden Welt – 80 Jahre nach Leonard Nelson. Die darin enthaltenen Stichworte möchte ich in umgekehrter Reihenfolge in der gebotenen Kürze erörtern: Nelson, aus den Fugen geratende Welt, Ethik, Vernunft, Provokationen. Beginnen möchte ich mit einigen Worten der Zustimmung zu Nelson und des Dankes an ihn; dann möchte ich an drei zentralen Problembereichen einerseits veranschaulichen, was mit der Behauptung gemeint ist, unsere Welt gerate aus den Fugen, und andererseits zeigen, wie radikal und provokativ die Konsequenzen sind, die sich ergeben, wenn vernünftige Ethik auf diese Problembereiche angewandt wird; die pädagogische Sorge, ob diese Konsequenzen uns nicht völlig überfordern, führt zur Rückfrage nach der Vernunft, die das Fundament dieser Ethik ist, insbesondere nach ihrem Verhältnis zur Religion; und von dort aus ergeben sich schließlich nochmals Provokationen, die hoffentlich am Ende hilfreich sind: herausfordernde Perspektiven für neue Bündnisse in Theorie und Praxis.



  1. Zur Würdigung Leonard Nelsons


Hier kann ich anknüpfen an die Arbeiten z.B. von Heinz-Joachim Heydorn aus den 70er Jahren und von Thomas Meyer aus den 90er Jahren, die die aktuelle Bedeutung Nelsons überzeugend herausstellen (2). Da die bisherigen und die noch folgenden Beiträge zum jetzigen Symposion dieser Thematik im Detail nachgehen, fasse ich mich hier sehr kurz. Zunächst mag die noch unscharfe Feststellung genügen, dass ich als einer, der von den Grundorientierungen der Kantischen Philosophie zutiefst überzeugt ist, dem Kantianer Nelson im wesentlichen nur zustimmen kann. Dass Nelson über sein theoretisches Werk hinaus den Mut und die Kraft hatte, die pädagogischen und politischen Konsequenzen aus seinen Einsichten in die Tat umzusetzen, macht ihn zu einem Glücksfall in der akademischen Landschaft, für den wir sehr dankbar sein sollten.

Was kennzeichnet seine Ethik, von der im Folgenden die Rede sein soll? In erster Annäherung ist es die Goldene Regel, die in allen großen Kulturen und Religionen formuliert wird. Wenn ich genauer versuche, das Grundprinzip seiner nach Gerechtigkeit strebenden Ethik in eigenen Worten wiederzugeben, so geht es darum, die Interessen aller von meinem Handeln oder Unterlassen betroffenen Menschen und Tiere so ernst zu nehmen, als wären sie meine eigenen, und bei Interessenkonflikten den „wertvolleren“ Interessen den Vorzug zu geben, und zwar unabhängig davon, ob es sich um meine eigenen Interessen handelt oder um die eines anderen Lebewesens. Dann aber muss zwischen „faktischen“ und „wahren Interessen“ unterschieden werden (3), und an dieser Stelle möchte ich wenigstens kurz einen vergleichenden Blick auf diejenige Ethik werfen, die mich selbst seit Jahrzehnten geprägt hat, nämlich die sprachkritisch geklärte Ethik Wilhelm Kamlahs (4). Kamlah unterscheidet, wenn ich recht sehe, genauer zwischen unseren wahren „Bedürfnissen“, d.h. dem, was wir für ein gelingendes Leben wirklich brauchen, und unseren aktuellen „Begehrungen“, d.h. all dem, was wir gerade wünschen. In dieser Bedeutung können Bedürfnisse und Begehrungen sich decken, sie können aber auch auseinanderdriften. In einer Welt, in der eine Minderheit im Überfluss lebt und viele darben, ist diese Unterscheidung sehr wichtig – Gandhi sprach von „need“ und „greed“. Kamlahs Grundnorm lautet nun: „Beachte, dass die Anderen bedürftige Menschen sind wie du selbst, und handle demgemäß!“ (5) Er bezieht diese Grundnorm vor allem auf uns Menschen, aber gerade der Bedürfnisbegriff erlaubt es, sie zugleich nicht nur auf Tiere anzuwenden, wie Nelson es mit seinem Interessenbegriff tut, sondern sogar noch auf Pflanzen. Nicht nur Tiere, auch Pflanzen sind bedürftig und für ihr Gedeihen auf die Befriedigung ihrer jeweiligen Bedürfnisse angewiesen. – Mit dieser Randnotiz möchte ich nur andeuten, dass die Wahl der Begriffe – ob ich von „Interesse“ oder aber „Bedürfnis“ spreche –auch inhaltliche Folgen haben kann. Wichtiger ist hier jedoch, dass Nelson bereits ausdrücklich für „Tierrechte“ eingetreten ist (ähnlich wie sein etwas älterer Zeitgenosse Albert Schweitzer) und dass er daraus für sich selbst wiederum die praktische Konsequenz gezogen hat, vegetarisch zu leben. Dass er keine im schlechten Sinne „anthropozentrische“ Ethik vertreten hat, ist bedeutsam für deren Anwendung auf die Themen Atomrüstung und Ökokrise, indem dort der Eigenwert auch aller betroffenen außermenschlichen Lebewesen mit zu berücksichtigen ist.



  1. Zur Anwendung vernünftiger Ethik auf aktuelle Problembereiche


Drei Problembereiche, die nach dem Tode Nelsons unsere „aus den Fugen geratende Welt“ zu charakterisieren begonnen haben, habe ich einleitend schon genannt, nämlich – in zeitlicher Reihenfolge – Atomrüstung, Ökokrise, kapitalistische Globalisierung. Viele weitere Aspekte wären zu nennen, z.B. der zeitliche Aspekt zunehmender Beschleunigung, die eine ruhige und vernünftige Besinnung immer schwerer macht, und vor allem das mit den drei genannten Bereichen eng zusammenhängende Thema immer weiter um sich greifender „Innenweltverschmutzung“, aber dafür bedürfte es sorgfältiger psychohistorischer Studien, ich kann hier nicht weiter darauf eingehen.



2.1  Zur Atomrüstung


Mit dem unerwarteten Hineingeraten ins Atomzeitalter sind wir Menschen erstmals in der Lage, die Menschheit als ganze zu vernichten. Diese Situation ist, wie schon angedeutet, unwiderruflich, denn selbst im Falle umfassender Abrüstung (von der wir denkbar weit entfernt sind) muss das Wissen über die Herstellungsweise von Massenvernichtungsmitteln (auch biologischen und chemischen) als nicht mehr abschaffbar gelten.

Oft werden Gefahren, wenn sie erstmals auftauchen, deutlicher wahrgenommen als später, wenn man sich auf gefährliche Weise an sie gewöhnt hat. Auf Karl Jaspers’ Buch über „Die Atombombe und die Zukunft des Menschen“ von 1958, in dem Jaspers dafür plädiert, „im Kampf mit dem Totalitären“ notfalls auch einen Atomkrieg zu riskieren, hat Heckmann schon 1960 geantwortet: „Die Konsequenz ist das Gleichziehen mit dem Gegner auf allen Gebieten der militärischen Gewalt. ... Das kann kein beliebig lange andauernder Zustand sein. Er wird entweder eines Tages durch den plötzlichen Untergang aller zu Ende kommen oder überwunden werden durch schrittweises Ausbrechen aus dem Teufelskreis des Gewaltwettlaufs, durch Eintreten in etwas der physischen Gewalt durchaus nicht Gleichgeartetes, das ebenfalls große Risiken mitführt, aber außer diesen die Chance des Lebens. Die Risiken des Gandhischen Weges sind groß. Aber sie müssen mit denen des Festhaltens an dem unbrauchbar gewordenen traditionellen Wege gesehen werden. ... Gänzlich andere Mittel zur Verteidigung als die der kriegerischen Gewalt müssen gefunden werden. ... Wenn wir nur das anzunehmen bereit sind, was uns durch Tradition vertraut ist, werden wir den rettenden Weg nicht finden.“ (6) Heckmann denkt auch an andere Möglichkeiten als Gandhis „Satyagraha“, nämlich – ganz auf der Linie Nelsons – an „den föderativen Zusammenschluss der mächtigsten Staaten der Erde, wobei alle Mitgliedstaaten ihre Militärmacht an eine Zentralregierung abtreten“. Doch er fährt fort; „Aber ist diese politische Endlösung greifbarer als das Annehmen von Satyagraha zur Landesverteidigung durch ein mutiges Volk? Und die Weltregierung würde zwar den Krieg abschaffen, Satyagraha aber nicht überflüssig machen. Denn von einer so ungeheuren Machtzusammenballung, wie eine Weltregierung sie darstellen würde, würde immer eine starke Versuchung zur Tyrannei ausgehen. Einer solchen Gefahr könnten die Völker nur durch die Bereitschaft, sich gegen Tyrannei zu wehren, begegnen. Solche Abwehr könnte nur Satyagraha sein, nicht Gewalt.“ (7)

Schon Nelson hatte sich mit seinen „pazifistischen“ Bestrebungen vor und in dem Ersten Weltkrieg Ärger eingehandelt (8). Heckmann setzt, wie ich meine, dieses Denken unter den Bedingungen des Atomzeitalters konsequent fort, und ich habe ihn so ausführlich zitiert, um zu zeigen, wie klar und umsichtig die neue Lage bereits vor fast einem halben Jahrhundert durchdacht worden ist.

Übrigens hat der große Philosoph des Atomzeitalters, Günther Anders, damals härter – und trotzdem weniger konstruktiv – auf Jaspers reagiert: es sei „nicht nur verwunderlich, sondern auch aufs tiefste beschämend, dass ein Philosoph die Gefährdung durch ein geschichtliches Faktum (die Existenz Sowjetrusslands), das wie jedes andere im Fluss ist, mit einer Gefahr in einem Atem nennt, die das irreparable und irreversible Ende der Menschheit bedeutet; dass ein Philosoph die Gefahr durch ein Wandelbares der Gefahr einer Auslöschung des Menschengeschlechts gleichsetzt“ (9). Wie knapp wir dieser Katastrophe während des Kalten Krieges entgangen sind, hat kein Geringerer als der ehemalige Oberbefehlshaber der US-Atomstreitmacht, General Lee Butler, beschwörend in der Öffentlichkeit bekannt gemacht (10), und es muss leider als extrem wahrscheinlich gelten, dass es über kurz oder lang ähnliche Gefährdungen geben wird. (Vor 25 Jahren haben Peter Kern und ich versucht, aus dieser weltgeschichtlich neuartigen Situation in unserem Buch „Pädagogik im Atomzeitalter“ die Konsequenzen zu ziehen (11) – doch die damals wache Friedensbewegung ist längst fast spurlos verschwunden...)


2.2  Zur Ökokrise


Zwar handelt es sich bei der fortschreitenden Beschädigung der dünnen Haut des Lebens rund um unseren Planeten um andere Strukturen als bei der Atomrüstungsgefahr, nämlich um schleichende, oft über lange Zeit sinnlich kaum wahrnehmbare Prozesse, doch worauf es hier unter ethischen Aspekten ankommt, ist, dass auch dieses Problem die Berücksichtigung der Interessen oder Bedürfnisse künftiger Generationen verlangt, also eine „intergenerationelle Gerechtigkeit“ – ein Wort, das vielen von uns heute gefährlich leicht über die Lippen geht, aber nichts Geringeres bedeutet als „Fernstenliebe“: eine Fernstenliebe nicht nur in räumlicher, sondern auch in zeitlicher Hinsicht. Das Leitbild, das sich zwingend ergibt, wenn vernünftige Ethik auf unsere Situation angewandt wird, lautet „sustainable development“: Wir müssen versuchen, so weit wie irgend möglich von nicht regenerierbaren Ressourcen und Energieträgern auf regenerierbare überzugehen und diese erneuerbaren Ressourcen dann nachhaltig zu bewirtschaften. Wie weit wir von diesem Leitbild entfernt sind, zeigt schon das Beispiel der jetzt viel diskutierten CO2-Emissionen: Nach heutigem Wissen kann die Erdatmosphäre eine jährliche Emission von etwa 13 Milliarden Tonnen CO2 aushalten, also pro Kopf der derzeitigen Erdbevölkerung etwa zwei Tonnen – tatsächlich aber belasten gerade Europäer und Nordamerikaner die Atmosphäre um ein Vielfaches mehr.

Wenn man sich nun allerdings bloß auf ein einziges Teilproblem wie das des Klimaschutzes beschränkt, drohen neue Fehlentwicklungen: So entstehen z.B. in Lateinamerika und Südostasien zur Zeit riesige Monokulturen zur Gewinnung von Biokraftstoffen, die erstens als Monokulturen ökologisch widersinnig sind und zweitens die Bauern von ihrem angestammten Land vertreiben und entwurzeln, also sozial ungerecht sind. Letztlich brauchen wir eine Umstellung unserer gesamten individuellen und kollektiven Lebensweise – ich erinnere an die beiden großen Studien „Zukunftsfähiges Deutschland“ und „Fair Future“, die das Wuppertal-Institut erarbeitet hat (12).

Aber trotz vieler erfreulicher Initiativen in Teilbereichen besteht kaum Hoffnung, die oft zitierten „Millenniumsziele“ rechtzeitig zu erreichen. Statt der notwendigen globalen Solidarität finden verschärfte Konkurrenzkämpfe statt – sowohl innerhalb der Nationen als auch zwischen ihnen, sowohl innerhalb der „global player“ als auch zwischen ihnen: Wieso? Was unsere Welt heute noch mehr aus den Fugen geraten lässt, ist der alles dominierende Prozess kapitalistischer Globalisierung.



2.3  Zur kapitalistischen Globalisierung


Noch viel mehr als bei den vorangegangenen Themen muss ich mich bei diesem enorm vielgestaltigen Phänomen auf den Versuch beschränken, grundlegende Strukturen hervorzuheben, die für unser Thema relevant sind. Übrigens trägt schon die Vielgestaltigkeit und Unüberschaubarkeit von Globalisierung als solche zur Entmündigung der Staatsbürger bei, indem diese zu ihrer Urteilsbildung immer mehr auf Medien angewiesen sind, denen es aber vor allem um Profit geht und nicht primär um möglichst wahrhaftige und umsichtige Berichterstattung.

Viele Entwicklungen tragen zur ökonomischen Globalisierung bei: Die Internationalisierung des Handels ist z.B. gefördert worden durch ökologisch unvertretbar niedrige Transportkosten und die neuen Möglichkeiten der Telekommunikation; Deregulierung und Privatisierung sind wesentlich erleichtert worden durch das Wegbrechen des „real existierenden Sozialismus“. Die Einschüchterungsformel lautet nun, wie Sie wissen, weltweit „TINA“: „There is no alternative!“

Um den Wald nicht vor lauter Bäumen aus dem Blick zu verlieren, sei aber festgehalten: Enorme Polarisierungen zwischen Reich und Arm, zwischen relativ wenigen Gewinnern und vielen Verlierern finden sowohl innerhalb der reichen Länder und innerhalb der armen Länder als auch zwischen ihnen statt. Deutschland wird insgesamt reicher, zugleich jedoch werden viele in ihm – oft unverschuldet – ärmer, und auch die öffentliche Armut nimmt zu (13). Und global gilt: Verhielt sich vor 30 Jahren der Besitz des ärmsten Fünftels der Menschheit zu dem des reichsten Fünftels wie 1:30, so ist das Verhältnis jetzt 1:60 (oder inzwischen noch schlechter). Wer meint, diese Entwicklung unbefristet fortsetzen zu können, den kann ich nicht für einen Realisten halten.

Oft freilich bleibt die Kritik kapitalistischer Globalisierung oberflächlich. Herrn Ackermann z.B. wird vorgeworfen, die Gewinnsteigerung der Deutschen Bank bei gleichzeitiger Entlassung vieler Mitarbeiter sei ein Skandal. Ackermann selber sieht das eher umgekehrt: wenn der Gewinn und die Rendite nicht derart gesteigert würden, drohe der Deutschen Bank eine feindliche Übernahme durch ausländische Institute oder „Heuschrecken“ und dann würden noch viel mehr Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz verlieren. Hat Ackermann also recht? Keineswegs, denn er spielt – soweit mir bekannt ist: widerstandslos – mit in einem Konkurrenzsystem, das als ganzes darauf programmiert ist, die Arbeitnehmer (und die Arbeitslosen) zugunsten der Kapitaleigner immer weiter auszupressen. An dieser Stelle, nämlich gegenüber dem Gesamtsystem, hat die Kritik anzusetzen – zumindest bedarf es einer weltweiten Durchsetzung ökologischer und sozialer Minimalstandards. Und aus dieser Sicht wäre es Ackermanns und der anderen wirtschaftlich und politisch Mächtigen verdammte Pflicht und Schuldigkeit, alles daranzusetzen, um das bestehende, tendenziell mörderische System in eine lebensdienlichere und zukunftsfähigere Wirtschaftsform umzugestalten. Aber davon ist eben nichts zu spüren – statt ernsthafter Versuche in dieser Richtung sind fast überall nur Vernebelungen durch wohlfeile Worte wahrzunehmen, die in vollendeter „politischer Korrektheit“ sich von der Wirklichkeit immer weiter ablösen (und so die verbreitete Politikverdrossenheit noch verschlimmern)...

Was sollen wir tun? Müssen wir uns nicht eingestehen, dass all die Initiativen und Organisationen, die etwa im „Weltsozialforum“ zusammenkommen, viel zu schwach sind für die nötigen Strukturänderungen der Weltwirtschaft? Treibt uns nicht gerade eine vernünftige Ethik, wenn sie ehrlich und offenen Auges angewandt wird auf unsere aus den Fugen geratende Welt, in heillose Überforderung und dadurch dann Entmutigung?



  1. Zum Verhältnis von Vernunft und Religion


Sogleich folgt die nächste Provokation: Kürzlich wurde festgestellt, dass unter denen, die sich sozial engagieren, die Religiösen (wie es dann neudeutsch hieß) „enttäuschungsresistenter“ seien als die anderen – ein Grund, auf Nelson zurückzublicken: Wie geht Nelson mit der Frage um, ob wir das, was wir sollen, auch können? Hierzu finden sich bei ihm aus meiner Sicht sehr hilfreiche Aussagen über „Resignation“ und – damit zusammenhängend – über „Religion“.

Entscheidend für das rechte Verständnis des Terminus „Resignation“ ist, dass Nelson ihn positiv und ganz ähnlich verwendet wie sein schon erwähnter Zeitgenosse Albert Schweitzer (14). Ich zitiere aus zwei Vorträgen, die Nelson Anfang der 20er Jahre in der Schweiz gehalten hat. In dem Text „Ethischer Realismus“ heißt es: „Die Stimmung des Menschen, der...ohne Rücksicht auf die Gunst oder Ungunst des Schicksals dem Ideal die Treue wahrt, ...ist Resignation. Indem er von vornherein dem Unmöglichen entsagt und seine Kräfte darauf richtet, dem Ideal die Herrschaft innerhalb der Grenzen des Möglichen zu erobern, gewinnt er die unstörbare Ruhe des Gemütes, die nur aus dem Bewusstsein erwächst, auf unerschütterlich festem Boden zu stehen.“ (15) Das Wort „Resignation“ wird hier von Nelson besonders hervorgehoben – es meint das, was Kamlah, für uns heute weniger missverständlich, als „Gelöstheit“ beschreibt.

Nelsons Auffassung von „Resignation“ deckt sich mit dem bekannten Gebet: „Gib mir die Gelassenheit, hinzunehmen, was ich nicht ändern kann; gib mir den Mut, zu ändern, was ich ändern kann, und gib mir die Weisheit, beides voneinander zu unterscheiden!“ – eine Formulierung, die Kamlah in den Mittelpunkt des sogenannten „eudämonistischen“ Teils seiner Ethik stellt (16).

Nicht ohne Absicht habe ich dieses bekannte Wort in der Form des Gebets zitiert, denn für Nelson verbinden sich in der „Resignation“ ethische und religiöse „Weltansicht“. Ich bin Gisela Raupach-Strey dafür dankbar, dass sie mich auf Nelsons Vortrag „Sittliche und religiöse Weltansicht“ aufmerksam gemacht hat. Dort heißt es vom Menschen: „Die sittliche Forderung ... festigt ihn innerhalb der Einsamkeit in der Natur. Aber es fehlt dieser Stimmung das versöhnende Element ... – Dieses ... entspringt dem Glauben an die Zugehörigkeit des Menschen zu einer Welt, in der die Unvollkommenheit, die ihm hier anhaftet, aufgehoben ist. Alles Weitere ist für den Glauben ein unauflösliches Geheimnis, vor dem der Mensch sich in vertrauensvoller Demut beugt. - Moralische Tapferkeit und Demut verschmelzen dem Gebildeten (!) zu der Stimmung der Resignation, in der sich seine ethische Weltansicht mit seiner religiösen begegnet.“ (17)

Wie bei Kant führt der Weg zur Religion allein über das existentielle Ernstmachen mit der Moral, und wie bei Kant steht der so gewonnene Glaube nicht im Widerspruch zur Vernunft, sondern ist ein „Vernunftglaube“. Nochmals Nelson: „In der sittlichen Selbstbestimmung, und in ihr allein ..., tritt die in der Tiefe der Vernunft schlummernde Glaubensüberzeugung in das Licht des Bewusstseins und lässt den Menschen zur Religion gelangen.“ (18)

Aber hat Nelson denn nicht immer wieder Christen und Kirchen kritisiert? In der Tat, und aus seiner Kritik können Christen auch heute viel lernen, denn mit seinem Kampf gegen Fatalismus, Klerikalismus, Heteronomie und alle weiteren Verstöße gegen die Vernunft hat er recht. Doch sind all dies nur Fehlformen der Religion, und wir sollten Nelson dankbar sein, dass er mit der Strenge seiner intellektuellen Redlichkeit zur Läuterung von Religion beigetragen hat.

Vor dem Hintergrund dieser Klärungen ist es möglich, hier abschließend noch einen entscheidenden weiteren Schritt zu tun, und dieser Schritt ist auch nötig, denn Nelson wollte ja konkrete Verbesserungen in der rauen Praxis, und die Frage, wie wir den provozierend radikalen Ansprüchen vernünftiger Ethik in unserer krisenhaften Situation gerecht werden können, ist noch offen. Wo verlaufen die entscheidenden Fronten? Mit wem sind Bündnisse möglich und wünschenswert?



  1. Neue Bündnisse in Theorie und Praxis?


Wenn ich recht sehe, orientiert sich Nelson an derselben Dreigliederung einer kritischen Vernunft zwischen relativistischer Skepsis einerseits und absolutistischem Dogma andererseits, die viele Klassiker seit Rousseau und Lessing geprägt hat und die Kant formulierte als die Dreiheit von „Kritizismus“ zwischen „Skeptizismus“ und „Dogmatismus“. Heute, so fürchte ich, droht eine Vernunft, die umfassend als kritische, ethische und religiöse Reflexion begriffen wird, zerrieben zu werden zwischen den Extremen eines naiven Wissenschaftsbetriebs auf der Basis bloßer Zweckrationalität einerseits und einer Vielzahl ebenso naiver und oft grotesker Fundamentalismen andererseits, die sich zwar gegenseitig ausschließen, aber am Dialog auch gar nicht interessiert sind. Der Skeptizismus – z.B. in Form des radikalen Konstruktivismus – hat die Frage nach der Wahrheit aufgegeben; der Dogmatismus behauptet, im Alleinbesitz der Wahrheit zu sein; der Kritizismus strebt nach der Wahrheit, weiß aber, dass er sich ihr nur annähern, sie jedoch nie ganz erreichen kann. Das aber ist genau die Einstellung, die dem „sokratischen Gespräch“ zugrunde liegt, wie Nelson es gefördert hat. Vittorio Hösle hat mit Vergnügen gezeigt, dass die meisten modernen Skeptizisten so unreflektiert sind, dass sie nicht einmal merken, wie sehr sie sich mit ihrem Relativismus in „performative Selbstwidersprüche“ verwickeln (19). Und auch den Fundamentalisten fehlt es an Reflexion, nämlich auf die Grenzen menschlicher Erkenntnis; blasphemisch behaupten sie unfehlbar zu sein –und bewirken am Ende nur tödliche Intoleranz.

Ein Beispiel, das für unseren Zusammenhang besonders bedeutsam ist: Seit einiger Zeit ist von einem wieder erstarkenden Interesse an Religion die Rede, dagegen formiert sich inzwischen wiederum ein „neuer Atheismus“ (20). Aus der soeben skizzierten Grundorientierung ergibt sich jedoch, dass es nicht so sehr auf den (vermeintlichen) Gegensatz von Religion und Atheismus ankommt als vielmehr auf die quer dazu liegende Frage, ob diese Positionen jeweils naiv-fundamentalistisch vertreten werden oder aber reflektiert und damit aufgeschlossen für Argumente und Dialoge. Wer sich auf solche Dialoge einlässt, wird sehen, wie oft wir hilflos und oft auch undiszipliniert aneinander vorbeireden und wie nötig die sprachkritischen Klärungen sind, die Kamlah – durchaus auf der Linie Nelsons – empfohlen hat. Schon Jean Paul wusste, dass es kein unbegreiflicheres Wort gibt als „Gott“ (21), und von Paul Tillich heißt es, er hätte am liebsten einer ganzen Generation von Theologen verboten, das Wort „Gott“ zu gebrauchen, damit sie gezwungen wären, darüber nachzudenken, was sie eigentlich damit meinen. Wenn er selbst Gott umschreibt als „das, was uns unbedingt angeht“ (22), und wenn Philosophen vom „Absoluten“ reden, dann stellt sich möglicherweise heraus, dass die Dialogpartner näher beieinander sind, als sie anfangs ahnten. Heute ist es in Deutschland übrigens neben der Zeitschrift „Publik-Forum“ vor allem der „Bund für Freies Christentum“, der sich um solche Fragen kümmert.

Warum ist diese Korrektur überholter Frontstellungen, die wir auch von Nelson lernen können, so wichtig? Antwort: Weil z.B. auch das Gelingen interreligiöser Dialoge, das wir für wirklichen Frieden brauchen, davon abhängt. Reflektierte Muslime und aufgeklärte Christen werden gut miteinander auskommen, aber nicht die Fundamentalisten beider Seiten. Und wir werden kaum erwarten dürfen, dass die Muslime sich von den Terroristen trennen, solange wir selber uns nicht deutlich genug von einem Christentum à la George Bush lossagen. Es gibt kaum eine aufreizendere Anstiftung zum Terrorismus als die, die heute von denen ausgeht, die angeblich den Terrorismus bekämpfen.

Und dieses Zurechtrücken überholter Frontstellungen ist auch für den Vorschlag zur Praxis bedeutsam, mit dem ich schließen möchte. Nelson wusste, dass unsere Welt nicht durch gutes Zureden besser wird, und setzte seine Hoffnung schließlich auf den sozialistischen Kampf. Inzwischen ist der „real existierende Sozialismus“ weggebrochen; das große geschichtliche Experiment, nach dem Kapitalismus des 19. Jahrhunderts der Brüderlichkeit unter den Menschen mit Druck und schließlich mit Unterdrückung nachzuhelfen, ist traurig zu Ende gegangen; der Kapitalismus hat sich vorerst als das dynamischere System erwiesen und triumphiert. Wo gibt es heute mögliche Verbündete? Ist die SPD noch wählbar? Sind die Grünen es noch? Und die „Linke“ – wie und wohin wird sie sich entwickeln?

Aber wie verhält es sich mit den Kirchen – oder wenigstens mit denjenigen Teilen von ihnen, die eingesehen haben, dass man nicht zwei Herren zugleich dienen kann, Gott und dem Mammon? Seit Nelsons Zeit haben die Kirchen manch bittere Lernprozesse durchlaufen müssen, vieles ist besser geworden. Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil gab und gibt es in Lateinamerika und z.B. auch auf den Philippinen eine Befreiungstheologie und Kirchen, die sich mutig um die Bedürfnisse und die Menschenrechte der Unterdrückten kümmern; konfessionsübergreifend ist der sogenannte „konziliare Prozess“ für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung weiterhin lebendig; und z.B. in der von Ulrich Duchrow geprägten Initiative „Kairos Europa“ spitzt dieser konziliare Prozess sich zu in einer harten Kritik kapitalistischer Globalisierung und im Aufzeigen von Handlungsalternativen, die geeignet sind, dem tödlichen System Kraft zu entziehen (23). In der Tat, wir alle haben nicht nur die Möglichkeit, unser Geld in alternativen Banken und internationalen oder ökumenischen Entwicklungsgenossenschaften wie „fairPla.net“ oder „Oikocredit“ anzulegen, bei denen wir sicher sein dürfen, dass das Kapital nicht mehr an der Zerstörung unserer Lebenswelt mitwirkt, sondern gerade im Alltag können wir, wenn wir nur wollen, durch kritisches Konsumverhalten massenweise Solidarität mit den Menschen des Südens praktizieren und so an der nötigen Transformation der globalisierten Ökonomie teilnehmen. Voraussetzung dafür ist, dass wir die Rangfolge unserer Bedürfnisse und Werte korrigieren: „Leben ist mehr als Kapital“ (um den Titel eines Buches von Duchrow und Franz Josef Hinkelammert zu zitieren (24)).

Unter den Nichtregierungsorganisationen, die sich um diese Umpolung bemühen, sind, wenn ich recht sehe, besonders viele christliche Initiativen, und diese sind vor allem motiviert durch die Ökumene, durch den Schrei der Christen und Kirchen des Südens, die die kapitalistische Globalisierung im wesentlichen als Ausbeutung erfahren, als Neokolonialismus oder gar Neoimperialismus mit effektiveren Mitteln (25), und die von den Kirchen des Nordens erwarten, sich von diesem System viel entschiedener zu distanzieren. Täglich sterben mindestens zehnmal so viele Menschen wie die, die am 11. September 2001 im New Yorker „World Trade Center” umgekommen sind, an Hunger oder Folgekrankheiten, die leicht zu vermeiden oder zu heilen wären – jeden Tag, seit Jahrzehnten; Menschen, die kaum irgendwelche Beachtung finden, am wenigsten durch unser Wirtschaftssystem ...

Der „Lutherische Weltbund“ und der „Reformierte Weltbund“, die zusammen etwa 140  Millionen Christen in über hundert Ländern repräsentieren, haben 2003 und 2004 mutige Beschlüsse über die Unvereinbarkeit von christlichem Glauben und neoliberaler Wirtschaftsordnung gefasst. So formuliert die Generalversammlung des Reformierten Weltbundes in Accra (Ghana) 2004: „Darum sagen wir Nein zur gegenwärtigen Weltwirtschaftsordnung, wie sie uns vom globalen neoliberalen Kapitalismus aufgezwungen wird. ... Jesus ... ruft uns dazu auf, die Gerechtigkeit gegenüber ‚seinen geringsten Brüdern und Schwestern’ (Mt 25,40) in den Mittelpunkt der Gemeinschaft des Lebens zu stellen. ... Darum sagen wir Nein zur Kultur des ungebändigten Konsumverhaltens, der konkurrierenden Gewinnsucht und zur Selbstsucht des neoliberalen globalen Marktsystems ...“ (26)

Dürfen wir uns der erwarteten Solidarität verweigern? Ergibt sich diese Solidarität nicht als zwar provokative, aber doch folgerichtige Konsequenz, wenn wir eine vernünftige Ethik wie diejenige Leonard Nelsons anwenden auf unsere aus den Fugen geratende Welt?


Anmerkungen zu: Provokationen vernünftiger Ethik...

 

  1. Civilian Defence. Gewaltloser Widerstand als Form der Verteidigungspolitik, hg. von der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler, Bielefeld 2.Aufl. 1969; Demokratische Sicherheitspolitik. Von der territorialen zur sozialen Verteidigung. Mit Beiträgen von Theodor Ebert u.a., München 1974 (Reihe Hanser. 176)
  2. Leonard Nelson: Ausgewählte Schriften. Neuausgabe, Frankfurt a.M. 1992, S.13-36, 7-12
  3. Ebd. S.61-63, 66-68
  4. Wilhelm Kamlah: Philosophische Anthropologie, Mannheim 1972
  5. Ebd. S.95
  6. Gustav Heckmann: Satyagraha – Gandhis Wehrhaftigkeit. In: Erziehung und Politik. Minna Specht zu ihrem 80. Geburtstag, Frankfurt a.M. 1960, S.179-206, hier S.201 f
  7. Ebd. S.202
  8. Erna Blencke: Leonard Nelsons Leben und Wirken im Spiegel der Briefe an seine Eltern. In: Erziehung und Politik (vgl. Anm.6), S.9-72, hier S.49, 52 ff
  9. Günther Anders: Endzeit und Zeitenende, München 1972, S.41

10.  Lee Butler: „Wir handelten wie Betrunkene“. In: Der Spiegel, Nr.32/1998, S.138-141

11.  Peter Kern/Hans-Georg Wittig: Pädagogik im Atomzeitalter, Freiburg i.Br. 1982, 2.Aufl. 1984

12.  BUND/Misereor (Hg.): Zukunftsfähiges Deutschland. Ein Beitrag zu einer global nachhaltigen Entwicklung, Basel u.a. 1996; Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie (Hg.): Fair Future. Begrenzte Ressourcen und globale Gerechtigkeit, München 2005

13.  Kirchlicher Herausgeberkreis Jahrbuch Gerechtigkeit: Armes reiches Deutschland (Jahrbuch Gerechtigkeit I), Frankfurt a.M./Oberursel 2005

14.  Vgl. Hans-Georg Wittig: Mitgeschöpflichkeit – grundlegende Beiträge Albert Schweitzers zu Selbstverständnis und Bildung des Menschen. In: Beiträge Pädagogischer Arbeit, 33. Jg.1990, Heft II, S.44-70, hier S.62 f

15.  Ausgewählte Schriften (vgl. Anm.2), S.194

16.  Philosophische Anthropologie (vgl. Anm.4), S.168

17.  Leonard Nelson: Sittliche und religiöse Weltansicht. In: ders., Vom Selbstvertrauen der Vernunft, Hamburg 1975, S.166-190, hier S.186

18.  Ebd. S.181

19.  Vittorio Hösle: Die Krise der Gegenwart und die Verantwortung der Philosophie, München 2.Aufl. 1994. Vgl. auch Hans-Georg Wittig: Vernünftige Ethik für eine aus den Fugen geratende Welt. In: Bernd Goebel/Manfred Wetzel (Hg.), Eine moralische Poltik? Vittorio Hösles Politische Ethik in der Diskussion, Würzburg 2001, S.267-287

20.  Vgl. z.B. Publik-Forum, Nr.15/2007, S.52-54

21.  Jean Paul: Levana (2.Aufl. 1813/14), § 31

22.  vgl. Auch Horst Georg Pöhlmann: Gottesdenker, Reinbek 1984, S.80-104; Friedrich Schorlemmer: Woran du dein Herz hängst ... Politisches Handeln und christlicher Glaube, Freiburg i.Br. 2006, S.61

23.  Ulrich Duchrow u.a.: Solidarisch Mensch werden, Hamburg/Oberursel 2006

24.  Oberursel 2002; vgl. Kamlah (Anm.4), S.52-60, 166-175

25.  Jerry Mander/Edward Goldsmith (Hg.): Schwarzbuch Globalisierung, München 2004 (Goldmann-Taschenbuch. 15263); vgl. National Council of Churches in the Philippines (Hg.): “Let the Stones Crie Out”. An Ecumenical Report on Human Rights in the Philippines and a Call to Action, Quezon City 2007

Kairos Europa (Hg.): Von Winnipeg 2003 über Accra 2004 nach Porto Alegre 2006, Heidelberg 2005 (Wirtschaft(en) im Dienst des Lebens – Kirchen im ökumenischen Prozess für gerechte Globalisierung. 28), S.21. Zur Dokumentation und Analyse des unser aller Leben zunehmend in Mitleidenschaft ziehenden „Katastrophen-Kapitalismus“ vgl. neuerdings das grundlegende Werk von Naomi Klein: Die Schock-Strategie, Frankfurt a.M. 2007


Göttinger Symposion zum 80. Todestag Leonard Nelsons, 27.10.2007


Erschienen in:

Armin Berger, Gisela Raupach-Strey, Jörg Schroth (Hg.), Leonard Nelson – ein früher Denker der Analytischen Philosophie? Ein Symposion zum 80. Todestag des Göttinger Philosophen, Berlin: Lit-Verlag 2011 (PPA-Schriften.2), S.247-264.





 


Zufällig ausgewählte Glosse

Es hiess von ihm, er sei ein einfacher Mann. Doch mit seiner Herzensbildung war er ansteckend gross.