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Nachruf auf Peter Münster

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Zum Tode von Dr. Peter Münster

Am 27. September 2011 verstarb nach kurzer schwerer Krankheit Dr. Peter Münster.

Am 16.7.1951 im Ruhrgebiet geboren, zog er als Jugendlicher mit seinen Eltern ins oberbadische Lörrach. Nach dem dortigen Studium wurde er Lehrer und Schulleiter. Er heiratete seine langjährige Freundin Elisabeth, aus der Ehe sind zwei Söhne hervorgegangen.

Neben seinem Schuldienst promovierte er an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe mit der Dissertation „Wahrheit und Gewaltfreiheit als Wurzeln der Erziehung. Die Bedeutung Mahatma Gandhis für die Pädagogik im Atomzeitalter“. Zuletzt veröffentlichte er das Buch „Albert Schweitzer. Der Mensch, sein Leben, seine Botschaft“ (2010), das als Hinführung zu diesem herausragenden Menschen gedacht war, aber auch bei denen, die Schweitzer längst kennen und verehren, erfreuliche Zustimmung gefunden hat.

Im Vorwort dieses Buches skizziert Peter Münster die Begegnungen, durch die ihm dieser „grosse Menschen- und Schöpfungsfreund“ im Laufe seines Lebens immer bedeutsamer geworden ist: schon in der Grundschule, dann in der Konfirmandenzeit, in Studium und Beruf, schliesslich durch aktive Mitarbeit als Schriftführer im „Deutschen Hilfsverein“ für Lambarene.

Während seines Studiums, vor vier Jahrzehnten, habe ich Peter Münster kennen gelernt, er war einer meiner ersten Studenten: auffallend motiviert und tüchtig. Gern denke ich daran zurück, wie es ihm gelang, den alten Martin Niemöller für ein Wochenende zu gewinnen, das wir mit Studierenden auf dem nahen Rührberg verbrachten.

Mit Begeisterung war er Lehrer, aufmerksam und hilfreich wandte er sich den einzelnen Schülern zu – die Einsicht, dass das Herz der Bildung die Bildung des Herzens ist, war ihm von Anfang an klar, nicht zuletzt durch Schweitzer.

Als er sich einmal zwischen Schulpraxis einerseits und „Aufstieg“ in die Schulverwaltung andererseits entscheiden musste, wählte er die lebendige Praxis mit den Kindern. Trotzdem arbeitete er zugleich an seiner Weiterbildung, und seine oben erwähnte Promotion ermöglichte es ihm, als Lehrbeauftragter für Allgemeine Pädagogik an der Pädagogischen Hochschule Freiburg sein Wissen und seine Erfahrungen nachrückenden Studentengenerationen weiterzugeben.

Besonders gern denke ich an die vielen Wochenseminare zurück, die ich zusammen mit Peter, der längst zum guten Freund geworden war, in den Alpen durchgeführt habe: mit Studierenden, aber auch Lehrern, Freunden aus der Friedensforschung usw. Viel intensiver, als es im üblichen Hochschulbetrieb möglich ist, haben wir uns dort in Nauders am Reschenpass in zukunfterschliessende Themen vertieft, oft auch in die pädagogische Bedeutung Schweitzers (Peter hat darüber einmal im 89. „Rundbrief“ vom November 1999 berichtet, S.55 f). Neben der theoretischen Arbeit gab es bei den Wanderungen in der herrlichen Bergwelt vielerlei Gelegenheiten zu Gesprächen, und auch bis tief in die Nächte hinein war Peter immer wieder unermüdlicher Berater für die Studierenden mit all ihren Fragen und Problemen.

Dass er die letzten Jahre auch fürs Schreiben genutzt hat, wurde schon erwähnt. Und dass er, gerade beim Thema Schweitzer, nicht der Zeitgeist-Mode folgte, alle Grossen „vom Sockel herunterholen“ zu wollen, dafür hatte er gute Gründe. Am Schluss wollten wir im Frühsommer dieses Jahres auf einem regionalen Kirchentag in Basel gemeinsame Veranstaltungen zu Schweitzer durchführen, doch wenige Wochen zuvor erhielt er völlig unerwartet die tödliche Diagnose.

Die letzten Monate hat er mit bewundernswertem Mut, ja mit Gelassenheit durchgestanden, der würdige Abschied am 4.10. in der Stettener Fridolinkirche war ergreifend.

Pestalozzi, geistig mit Schweitzer eng verwandt und für Peter ebenfalls Vorbild, hat geschrieben, der „Segen der Welt“ sei „gebildete Menschlichkeit“ - dass Peter Münster dies gelebt hat, dafür dürfen wir dankbar sein.

Prof. Dr. Hans-Georg Wittig, Lörrach

 


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