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Moderne

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Moderne

 

In der Prämoderne zahlte man für die verbindliche Geltung der als ewig erfahrenen Werte den Preis der metaphysischen und offenbarungstheologischen Legitimation. Man war vom Glauben durchdrungen. Antik glaubte man an den Ideenhimmel, christlich an den Schöpfer und die durch ihn gesetzte Wertorientierung.

Das ändert sich am Ausgang des Mittelalters. Der Glaube an einen immer schon präsenten ontologischen Sinn wird der Skepsis ausgesetzt. Diese Skepsis ist irreversibel. Um die ethische Substanz von Antike und Christentum zu retten, muss sie ihrer metaphysischen Legitimation entkleidet werden. Die neuzeitlichen Entwürfe eines modernen Welt- und Menschenbildes nehmen jetzt ihren Ausgang bei den erkenntnis- und handlungsbegründenden Bewusstseinsakten eines autonomen Subjektes.
Aus der theozentrischen wird eine anthropozentrische Begründung der Moral. Es beginnt der Eintritt in die Moderne.

In diesem Prozess der Aufklärung findet man im Begriff der „Vernunft“ ein neues, verbindliches Sinnkriterium.
Dabei unterschied man ursprünglich deutlich „Vernunft“ und „Verstand“. Verstand ermöglicht rationales Denken unter den Kategorien von „richtig“ und „falsch“; „Vernunft“ dagegen vernimmt, was sein soll; sie macht erfahrbar, was „gut“ bzw. was „böse“ ist.

Das Schicksal der Aufklärung wird sein, dass sie in ihrer Dialektik zur „instrumentellen Vernunft“ verflacht, die nur noch die Rationalität des Verstandes respektiert und folglich die ethische Verbindlichkeit des Vernunftanspruches aus der Hand gibt.
Kant wusste um diese Differenz von Vernunft und Verstand. Indem er in der „Kritik der reinen Vernunft“, seiner Erkenntnistheorie, menschliches Wissen als begrenzt nachwies – das „Ding an sich“ müssen wir prinzipiell unerkannt liegen lassen, Wesens-Erkenntnis ist nicht möglich -, eröffnete er in der „Kritik der praktischen Vernunft“, seiner Ethik, mit dem kategorischen Imperativ den Nachweis einer  innerweltlich begründeten verbindlichen normativen Orientierung.

Doch das Projekt Aufklärung vermag die Transformation der theozentrischen in die anthropozentrische Weltauslegung nicht zu meistern, noch nicht zu meistern. Die Hoffnung, das „Licht der Vernunft“, das lumen naturale, könne das „göttliche Licht“, das lumen supranaturale, ohne Substanzverlust aus der Prämoderne in die Moderne hinüberretten, hat sich bisher noch nicht erfüllt.

Aufklärung als Befreiung des Menschen von Mythen, Hexen-Wahn und Götterwelten führt, wie wir geschichtlich schmerzhaft lernen mussten, nicht geradlinig zum humanen Menschen und zu einer humanen Gesellschaft. Die „Dialektik der Aufklärung“ ( Adorno / Horkheimer ) holt bisher die Aufklärer immer wieder ein; sie bleiben einer manipulierenden Rationalität ( Verstand ohne Vernunft ) verhaftet.

Literatur


Michael Großmann: Wertrationalität und notwendige Bildung, 2003

Michael Hardt / Antonio Negri: Commonwealth. Das Ende des Eigentums, 2010, S. 126ff.:

Moderne, Gegenmoderne, Postmoderne, Hypermoderne, Altermodernität


Peter Kern



 

 


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