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Ökokrise

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Ökokrise


Wir leben im Atomzeitalter.

Diese Bezeichnung verweist auf die Atom-Physik als Beispiel des neuen Wissens, auf die Atom-Energie als Beispiel der durch dieses Wissen freigesetzten Macht und auf die Atom-Bombe als Beispiel der aus dieser Macht sich ergebenden globalen Gefährdung. Mit dem Eintritt ins Atomzeitalter ist die Menschheit insofern in die „Endzeit“ eingetreten, als sie sich nun jederzeit das „Zeitenende“ selbstverschuldet bereiten kann: der plötzliche Tod der Gattung und der sie tragenden Natur ist prinzipiell möglich geworden. Das gilt entgegen leichtfertiger anders lautender Urteile immer noch, es gilt angesichts der aktuellen politischen Weltlage sogar verstärkt, weil die Paralysierung der todbringenden Atomkriegsgefahr durch das Gleichgewicht des Schreckens weggefallen ist.

Parallel dazu ereignet sich schon fortwährend der schleichende Tod, verursacht durch unser unangemessenes Verhältnis zur Natur: die zunehmende Gefährdung eben der uns tragenden Natur ist nicht minder todbringend.

Die Gesamtheit der Beschädigungen und Gefährdungen des Haushalts der Natur einschliesslich der immer bleibenden Atomkriegsgefahr kann als „Ökokrise“ bezeichnet werden.

Zu ihr gehören u.a. der masslose Verbrauch von regenerierbaren und nicht regenerierbaren Ressourcen, die Ausrottung von immer mehr Tier- und Pflanzenarten, die fortschreitende Vergiftung unserer Lebenswelt, der gigantisch gesteigerte Energieverbrauch mit Folgewirkungen für unsere Atmosphäre („Klimakatastrophe“), das exponentiell ansteigende Bevölkerungswachstum gerade in den armen Ländern, die zunehmende Verbreitung von Hunger und Elend. Umweltbedingte und kriegbedingte Flüchtlingsströme in bisher nie gekannten Ausmassen sind ein weiterer Ausdruck dieser Leben-bedrohenden Prozesse. Hinzu kommen die abgrundtiefen Unwägbarkeiten der Gentechnologie.

Möglicher atomarer Holocaust, Ökologieproblematik, das Elend der armen Länder und die exponentiell anwachsende Weltbevölkerung sind die Chiffren nur der globalen Herausforderungen, vor denen die Menschheit zu Beginn des dritten Jahrtausends steht.

Da waren und sind noch die verheerenden Wirkungen des Ersten Weltkrieges; da waren und sind noch die Folgen der Katastrophen des Zweiten Weltkrieges und des Faschismus.

Unaufgebbar bleibt auch das Diktum, „dass Auschwitz nicht noch einmal sei“ (Theodor W. Adorno).

Das Wiedererstarken von Nationalismus und Rassismus, Ausländerfeindlichkeit, eine zunehmende Gewaltbereitschaft bis zum Leben-verachtenden Terrorismus, der nicht einmal mehr vor Giftgasattacken zurückschreckt, bestimmen das Bild des Alltags.

Dies nicht wahrzunehmen, ist nur zum Preis einer immensen Verdrängungsleistung möglich, in deren Folge wir Zynismus und eine allseitige Flucht in die Sucht beschreiben müssen:
Arbeitssucht, Alkoholsucht, Drogensucht, Sexsucht, Reisesucht.

Hans-Peter Dürr: „Wenn wir die Natur auf das reduzieren, was wir verstanden haben, sind wir nicht überlebensfähig.”
Hans-Peter Dürr (*1929), dt. Physiker, 1987 Alternat. Nobelpreis

Literatur

Hans-Peter Dürr: Das Netz des Physikers. Naturwissenschafliche Erkenntnis in der Verantwortung, 1988

Meinhard Miegel: EXIT. Wohlstand ohne Wachstum, 2010

Peter Kern / Hans-Georg Wittig: Pädagogik im Atomzeitalter, 1984, in 2.erw. Aufl.

Günther Michler: "Klimaschock", 2010



Peter Kern




 


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