• Schrift vergrößern
  • Standard-Schriftgröße
  • Schriftgröße verkleinern

Prämoderne

E-Mail Drucken PDF






Die „Prämoderne“ steht für die in Europa geschlossenen Weltbilder von Antike und Christentum. Der Sinn des kosmischen Ganzen ist metaphysisch von den Göttern für ewig verbürgt bzw. offenbarungstheologisch durch den einen Gott absolut gesetzt. Ziele und Zwecke des Handelns stehen unverbrüchlich fest.

Die theozentrische Auslegung von Gott, Mensch und Welt ermöglicht unbedingt geltende Normen mit allgemeinverbindlicher und universalisierbarer Reichweite.

Ethik bestimmt sich im Horizont eines antiken und christlichen Humanismus. Die griechischen Kardinaltugenden und der Dekalog konkretisieren das emphatisch verstandene „Liebes“-Gebot dieser Tradition. Man orientiert sich antik an der Idee des Wagenlenkers, der als „nous“ der Animalität und dem Thymos den rechten Weg weist; man orientiert sich christlich am Gedanken der „Imago Dei“, der Gottebenbildlichkeit, die, durch die Sünde gestört bzw. zerstört, durch ein gottgefälliges Leben approximativ wieder herzustellen sei.

Antike, aristotelische Philosophie und christliche Scholastik verknüpfte Thomas von Aquino zu einem umfassenden System. Diese Sichtweise des Seienden schloss die Vorstellung von einem ganzheitlich zu denkenden organischen, lebendigen und spirituellen Universum ein.

Der Einheitssinn aller menschlichen Aktivitäten, auch des erkennenden Zugriffs auf die uns tragende Natur, lag nicht im Machen, Beherrschen und Ausbeuten, nicht im Haben, sondern darin, die Bedeutung der Dinge in ihrem Gefügtsein zu verstehen, sie lag im Sein des Seienden selbst.

Verantwortliches Handeln, das hiess, den Dingen zu entsprechen, ihrem Wesen gemäss zu leben. Prämodernes Denken geht unhinterfragt davon aus, dass Wesens-Erkenntnis möglich sei.



Literatur

Michael Großmann: Wertrationalität und notwendige Bildung, 2003

Michael Hardt / Antonio Negri: Commonwealth. Das Ende des Eigentums, 2010, S. 126ff.:

Moderne, Gegenmoderne, Postmoderne, Hypermoderne, Altermodernität


Peter Kern




 


Zufällig ausgewählte Glosse

Wer den Logos der Griechen moralisch neutralisiert nur als Verstand liest, unterschlägt dessen Vernunftdimension.