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Vernunftgeleitete Solidarität

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Alle Lebewesen sind bedürftig, und alle Lebewesen sind zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse aufeinander angewiesen.

Im Blick auf unsere immer folgenreicheren Eingriffe in die Natur muss darum Solidarität alles Lebendige einschließen. Sie darf nicht nur als das Zusammengehörigkeitsgefühl aller Menschen verstanden werden und schon gar nicht als Solidarität partieller Gruppen oder Klassen gegenüber jeweils den anderen.

Eine solche umgreifende Solidarität nennen wir „vernunftgeleitete Solidarität“, indem Vernunft als Wahrnehmung des jeweils nächsthöheren Ganzen verstanden wird, von dem unser Denken und Handeln betroffen ist.

Dass diese vernunftgeleitete Solidarität wissend allein von Menschen geübt werden kann, erhöht nur unsere Verantwortung gegenüber den anderen, uns inzwischen hilflos ausgelieferten Lebewesen.

Eine so weit gefasste Solidarität schließt Zivilcourage ein, denn immer wieder kann es aus Rücksicht auf das höchstrangige Ganze der Menschheit und der Natur nötig werden, gegen schädliche Verhaltensweisen eines ihm untergeordneten Ganzen Widerstand zu leisten, auch gegen Ziele und Vorgehensweisen derjenigen Gruppen, deren Mitglied man selbst ist, ja sogar gegen politische Maßnahmen des eigenen Landes.

Aus dieser Sicht zeigt sich, wie unbrauchbar das politische Schema von „rechts“ und „links“ ist. Protest gegen die „Konservierung“ lebenzerstörender „Strukturen“ kann nicht nur von der sogenannten „progressiven“ Seite erfolgen, sondern auch von „Wertkonservativen“.

Wie wenig selbstverständlich die Doppelforderung nach vernunftgeleiteter Solidarität und Zivilcourage ist, zeigt unsere Lebenswirklichkeit.

Einerseits übt diese Wirklichkeit eine passive Konsumhaltung eher ein als aktive und widerstandsfähige Selbständigkeit, andererseits ein Konkurrenzstreben, welches im Versagen des anderen nur den eigenen Vorteil zu erblicken vermag, eher als aufgeklärte Mitmenschlichkeit und schließlich Angst, Aggression und das Bedrängtsein durch nie endende Leistungsforderungen eher als Gelöstheit.


Vgl. Peter Kern / Hans-Georg Wittig: Pädagogik im Atomzeitalter. Wege zum Frieden. Aktualisierte Neuausgabe. Freiburg i.Br. 1984; dort Kapitel 3.2.2 Verantwortung für alles Lebendige: Öko-Ethik, S.72-74. Der Text im haus-des-verstehens wurde von Peter Kern leicht verändert. In der Druckfassung finden sich noch zahlreiche Quellenangaben.

Vgl. auch die ERGÄNZUNGSTEXTE: „Verstand-Vernunft“; „Gelöstheit als Grundlage gelingenden Lebens“; „Gewaltfreier Widerstand“.


 


Zufällig ausgewählte Glosse

Die generelle Niedertracht, den Mann klein zu reden, wird zur sich selbst erfüllenden Prophezeiung. Er erscheint dann so, wie er für die wahrnehmende Frau sein soll, eben als unverbesserlicher Macho.