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Tagebuch

Überflüssig

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Kosmisch gesprochen, ist die Erde überflüssig,

und ich bin auf ihr der überflüssigste Mensch.

Wie kann man sich auf diesem Staubkorn im All

nur so aufplustern und wichtig nehmen!

Wir Menschen sind voll von Hybris.

Wir toben uns zügellos in anmaßender Selbstüberschätzung auf der Erde aus.

Die Folgen sind täglich zu besichtigen: Leid und leiden, wohin man auch blickt.


Vgl. den ERGÄNZUNGSTEXT von Hans Wittig: Hoffnung im Elend der Lieblosigkeit.

 

Zu spät

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Wenn uns die Einsicht überfällt,

dass wir ganz anders leben

als wir leben möchten,

ist es für die meisten Menschen zu spät.

Die Sanduhr im hohen Alter noch einmal umzudrehen,

macht die Jahrzehnte des Frusts nicht ungeschehen.

 

Vergiftet

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Die verkrampfte Unzufriedenheit derer,

die täglich im Hamsterrad lustlos funktionieren,

vergiftet das tägliche Miteinander.


In einem Gespräch mit Vierzig- bis Fünfzigjährigen,

alle beruflich erfolgreich,

war nicht einer dabei, der seinen Job aus innerer Überzeugung begeistert wahrnahm.

 

Zögling Törless

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Das sind alles Pubertätsgeschichten einer vergangenen Epoche:

Wedekinds Frühlingserwachen,

Emil Straußens Freund Hein,

Hesses Unterm Rad.

Nicht so das Buch von Robert Musil:

Die Verwirrungen des Zöglings Törless.

Hier wurde, wie Musil in einem Gespräch erläuterte,

"die Triebstruktur des Dritten Reichs" visionär vorausbeschrieben.

Angesichts der aktuellen politischen Lage in Europa ist das ein gewichtiges Argument,

den Törless neu zu lesen.


Sadistische Spiele auf dem Dachboden. Walter Jens über Robert Musil: 

Die Verwirrungen des Zöglings Törless (1906), in:

Romane von gestern - heute gelesen. Band I, herausgegeben von Marcel Reich-Ranicki, 

Frankfurt/Main 1996, erweiterte, aktualisierte Ausgabe, S. 61


Robert Musil



 

Gedanklich fühlen

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Was wir rational nicht verstehen, das lehnen wir allzu gerne ab.

Wir geben dem Nichtverstandenen die Schuld, dass wir es nicht verstehen.

Das ist eine erkenntnistheoretische und wahrnehmungspsychologische Bankrotterklärung.

Worauf es in solchen Fällen ankäme:

Nicht kalt zu räsonieren,

sondern gedanklich zu fühlen.


 


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Zufällig ausgewählte Glosse

„Der Wettlauf der Waffen läuft in entgegen gesetzter Richtung zur Vernunft.“ Gabriel García Márquez.