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Tagebuch

Unheimlich

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Wenn ein und derselben Person in schneidender Paradoxie das "Gute" und das "Böse" zugesprochen wird,

dann werden wir der Doppelgesichtigkeit der Welt inne.

Es gibt keinen festen Boden der Eindeutigkeit.

Alles ist unheimlich.

 

Vergeudete Lebenszeit

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Nachdem das iPad streikte und British Telecom (BT) um Hilfe gebeten wurde,

langweilte ich mich erst in der Warteschleife, durfte dann blitzschnell entscheiden, ob meine Hilfe unter einer "1" oder "2" oder "3" zu erlangen sei,

wurde dann ungehalten, weil der Mann vom Customer Service auf einer wackligen Verbindung aus Indien in unverständlichem Englisch mir nichts Hilfreiches zu sagen hatte,

und geriet schließlich in Empörung, als ich zu einem weiteren technischen Berater verbunden wurde, der nie in der Leitung erschien, mir aber über zwanzig Minuten lang von mir nie gewünschte Musik ins Ohr dudelte.

Den Höhepunkt der Kundenfreundlichkeit erreichte mein Anruf um Hilfe, als die Verbindung unangekündigt einfach abbrach, so nach dem Motto "Machen Sie Ihren Dreck doch alleine".

Ich hatte wieder einmal eine Schlacht auf dem Feld der modernen Technik verloren.

Seitdem mischt sich bei mir leise Bewunderung in den Neid auf diejenigen, denen es gelingt, ihre kostbare Lebenszeit nicht mit den banalen Zumutungen der High-Tech-Kommunikationstechnologie zu vergeuden.

Ich sollte wieder Briefe schreiben.

 

Meine Gegner

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Keine Macht, kein Ruhm befriedigt die metaphysische Sehnsucht nach Freiheit.

Das Leben nach seinem eigenen Willen gestalten können, ist der grossartigste Traum souveräner Menschen.

Gewiss, wir bleiben an unseren Leib gebunden, und wir verheddern uns immer wieder in den selbst geknüpften Fäden, die wir Gesellschaft nennen.

Wenn aber Bürgerinnen und Bürger sich selbst zu Untertanen degradieren, dann hat die Freiheit keine Chance.

Wer in meiner Demokratie die Todesstrafe herbeisehnt und die Gewaltenteilung mit Füssen tritt, ist nicht länger mein Mitbürger, der nur eine andere Meinung vertritt.. Er rüttelt an den Grundfesten meiner Demokratie. Damit hat er sich selbst zum Gegner gemacht. Um der Freiheit willen, muss ich ihn bekämpfen.

Nach dem 16.04.2017 ist die Sorge, dafür den Beifall von der falschen Seite zu bekommen, zweitrangig geworden.

Vgl. die ERGÄNZUNGSTEXTE

„Freiheit des Menschen“,

„Freiheit des Bürgers“,

„Freiheit der Person“

und den TAGEBUCHEINTRAG vom 20.04.2017 „Verrat, nicht nur am Islam“.

Zur Erinnerung:

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hat eine Freilassung des inhaftierten deutsch-türkischen Journalisten Deniz Yücel an die Bundesrepublik ausgeschlossen. Zu einer möglichen Auslieferung von Inhaftierten wie Yücel sagte er: "Auf keinen Fall, solange ich in diesem Amt bin niemals."

Allein in diesem Statement masst sich der türkische Staatspräsident die Macht auch über die Judikative an. Damit ist die Gewaltenteilung aufgehoben.

Unmittelbar nach dem Referendum am 16.04.2017 sagte Erdogan, dass er die Wiedereinführung der Todesstrafe in der Türkei auf die Tagesordnung setzen wolle. Das werde seine „erste Aufgabe“ sein. Wenn er für die Einführung der Todesstrafe keine Mehrheit im Parlament erhalte, wäre ein weiteres Referendum möglich.

 

Verrat, nicht nur am Islam

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Der 16. April 2017: schwarzer Tag und Wendepunkt für den Islam

Von Michael Kalff

Das hätte niemals passieren dürfen, dass ein islamistischer Diktator die Türkei vom Weg in eine moderne europäische Republik abbringt und sie statt dessen in die Abgründe eines schon längst (und immer wieder) verlorenen Kulturkampfes führt. Schon der Aufstieg des „Irren vom Bosporus“ bestand aus fortschreitend eskalierten Zumutungen gegen jedes zivilisierte Miteinander. Erdogans Ansagen zur Werbung um Zustimmung der türkischen Muslime bestätigten auch noch die primitivsten Vorurteile der Islamophoben und Rechten:

- Anspruch auf Macht und politische Dominanz des Islam.

- Unerträgliche Doppelmoral: grenzenlos sensibel beim "Beleidigtsein", grenzenlos anspruchsvoll beim Einfordern von "Respekt", dabei gleichzeitig grenzenlos übergriffig gegen Freiheits- und Menschenrechte.

- Erklärte Absicht der langfristigen Machtübernahme in Europa durch Demographie.

- Und dann auch noch am Tag des Londoner Mietwagen-Terroristen die Drohung, künftig sei kein Westler auf der ganzen Welt mehr sicher. Da machte Erdogan sich und die Muslime insgesamt gemein mit den barbarischen Kopfabschneidern des IS und der Al Qaida - der angebliche Kämpfer gegen Terrorismus drohte den Bürgern der Welt mit Terrorismus.

Persönlich kenne ich tatsächlich nur anständige Muslime, deren Bekenntnis zu Demokratie und Menschenrechten authentisch ist, und die ich niemals des Islamismus verdächtigen würde. Die wollen einfach in Frieden Tür an Tür mit wohlwollenden Nachbarn leben, in Bezug auf Religion in Ruhe gelassen werden und ihren Glauben praktizieren - sie lassen aber auch ihre Nachbarn in Ruhe und behelligen sie nicht mit religiösen Ansprüchen (à la „…bloß kein Schwein auf dem Grill beim Straßenfest“!). Ich kenne auch engagiert gläubige Muslime, mit denen ich in interreligiösen Projekten intensiven Austausch über das Menschsein hatte, und wo ich den Islam als eine Weisheitstradition schätzen lernte, die zusammen mit dem Christentum, dem Buddhismus, dem Hinduismus und all den anderen zivilisierten Religionen gehaltvoll beitragen kann zum Gelingen von Gesellschaft.

Leider sind die Zeiten aber nicht mehr so, dass Glaubenssachen nur Privatsache sind – wo blieb der Aufschrei der anständigen Muslime gegen Erdogans islamistische Hetzkampagnen, gegen seinen Bruderkrieg in Kurdistan, gegen seine Säuberungswellen, gegen den Abbau vom Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Menschenrechten? Wir hätten sie so dringend gebraucht an unserer Seite, die anständigen Muslime, um gemeinsam gegen die Hetzer und Vereinfacher, gegen Hasstäter und Hasspolitiker zu stehen, um gemeinsam einzustehen für ein Miteinander in gegenseitigem Respekt, in Freiheit und Würde. Denn- so habe ich bis zum 16.April gedacht - die Konfliktline verliefe ja nicht zwischen „Islam und Moderne“, sondern zwischen „Barbarei und Zivilisation“.

Der 16.April 2017 hat mich da leider eines Schlechteren belehrt. Diesen Schlag in die Magengrube habe ich noch zu verkraften, dass fast zwei Drittel der wahlberechtigten Muslime in Deutschland, Frankreich, Niederlanden gegen Demokratie und Menschenrechte und für eine islamistische Diktatur gestimmt haben; in Belgien und Österreich gar drei Viertel! Und ungefähr die Hälfte der Türken in der Türkei selbst.

Natürlich kommen auch jetzt wieder – allerdings deutlich leiser geworden – die Berufs-Relativierer: nur die Minderheit der Auslandstürken sei überhaupt wählen gegangen (um so schlimmer, wenn sich die Mehrheit der wahlberechtigten Muslime um den Erhalt von Rechtsstaat, Menschenrechten und Demokratie einen Dreck schert)… und es sei ja gar nicht wegen Erdogan, sondern wegen des Frusts über gescheiterte Integration so abgestimmt worden.

Mit dieser Ausrede werden auch die offiziellen Islamvertreter die Katastrophe schön reden wollen – nur stimmt sie nicht: in Spanien, in Griechenland, in Polen, Tschechien, Albanien, Italien, Bulgarien, Ungarn, Rumänien...sogar in der Ukraine gibt es ganz sicher nur wenig bis gar keine Integrationsbemühungen für Türken - und dort haben Mehrheiten gegen Erdogan gestimmt!

Es scheint mir eher, dass die bewusste Abschottung der islamischen Communities und die dort zuweilen praktizierte subtile bis massive Abwertung „europäischer“ (zivilisatorischer) Werte dazu führt, dass man sich in Beleidigtsein, Jammern und Opferstatus bequeme Identitäten geschaffen hat, statt der Integration zuliebe einige alte Zöpfe (z.B. Status der Mädchen und Frauen, Trennung von Staat und Religion) zu überwinden. Integration funktioniert nicht als Einbahnstraße. Solange für türkische Männer teure Autos und „Respekt auf der Straße“ wichtiger sind, als deutsche Sprache, Bildung und Lebensleistung, so lange werden Türken in Deutschland nicht ankommen. Ich möchte mein Land nicht teilen mit Massen, die einem Führer zujubeln (und Erdogans Sieg in Deutschland mit laustarken Machtdemonstrationen - nächtlichen Autokorsos- zelebrieren) ... egal, welcher Ideologie sich "der Führer" bedient!

Nach dem 16.April 2017 kann mir niemand mehr erzählen, die Muslime seien in der Mehrheit demokratisch gesinnt und der Islamismus habe keine Basis in den Moscheegemeinden.

Mein böses Erwachen mit dem 16.April: "der Islam" ist für die Zukunft, für die Moderne, für die Zivilisation für viele Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, verloren. Die Mehrheit der Muslime will offensichtlich gar nicht ankommen in einer Globalen Gesellschaft, in der sie eine Community von mehreren ist (Christen, Hindus, Juden, Buddhisten....). Können sich die meisten Muslime eine Zukunft nur als dominante kulturelle Gruppe vorstellen? Das Drama, dass sich daraus ergibt: alle anderen werden diesen Dominanzanspruch nicht akzeptieren, Huntingtons "Kampf der Kulturen" steht also doch bevor?

Dabei wird „der Islam“ aus den feuchten Träumen der Islamisten nicht als herrschende Kultur über die Welt kommen, sondern zunächst käme der Bruderkrieg der Muslime, welches denn der "richtige Islam" sei. Sollten sich westliche (und östliche) Mächte dann tatsächlich in einem "Kampf der Kulturen" wähnen, dürften sie innerislamische Konflikte mit ihren alten Tricks auch kräftig schüren, denn damit schwächte sich "der Gegner" ja selbst, er hat bereits verloren. Gewalt, Armut, Elend für die islamischen Länder sind auf weitere Jahre oder gar Jahrzehnte abonniert.

Der Kampf um Deutungshoheit wird voraussichtlich nicht nur „auf islamischem Boden“ ausgetragen, sondern vermutlich überall, wo Muslime in nennenswerter Zahl leben, also auch in unseren Städten. Und Verlierer, die sich zu Märtyrern stilisieren im „Heiligen Krieg“ gegen den Westen, dürfte die Integrationsverweigerung auch noch lange genug hervorbringen. Schlimm, wenn Terroristen es dann schaffen, dass der Westen seine Freiheiten gegen Sicherheit zu tauschen versucht, jeder weitere Anschlag ist nach dem 16.April2017 ja Wasser auf die Mühlen derer, „die es schon immer gewusst haben“.

Tatsächlich ertappe ich mich selbst bei dem Gedanken: wer unsere Werte nicht teilt, soll gehen. Wenn drei Generationen in Europas Freiheit, Wohlstand und Demokratie an Muslimen fast spurlos vorübergehen, dann sind diese Muslime im Westen nicht integrierbar.

Dabei brauchen wir dringend Muslime, um mitzutun bei der Bewältigung globaler Herausforderungen – Ungerechtigkeit und Armut; Klimawandel und Naturzerstörung; Gewalt, Unterdrückung, Korruption. Muslime stellen ein Sechstel der Weltbevölkerung, und islamische Länder sind Brennpunkte globaler Dramen.

Allerdings müsste der Islam endlich ankommen in der Globalen Gesellschaft und an deren Gelingen mitwirken, statt mit dem Finger auf „Ungläubige“ zu zeigen, sich über sie zu erheben, die Welt bekehren, belehren und beherrschen zu wollen. Ein Islam auf „dieser Seite“ der roten Linie, auf Seiten der Zivilisation statt der Barbarei wird gebraucht … bislang bleibt das aber eine unrealistische Wunschvorstellung, denn - und das ist die bittere Erkenntnis des 16.April 2017 - die Mehrheit der Muslime positioniert sich auf „jener“ Seite der roten Linie. Das macht unendlich traurig.

Dr. Michael Kalff, Staufen am 19.April 2017

Zu Michael Kalff vgl.

http://www.openmind-training.de/ und

http://www.kibi-edu.org/interview-and-life-stories/kibi-continuing-the-journey-after-17-years/




 

Belogen

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Der  defensive Provinzialismus der englischen upper class ist getränkt von den Träumen an ein untergegangenes Weltreich.

Als Europäer mit Europa solidarisch zu sein, erleben sie als Kränkung.

Nigel Farage und Boris Johnson belogen das Volk nach Strich und Faden. Eine knappe Mehrheit wählte den Brexit.

Jetzt will sich die amtierende Premierministerin Theresa May durch eine allgemeine Wahl am 08. Juni 2017 für harte Austrittsverhandlungen aus der EU die Zustimmung vom desinformierten Volk holen.

 


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Zufällig ausgewählte Glosse

Wien um 1900: Zwischen Fortschrittsglaube und Untergangsstimmung. Wiederholt sich die Geschichte? Nein. Die globalen Gefahren sind drängender geworden. Der Weg in den Abgrund hat Fahrt aufgenommen. Und ein Bremser ist nicht in Sicht.