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Tagebuch

Kein Mitspracherecht

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Ich sei ein abgeschiedener Geist, der sich zwar noch kundgibt,

aber kein Mitspracherecht mehr besitze.

So urteilen junge Zeitgeisttrendsetter.

Soll ich mit trotzgesättigtem Schweigen reagieren?

Nein. Meine Zeit wird wiederkommen.

Das ist eine Erfahrung, die ich schon einmal machte.

Als die Pädagogik postmodern wurde, widersprach ich an unserer Hochschule. Die Professionalisierung der Lehrerausbildung hielt ich für ein Verhängnis. Dass aus Lehrern Begleiter und Coaches werden sollten, erschien mir mehr als abwegig. Unterrichtsziele in Handlungskompetenzen aufzulösen, war für mich purer Unsinn. Ich argwöhnte, dass die ganze Pseudoverwissenschaftlichung der Pädagogik in die Sackgasse führen würde. Und der universitären Bologna-Reform erteilte ich eine Absage.

Mit solchen Urteilen sank damals mein Ansehen gen Null, nicht nur bei den jungen Kolleginnen und Kollegen, sondern auch bei den schon in die Jahre gekommenen Konjunkturrittern bis hin zum amtierenden Rektor. Übrigens nicht bei tüchtigen Studierenden, ganz im Gegenteil.

Dass meine Distanz zu all dem modischen Firlefanz in meinem Fach nicht ohne Grund war, hat sich inzwischen herumgesprochen.

Man muss nur die Philosophen Julian Nida-Rümelin und Konrad Paul Liessmann lesen.


Vgl. den ERGÄNZUNGSTEXT "Katharos überfällt Polysyllabos auf einer Fahrt nach Marseille. Epochenwechsel im universitären "Bildungs"-System"



 

Verirrungen

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Als Pädagoge, nicht als Kunstliebhaber, verurteile ich so manches Werk

der zeitgenössischen Kunst.

Oft sind Bilder und Bücher nur noch Verirrungen ins Inhumane,

Ausdruck kranker Seelen, also Spiegel unserer Zeit.

Mithin ungeeignet für noch ungefestigte Charaktere.

 

Wir werden Götter

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Was ist der Mensch?

Ein biotischer, beseelter Organismus.

Wer ist der Mensch?

Ein verwirrtes verdorbenes Mittelding zwischen Tier und Engel auf dem Wege zum Homo Deus.


So jedenfalls sieht es Yuval Noah Harari in seinem neuen Buch

„Homo Deus. Eine Geschichte von Morgen“. München 2017.


Erst eroberte der Homo sapiens die Welt, dann habe er ihr einen Sinn gegeben, bis er schließlich die Kontrolle über sich und die Welt verloren habe.

Notwendig sei deshalb ein „Upgrade“ von den Menschen hin zu Göttern.

Harari, S.64:

„Das Upgrade von Menschen zu Göttern kann auf drei Wegen erfolgen:

durch Biotechnologie,

durch Cyborg-Technologie und

durch die Erzeugung nicht-organischer Lebewesen.“

Es gehe darum, dass die Menschheit „für sich göttliche Schöpfungs- und Zerstörungsmacht erwirbt und den Homo sapiens zum Homo deus erhebt.“, S.69.

Dieser Weg sei nicht mehr zu stoppen, „weil niemand mehr das System versteht“. „Wir können nicht mehr auf die Bremse treten“, S.75. Und wenn es uns doch irgendwie gelingen sollte, die Verwandlung des Menschen zum Gott durch Biotechnologie, Cyberborg-Technologie und durch die Erzeugung nicht-organischer Lebewesen aufzuhalten, dann werde unsere Wirtschaft samt unserer Gesellschaft zusammenbrechen, denn die moderne Wirtschaft brauche, „um zu überleben, fortwährendes und grenzenloses Wachstum. Sollte das Wachstum einmal ein Ende haben, wird es sich die Wirtschaft nicht in irgendeinem Gleichgewichtszustand bequem machen; sie wird auseinanderfallen. Deshalb ermuntert der Kapitalismus uns dazu, nach Unsterblichkeit, Glück und Göttlichkeit zu streben… Eine Ökonomie, die auf immerwährendem Wachstum gründet, braucht grenzenlose Projekte – wie eben das Streben nach Unsterblichkeit, Glück und Göttlichkeit“, S.75.

Das alles habe ich schon einmal kenntnisreicher, durchdachter, besonnener und philosophisch-anthropologisch besser fundiert  gelesen, ohne das der Autor der Machermentalität der modernen Naturwissenschaft und Technik verfallen ist:

Ken Wilber: Halbzeit der Evolution.

Der Mensch auf dem Weg vom animalischen zum kosmischen Bewusstsein.

Sollten die bei Harari zusammengetragenen Fakten der Biotechnologie, Cyborg-Technologie und der Erzeugung nicht-organischer Lebewesen in der Tat für die Umgestaltung des Homo sapiens bestimmend werden, dann werden wir es nicht mit göttlicher Schöpfungsmacht, sondern mit einer durch uns verursachten Zerstörungsmacht zu tun haben, die die heutigen Krisen alt aussehen lassen.


Vgl. Michael Habecker: Halbzeit der Evolution, Zusammenfassung.

Yuval Noah Harari

Ken Wilber


 



 

Keine Balance

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Weil die Herausforderungen von gestern zum Überdruss von heute führen,

also vom Stress zur Langeweile, können wir nicht glücklich sein.


Uns fehlt die Balance zwischen Erregung und Ruhe.


Vgl. den ERGÄNZUNGSTEXT „Gelöstheit als Grundlage gelingenden Lebens“.


Hinweis:

Ein Besucher meiner Kulturseite beklagte, dass die Schrift zu klein sei.

Wer auf der jeweils geöffneten Seite oben im dunklen Balken von den drei „A“s

das größte A mit dem hochgestellten Plus anklickt, vergrößert automatisch die Schrift.


 

Selbstdenker

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Wir sind Fremddenker, Wiederkäuer abgegraster Gedanken vergangener Tage.

Wer bringt es schon zum Selbstdenker?

Paul Valéry in seinen Cahiers.


Vgl. Ich grase meine Gehirnwiese ab. Paul Valéry und seine verborgenen Cahiers.

Ausgewählt und mit einem Essay von Thomas Stölzel.

Auf der Grundlage der von Hartmut Köhler und Jürgen Schmidt-Radefeldt besorgten

deutschen Ausgabe der Cahiers/Hefte in sechs Bänden. Frankfurt am Main 2016


Paul Valéry

 


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Zufällig ausgewählte Glosse

Als er hörte, ich sei Humanwissenschaftler, sprach er mir jedes Verständnis für diese Welt ab. Ein blinder Technokrat, der sehenden Auges am Untergang mit arbeitet.