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Puddingprofessur

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Dietmar Dath und Barbara Kirchner werfen einen unkonventionellen Blick auf die Fächer der Universitäten und deren Wissenschaftsgeschichte. Ihre These: Im traditionellen Denken bliebe der unhintergehbare Verwertungshorizont der Forschung ausgeblendet. In Wahrheit gäbe es keine Fächer wie Festkörperphysik, Organik oder Optik, sondern Waschmittel-, Bomben-  oder Flugzeugtragflächenbeschichtungsforschung. Und auch die Wissenschaftsgeschichte sei nicht korrekt markiert durch Namen grosser Forscher, Nobelpreisträger gar, sondern diese Wissenschaftsgeschichte sei die „Abfolge von Wettbewerbserfolgen bei der Bleichmittelgewinnung, Lebensmittelversüssung oder Fernsehgeräteverflachung.“ (S.202)

„Die Tatsache, daß man Justus Liebig nicht einfach auf eine Puddingprofessur gesetzt hat, läßt sich rein formal betrachtet ja wirklich damit vergleichen, daß auch der Lehrstuhl eines Scholastikers, das Fach eines Papstes, die Profession des Aquinaten  allesamt Theologie hießen und nicht transzendentale Rechtfertigung von Landbesitz, Leibeigenschaft und überhaupt Feudalautorität.“ (S.203)

Wissenschaft, die mit dem Pathos daherkommt, vor lauter Objektivität nicht schuldfähig zu sein, weiss nichts von ihrer verborgenen Normativität. Alle Forschung ist interessengeleitet. Die spannende Frage war und ist: Cui bono, wem gereicht sie zum Vorteil? Wem nützt sie?


Vgl. dazu Dietmar Dath / Barbara Kirchner: Der Implex. Sozialer Fortschritt: Geschichte und Idee. Suhrkamp Berlin 2012.




 


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Eine heimtückische Hirnfalle der Kapitalisten. Erst versprechen sie Speck für alle, dann schlagen sie grausam zu.