• Schrift vergrößern
  • Standard-Schriftgröße
  • Schriftgröße verkleinern

So sind wir Menschen

E-Mail Drucken PDF

In der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG Nr.144 vom 25.06.2012 werden auf der Seite 16  drei Bücher  zur Politik im weitesten Sinne besprochen. Jedes der drei ist angetan, uns den letzten Funken Hoffnung darauf zu rauben, dass der Mensch ein vernunftbegabtes Wesen sei. Von Gaunereien, Betrügereien, von Zynismus und grenzenloser Masslosigkeit ist die Rede. Und allenthalben gibt es Opfer.

Rudolf Hickel lehrt Wirtschaftswissenschaften an der Universität Bremen. Er bespricht das Buch von Dirk Laabs: Der Deutsche Goldrausch. Die wahre Geschichte der Treuhand, München 2012. „Das Buch von Dirk Laabs kommt spät, aber nicht zu spät. Die ökonomische Einigung Deutschlands wurde zur Erfolgsstory hochstilisiert. Laabs‘ Buch zeigt, was davon zu halten ist: Das ist Geschichtsklitterung.“

Rupert Neudeck, Vorsitzender des Friedenskorps Grünhelme, bespricht das Buch von Andrew Feinstein: Waffenhandel. Das globale Geschäft mit dem Tod, Hamburg 2012. Es liegt seit Wochen auf meinem Schreibtisch; es ist 847 Seiten dick. Immer, wenn ich darin lese, überkommt mich Wut und Empörung. Neudeck schreibt: „Dieses gewaltig dicke Buch kann man nicht zusammenfassen, nur zur Lektüre empfehlen. Es basiert auf drei zentralen Erkenntnissen: Die Waffenindustrie ist die größte Korruptionsmaschinerie der Welt: Sie ist für mehr als 40 Prozent der Korruption im gesamten Welthandel verantwortlich. Die Waffenindustrie darf nicht wissen, was Ethik ist: Ein Beteiligter im Iran-Contra-Geschäft – (Israel verkaufte Waffen an Khomeinis Regime, für deren Erlös es Waffen für die Contras in Nicaragua gab) – sagte, er könne sich nicht an eine einzige Diskussion über die ethische Dimension erinnern. Uns interessierte nur, wie wir möglichst viele Waffen verkaufen konnten, damit sie sich möglichst alle gegenseitig umbrachten. Der militärisch-industrielle Komplex kann aus Geschäftsinteresse Kriege in Gang setzen.“

Und Michael Bauchmüller bespricht unter der Überschrift „Wir sind zu reich“ das Buch von Felix Ekardt: Klimaschutz nach dem Atomausstieg. 50 Ideen für eine neue Welt, Freiburg i.Br. 2012. Ekardt, Umweltjurist und Nachhaltigkeitsforscher, behandele ein Problem, dessen Dringlichkeit sachliche Debatten oft erschwere, „nüchtern und ohne Tabus: „Die Ursache unseres Klimaproblems ist nämlich in aller Kürze: Wir in Europa und Nordamerika sind zu reich und werden im Grunde immer noch reicher. Streben wir weiteres Wachstum an, wird auch der Energieverbrauch und damit der Verbrauch an fossilen Brennstoffen tendenziell immer größer.“ Kürzer, trockener geht es nicht.“

Und was geschieht in der Finanzkrise? Alle schreien kopflos nach mehr Wachstum!

 


Zufällig ausgewählte Glosse

Mit der Fatalität des Wiederholungszwanges zerstören wir alles, was unser Leben trägt.