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Aus Anlass einer Rede vor dem Deutschen Bundestag

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Marcel Reich-Ranicki ist ein hommes de lettres, geadelt von der Noblesse einer Kultur, die das deutsche Volk in seiner Mehrheit nicht mehr bereit oder fähig ist, sich anzueignen.
Im Nationalsozialismus trat man den Geist dieser Kultur mit Füssen und verbrannte seine Bücher auf den Scheiterhaufen der Barbarei. Heute weiss man gar nicht mehr, was die alten Repräsentanten uns Hilfreiches zu sagen hätten: Lessing, Kant, Herder, Goethe, Schiller, Hölderlin, Hegel, Jean Paul oder Thomas Mann. Es sind nur noch Namen ohne Gewicht. Schall und Rauch.
Wir Deutschen wurden einmal geachtet als das Volk der Dichter und Denker. Heute fürchtet man uns wieder. Der Weltgeist weht nicht mehr, er wabert nur noch dumpf und flau unterhalb der Gürtellinie. Dass etwas verloren ging und fehlt, wird kaum registriert. Was man nicht besitzt, das schätzt man eben auch nicht. Was man dagegen besitzt, das schätzt man sehr: Massenhaft Hegemann, Charlotte Roche und das Dschungelcamp von RTL.
Wir sind kulturell auf den Hund gekommen. Der Geburtsadel schreibt ab, und der Geistesadel hat sich abgeschrieben. Einsam gibt ein 91jähriger Kunde davon, was ausgelöscht wurde. Lesen wir nach seiner eindrücklichen Rede am 27. Januar 2012 vor dem Deutschen Bundestag  nochmals seine Autobiographie. Marcel Reich-Ranicki: Mein Leben.

 


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