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Kreisendes und pfeilförmiges Denken

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In seinem Buch „Und sie bewegt sich doch nicht“ unterscheidet Hanspeter Padrutt ein „kreisendes, schreitendes“ Denken von einem „schlussfolgernden, pfeilförmigen“. „Das pfeilförmig-schlußfolgernde Denken kennzeichnet die traditionelle Logik seit Aristoteles, und es lässt sich heute auch in der Funktionsweise des Computers nachweisen. Das kreisend-schreitende Denken des Parmenides stellt jene Tradition und das moderne kybernetisch-informatorische Denken zugleich in Frage.“ (S.606)

Das kreisend-schreitende Denken führt bei Padrutt zu einer grundlegenden Kritik des modernen autonomen Mobilismus. Padrutt fordert, wie er es mit Hölderlin formuliert, eine „Revolution der Gesinnungen und der Vorstellungsarten“. Das würde „den Verzicht auf die machtgierige und vermessene Position des neuzeitlichen Subjekts bedeuten, die Entthronung des Herrn und Besitzers der Natur zugunsten eines bescheideneren Weltverhältnisses, das Aufgeben der selbstherrlichen modernen Autonomie zugunsten eines selbständigen, verantwortlichen Aufenthalts in der Freiheit. Daher brächte die Revolution auch die Befreiung des Menschen aus der Abkapselung des Subjekts und aus der Käfighaltung seiner verfehlten Selbstdefinitionen (z.B. vernünftiges Lebewesen, animal rationale – oder psychosomatischer Apparat), so daß sich der Mensch wieder als ein Gewahren erfahren könnte, das seine Bestimmung vom Sein her empfängt. Die Revolution würde ferner die Preisgabe des Beobachterstandpunktes mitsamt der objektivierenden Reduktion auf Meß- und Berechenbares bedingen, die Preisgabe der perspektivischen Welt-Anschauung und der entsprechenden Erkenntnistheorie, und schließlich auch zu einem Wandel der Grundstimmung geleiten, vom verzweifelten Kampf ums Dasein, den der autonome Mobilist im epochalen Winter führt, und von der Verbissenheit, mit welcher sich das objektivierende Subjekt an die Resultate der Meß- und Rechengeräte klammert, in eine epochale Aufheiterung. Von der sinnlosen Raserei auf der Autobahn des Fortschritts zum Gang auf dem Fußweg von to auto – nehmt euch zusammen, und lasset euch gehen.“ (S.608f.)

Hanspeter Padrutt: Und sie bewegt sich doch nicht. Parmenides im epochalen Winter. Diogenes Verlag. Zürich 1991

Öko-Ethik für die Wirtschaft? Dort Kapitel 3 „Poiesis: Wir sind nicht Herren und Eigentümer der Natur“. (Was bei Padrutt pfeilförmig-schlußfolgerndes Denken ist, heisst dort berechnendes Denken; was bei Padrutt kreisend-schreitendes Denken ist, heisst dort besinnendes Denken.)

 


Zufällig ausgewählte Glosse

Die neuzeitliche Selbstbestimmung des Menschen unterschlägt seine Leiblichkeit. M. Merleau-Ponty.