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Iris Radisch versteht nicht viel

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Iris Radisch versteht nicht viel

Arundhati Roy wurde von Iris Radisch interviewt. Das Ergebnis steht in der Wochenzeitung DIE ZEIT vom 08.09.2011, S.57-58: „Die Diktatur der Mittelklasse“. Es ist ein beschämendes Dokument darüber, wie eine europäische Intellektuelle eine indische Schriftstellerin von Weltrang und eine der mutigsten  lebenden Intellektuellen überhaupt in gar keiner Weise versteht.  Arundhati Roy argumentiert schonungslos und kompromisslos: „Demokratie und freie Marktwirtschaft sind zu einem einzigen Raubtier verschmolzen, dessen Fantasie ausschliesslich um sein Futter, die Profitsteigerung, kreist.“ „Der Westen denkt nicht in Zusammenhängen. Er denkt in getrennten Ressorts. Der Krieg gegen den Terror ist ein Ressort. Die Wirtschaft ein anderes. Die Demokratie ein drittes. Aber man muss das alles zusammen sehen. Wir (im Westen) erledigen alle brav unsere Ressortarbeiten und stellen dann erstaunt fest, dass wir ohne Bienen, die Blüten befruchten, nicht überleben können.“  „Die Zukunft? Das werden Kriege der Eliten gegen die Armen sein. Das ist der wahre Konflikt, um den es heute geht. Wir haben eine weltweite Elite, die kulturell und wirtschaftlich sehr gut vernetzt ist und der es nur noch um ihr eigenes Überleben geht.“ „Es gibt einen Mittelklasse-Totalitarismus“.   - Die anthropologische Differenz von Leben fördernden Bedürfnissen und zerstörerischen Begehrungen, die uns der Eudämonia berauben, ist ein Kernthema der Antworten von Arundhati Roy. Radisch sieht darin nur die Differenz von richtigem und falschem Bewusstsein linker Kulturkritik in Europa. Sie versteht nicht, dass unsere westlichen Lebensstile nicht zukunftsfähig sind.  Sie fragt, woher Roy wisse, dass die Menschen im Urwald  nicht auch einen schönen Mercedes fahren möchten.  Roy findet das aus dem Schatz eigener Erfahrungen mit eben solchen Menschen gar nicht erstrebenswert, unabhängig davon, dass wir dann  fünf Globen bräuchten, um all die Energien und Ressourcen parat zu haben, die man für solch eine globale Überflussgesellschaft benötigen würde. Als Radisch behauptet, dass wir im Westen doch „alle mündige Demokraten und intelligente Konsumenten“  seien, bekommt sie von Arundhati Roy diese Antwort: „Und diese mündigen Demokraten wollen alle BMW fahren und Mangos aus Indien, Lammfleisch aus Australien und Kiwis aus Brasilien essen.“ Und dann wird sie heftig: „Ich bin nicht daran interessiert, diesen intelligenten Europäern zu erklären, was ihre wirklichen Bedürfnisse sind. Was ich mache, ist, meinen Leuten hier (in Indien) beizustehen und zu sagen, wir lassen uns nicht für eure Bedürfnisse (sie meint: Begehrungen) aus unseren Häusern, von unserem Land vertreiben. Es ist mir egal, ob in Europa jede Familie zwei Autos braucht. Mich beschäftigen die Menschen, die darum kämpfen, eine Mahlzeit zu haben.“  Und gegen Ende des Interviews  kommt dieses Statement von Arundhati Roy: „Es ist überlebenswichtig, sich für eine nicht kapitalistische Gesellschaft einzusetzen. Ich habe das Gefühl, dass alles, wofür ich in den letzten Jahren gekämpft habe, jetzt da draussen angekommen ist. All das, worüber wir seit Jahren reden, steht endlich in jeder Zeitung.“ Durch dieses Interview steht es auch in der ZEIT. Ist es bei Iris Radisch angekommen? Wohl kaum.


Begehrungen - Bedürfnisse

Die Super-Klasse


 


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„Zwei Dinge sind unendlich: das Universum und die menschliche Dummheit. Aber beim Universum bin ich mir nicht ganz sicher.“ Albert Einstein.