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"Die Naturwissenschaft ist nicht wahr, denn sie zerstört die Natur."

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Wenn die Kategorien falsch gewählt werden, ist ein vielbändiges Lebenswerk mit wenigen Argumenten vernichtet.

Wo aber sind die verlässlichen Kriterien für zutreffende Kategorien?

Was, beispielsweise, ist „Natur“?

Das, was die moderne Naturwissenschaft an ihr berechnet? Das, was der Hopi-Indianer über sie weiss? Das, was Goethe in ihr zu sehen vermochte? Das also, was Verstand, Mythos, Romantik usw. an ihr zu sehen vermögen?

Ist es ein Ausweg zu sagen, die Wahrheit über die Natur sei die Summe all der Aspekte, in denen Auskunft über sie gegeben wird? Dann bräuchten wir einen archimedischen Punkt der Erkenntnis, von dem aus wir sagen könnten, welche kategorialen Aspekte das Phänomen „Natur“ konstituieren. Diesen archimedischen Punkt der Erkenntnis gibt es nicht, und keine Wissenschaft kann beweisen, welche Kategorien für die Erkenntnis der „Natur“ sachlich zutreffend sind.

Wir können nur innerhalb einer Kategorie die für diesen Aspekt richtige Antwort finden. Damit sind aber die anderen Antworten nicht falsch.

Was also „Natur“ in ihrer Totalität und in ihrem Wesen ist, wir wissen es nicht, und wir können es als endliche Menschen prinzipiell nicht wissen. Wir müssen das Ganze der „Natur“ als unerkennbar und unerkannt liegen lassen.

Nur eines ist gewiss: Die seit der Neuzeit zur Herrschaft gekommene kategoriale Zugriffsweise der berechnenden Naturwissenschaften ist erkenntnistheoretisch und moralisch problematisch. Erkenntnistheoretisch, weil man die  kategorial partielle Richtigkeit als Wahrheit missversteht, und moralisch, weil die Naturwissenschaften in ihren Erkenntnisakten und den daraus folgenden technischen Anwendungen die „Natur“ zerstören, ja töten.

Georg Picht: „Das neuzeitliche Denken hat die Natur auf Begriffe gebracht und hat dank dieses Kunstgriffes Methoden entwickelt, mit deren Hilfe es sich anschickt, das Stück Natur, in dem wir leben, zu zerstören.“ „Die Naturwissenschaft ist nicht wahr, denn sie zerstört die Natur.“ 

Und wer gegenwärtig den Menschen, der selbst Teil der Natur ist, nur naturwissenschaftlich erforscht, der muss notwendigerweise auch ihn zerstören. Das funktional Richtige ist eben lange noch nicht das existenziell Wahre. Picht fragt: „Wie ist es möglich, dass der Mensch eine Form des Denkens ausgebildet hat, die ihn verhindert, den Gesetzen der Natur zu gehorchen und jene Anpassungen zu vollziehen, durch die sich natürliches Leben erhält?“ Er antwortet: „Der Mensch zerstört sich selbst, weil er sich der Natur gegenüber als autonomes Subjekt versteht.“

Seit sich der Mensch als Beherrscher und Eigentümer der Natur begreift, ist er aus der Ordnung der Dinge gefallen, und das mit tödlichen Folgen.


Mehrperspektivisches Wahrnehmen


 


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