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Gift gewordenes Unheil

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Doch noch einmal etwas zu Henryk M. Broder. Wieder einmal hat er Abenteuerliches von sich gegeben. Man darf auf ihn nicht hereinfallen. Die hohe Kunst dürfte es sein, sich von ihm als „antisemitische Dreckschleuder“ öffentlich beschimpfen zu lassen, wie das Jakob Augstein widerfuhr, um dann den kläffenden Kollegen mit einer gelassenen Bemerkung ins Leere laufen zu lassen: „Ich schätze und respektiere Henryk M. Broder sehr, auch in seinen Irrtümern.“

Henryk M. Broder agiert im theoretischen Raum mit einer immer gegenwärtigen Sophistik. Seine herrschsüchtig-eitle Attitüde des Besserwissers zerstört alles.

Indem er jede Autorität negiert, pumpt er sich künstlich auf zu einer totalitären Haltung, die, einmal verschleiert, dann wieder offen, bis zur Absurdität angreift und niederreisst.

In seiner verbissenen Unmenschlichkeit ist er ein intellektueller Pfuscher. Was ihn auszeichnet  ist seine emotionalisierte Flegelei. Da er offensichtlich sich und sein eigenes Leben nicht annehmen kann, darf neben ihm kein Andersdenkender mehr sein.

Liest man seinen Auswurf, dann wird man mit einem Dasein konfrontiert, das Gift gewordenes Unheil ist.

Henryk M. Broder beschimpft Jakob Augstein: „Er ist eine antisemitische Dreckschleuder.“

Konzentrationslager-Ökologie


Eine ergänzende Bemerkung zu meinem Eintrag vom 29.11.2012: Dort schrieb ich, dass Peer Steinbrück in seinem Streben nach individuellem Reichtum eingemauert bleibe im kapitalistischen Status quo. Indem er Wert darauf legt, dass auch Sozialdemokraten Grossverdiener sein dürften, bezeugt er unausgesprochen, dass er nicht bereit ist, das bestehende System grundständig verändern zu wollen. Damit gibt er die Vision auf eine andere, zukunftsfähige Welt aus der Hand. Sollte er Kanzler werden, dann wird aus seiner jetzt demonstrierten Haltung heraus kein überzeugender Beitrag für die so überlebensnotwendige "Grosse Transformation" kommen.

Da war eine charsimatische junge Frau Anfang der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts schon wesentlich weiter: Die Bürgerrechtlerin und Pazifistin Joan Baez, die mit ihren Liedern die Menschen bewegen wollte und bewegte. Sie lehnte, gerade einmal gut zwanzig Jahre jung, Konzertangebote im Wert von 100 000 Dollar souverän ab. Ihr ging es nicht primär ums Geld, ihr ging es um ein authentisches Leben. Sie gründete in Kalifornien ein Institut zur Untersuchung der Gewaltlosigkeit: The Institute for the Study of Nonviolence. Dort las und diskutierte sie mit ihren Studierenden Bücher wie diese: Mahatma Gandhi: "Über die Gewaltlosigkeit", Jerome Frank: "Breaking the Thought Barrier", Thoreau: "Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat", Krishnamurti: "Schöpferische Freiheit" und "Antworten auf Fragen des Lebens".

Ohne Ungehorsam gegen die bestehenden Systeme, auch gegen den heutigen Staat, wird es keine gelingende Zukunft geben. Joan Baez wusste das und handelte dementsprechend. Weiss es Peer Steinbrück? Sein Handeln spricht eine andere Sprache.

vgl. die eindrückliche kleine Arbeit über Joan Baez von Joan Didion: Wo die Küsse niemals enden, in: Joan Didion: Wir erzählen uns Geschchten, um zu leben. Aus dem Amerikanischen übersetzt und mit einem Vorwort versehen von Antje Rávic Strubel. Berlin 2008, S.84-101

 


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