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Wo ist die Wahrheit?

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Eine alethologische Topologie, gefunden bei Andreas Urs Sommer:

Im Sein? Parmenides

Im Werden? Heraklit

Im Satz? Scholastik

In Gott? Thomas von Aquin

Im Apriori? Kant

In der Lichtung? Heidegger

Doch im Satz? Analytische Philosophie.

Wenn die Wahrheit so viele Orte hat, dann ist die Einheit und Verbindlichkeit der Philosophie nichts anderes als eine Illusion.

Wir haben deshalb heute Furcht, uns festzulegen. Verwirrend viele philosophische Systeme haben uns schon die reine Wahrheit angedient, um dann im konkreten Fall kläglich zu scheitern. Das Denken müsse verflüssigt werden, hört man.

Andreas Urs Sommer verfügt in seinem brillanten „Lexikon der imaginären philosophischen Werke“: „Nur zeitweilige, situative Festlegungen liegen in menschlicher Reichweite; ein moderner skeptisch gestählter Stoizismus ist eine Praxis radikaler Bescheidung.“

Ich widerspreche entschieden.

Angesichts der irreversiblen anthropogen verursachten Bedrohungen des Lebens auf unserem Planeten greifen zeitweilige, situative Festlegungen zu kurz. Die ethische Forderung „Leben soll sein!“ ist unbedingter Natur. Eine Praxis radikaler Bescheidung lässt dem Unheil seinen Lauf. Ein moderner skeptisch gestählter Stoizismus gibt das aus der Hand, was auch ihm zugrunde liegt: das Leben selbst.

"Die Anwesenheit des Menschen in der Welt war ein erstes und fraglos Gegebenes gewesen, von dem jede Idee der Verpflichtung im menschlichen Verhalten ihren Ausgang nahm: jetzt ist sie selber ein Gegenstand  der Verpflichtung geworden - der Verpflichtung nämlich, die erste Prämisse aller Verpflichtung, das heißt eben das Vorhandensein bloßer Kandidaten für ein moralisches Universum in der physischen Welt, für die Zukunft zu sichern; und das heißt unter anderem, diese physische Welt so zu erhalten, daß die Bedingungen für ein solches Vorhandensein intakt bleiben; und das heißt, ihre Verletzlichkeit vor einer Gefährdung dieser Bedingungen zu schützen." (Hans Jonas)


Andreas Urs Sommer: Lexikon der imaginären philosophischen Werke. Die Andere Bibliothek. Berlin 2012, S.347, S.174.

Hans Jonas: Das Prinzip Verantwortung. Insel verlag. Frankfurt am Main 179, S.34

Stoa


 


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