• Schrift vergrößern
  • Standard-Schriftgröße
  • Schriftgröße verkleinern

Phallus und Scham

E-Mail Drucken PDF

In der Kunst wird der Mann im Geschlechtsakt unsichtbar gemacht. Er verschwindet in einer Metamorphose. Der erigierte Penis unterliegt immer noch weitgehend einem Darstellungsverbot, während die erigierten Waffen schamlos ausgestellt werden.

Jede Rakete wird zu einem glänzenden Phallus von obszöner Härte und Brutalität. Waffen werden während  Militärshows publikumswirksam inszeniert und öffentlich gezeigt. Der Zuschauer mutiert zum Kriegs-Voyeuristen, zum Waffen-Spanner. Nicht nur Jungen und Männer sind anfällig. Solche Shows sind ein Bombengeschäft. Die Rüstungslobbyisten freuen sich. Der christliche Amtsblick nimmt kaum Anstoss.

Dagegen sieht insbesondere der katholische Blick auf die Frau im Nackten das Böse. Venus hält die Hand vor ihre Scham. Der schauende Blick soll das Geschlecht nicht sehen. Für dieses Verbot gibt es keinen vernünftigen Grund. Nicht nur die Kunst hat sich von ihm befreit. Im Blick auf die Frau. Der Mann hat noch Nachholbedarf.

Wohl aber gäbe es mehr als einen vernünftigen Grund, die Waffen mit einem wirksamen Verbot zu belegen.

Pallus und Scham sind nichts Schamloses. Sie gehören zum Leben. Nicht sie sind zu schmähen, sondern all die Waffen, mit denen fanatisierte Unschuldige fanatisierte Unschuldige  töten. Hippies und Antikriegsaktivisten aus der heute so viel geschmähten Studentenrevolte der 68er Jahre des vergangenen Jahrhunderts skandierten: Make love, not war. Kein schlechter Slogan für all die Kriegsregionen auf dieser Welt, die im kommerziellen Weihnachtsgedudel bei Glühwein und Kerzenlicht aus unserem Bewusstsein gestrichen werden.

Übrigens trägt die Wochenzeitung DER SPIEGEL, Nr. 49 vom 3.12.2012, diesen Titel: "Merkels geheime Rüstungs-Deals: Deutsche Waffen für die Welt".

Jakob Augstein: Merkel, Money und Moral

 


Zufällig ausgewählte Glosse

Wer Gott verkündet, muss längst nicht an ihn glauben. Priester als Brotberuf.