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Zu spät, Frau Schavan!

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Die menschliche Bedeutung eines Doktortitels ist gleich null. Wer den Doktortitel im Namen der gesellschaftlichen Anerkennung erringt und verteidigt, missversteht sich selbst als Person.

Nicht, dass die Bildungsministerin Annette Schavan  abgeschrieben und miserabel zitiert hat, ist der Skandal, sondern wie sie eitel und machtbesessen an ihrem akademischen Lametta hängt.

Souverän wären Sätze wie diese gewesen:

Ich war zu jung für das gewichtige Thema „Person und Gewissen“. Es hat mich überfordert, und mein Doktor-Vater hat mich seinerzeit nicht energisch genug gefordert. So blieb die Arbeit unter dem gebotenen Niveau, wie ich nach der Wiederlektüre feststellte. Das gilt nicht nur für die unsaubere Zitierweise. Ich gebe deshalb den Doktor-Titel der Universität Düsseldorf aus Respekt vor der Sache, die ich damals nur unzureichend beherrschte, zurück.

Übrigens: Wer beherrscht schon so ein ausuferndes Universalthema: „Person und Gewissen“? Der Untertitel verschlimmbessert den Sachverhalt noch: "Studien zu Voraussetzungen, Notwendigkeit und Erfordernissen heutiger Gewissensbildung". Der Doktor-Vater hätte gleich das Thema ausgeben können: "Leben und Tod".

Die Überforderung lag bereits im Thema selbst. Wer als Doktor-Vater solche abgehobenen Rundumschläge zulässt, darf sich nicht wundern, wenn er nur akademisches Kleinholz geliefert bekommt. Die formalen Fehler der Doktorandin Schavan sind nur der korrespondierende Ausdruck ihrer Ratlosigkeit im Blick auf die zu bearbeitende Sache. Der Ertrag: Wenig kategoriale Klarheit, viel hydrantenhafte Geschwätzigkeit auf über 350 Druckseiten, gelegentlich luzider Unsinn.

Solche Themen konnten nur Pädagogen vergeben; heute nennen sie sich Erziehungs-Wissenschaftler. Insofern ist Frau Schavan auch Opfer des Systems Universität.

Vgl. Plagiatsvorwürfe: Uni erkennt Schavan Doktortitel ab – Ministerin kündigt Klage an.

 


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Es gibt eine Scheidelinie zwischen Verstehen und Rechtfertigen: Das Böse. Dieses ist nicht zu entschuldigen.