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Inferiore Erziehungswissenschaft

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Ein notwendiger Versuch, die Erziehungswissenschaft zu rehabilitieren. Nachdem namhafte Erziehungswissenschaftler im Zusammenhang mit dem Fall "Schavan" die Standards der eigenen Zunft heruntergeredet haben, bleibt nach dem Versagen der "Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft" nur noch der Austritt aus der eignen Standesorganisation.

Prof. i.R. Dr. Gisela Miller-Kipp
Philosophische Fakultät
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Universitätsstraße 1
D - 40225  Düsseldorf

Sehr geehrter Herr Vorsitzender,
lieber Herr Kollege Thole,

mit diesem Schreiben trete ich aus der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft (DGfE) aus. Guten  Sitten und  hauseigener Tradition folgend - vor  vier Jahrzehnten begrüßte mich der damalige Vorsitzende, Herwig Blankertz, mit persönlichem Schreiben in der DGfE - gebe ich Ihnen  persönlich eine Begründung für meinen Austritt. Sie ist die  Folgende:

Die DGfE  - qua Vorstand -  hat es unterlassen, die Erziehungswissenschaft  gegen den Angriff zu verteidigen, der im Zuge der causa "Schavan"  laut und gesellschaftlich  wirksam gegen sie geritten worden ist. Der Angriff ist ein wissenschaftslogischer: Behauptet wurde, und wird im wiederholten Nachplappern, ein inferiorer methodologischer Status der Erziehungswissenschaft in den 1970ern bzw. bis in die 1980er Jahre. Diese Behauptung ist wissenschaftsgeschichtlich nicht haltbar, item in der Sache unzutreffend und für das Personenkorpus der Erziehungswissenschaft ehrenrührig.
Sie passt aber  in  eine hergebrachte negative Wahrnehmung  von "Pädagogik", verstärkt die bildungs- und wissenschaftspolitisch absichtsvolle Minderbewertung der Erziehungswissenschaft, schadet ihr in der gesellschaftlichen Konkurrenz  mit Nachbardisziplinen und schlägt sich derzeit auch in wohfeiler Häme nieder.
Der Vorstand der DGfE  hätte dem durch öffentliche Rede  gegen die angeführte Behauptung wehren müssen.

Verstehen Sie bitte, dass ich diese Erklärung erst jetzt, nach der Entscheidung der Philosophischen Fakultät meiner Universität in o.a. causa abgeben kann.  Vor dieser Entscheidung wäre sie, meine Austrittserklärung, Gefahr gelaufen, als Streitbeitrag missverstanden zu werden.

Ich bleibe in der DGfE-Sektion "Historische Bildungsforschung", nunmehr als deren assoziiertes Mitglied.

Mit  wohltemperiertem Gruße,
Ihre
Gisela Miller-Kipp

 


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