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Konsumvieh

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Der ungezügelte Kapitalismus ist eine Sucht, der Konsum seine Droge, als Erkrankung ist er eine globale Epidemie.

Damit dieses lebensfeindliche System funktioniert, muss der Kapitalismus grenzenlos wachsen, was in Wahrheit ein tödlicher Wucherungsprozess ist. Dadurch wird der Planet geplündert, die Natur zerstört. Darüber hinaus frisst der Kapitalismus, wie einst der Sowjetkommunismus, seine eigenen Kinder. Die einen erlagen dem Mangel, die anderen ersticken heute am Überfluss.

Der bedingungslose Imperativ des Kapitalisten lautet: „Ich konsumiere, also bin ich!“

Das von der Werbung verheißene Glück stellt sich jedoch nicht ein. Der nimmersatte Verbraucher kauft sich immer wieder neu eine permanente Enttäuschung. Gegen alle rationale Einsicht gibt er die Hoffnung nicht auf, dass sich sein Mehr-Haben-Wollen einmal doch in Mehr-Sein verwandle. Eine trügerische Hoffnung, ein tragischer Irrtum, eben der Irrtum jedes Süchtigen.

Nur ein anderes Bewusstsein könnte uns retten. Die Therapie heißt „Erziehung“ dozieren Edward und Robert Skidelski. Sie haben ein Plädoyer gegen den Wachstumswahn und für eine Ökonomie des guten Lebens geschrieben. Eine Erziehung zur Wahrnehmung und Einhaltung von Grenzen könnte die Gefahren der Selbstzerstörung aufhalten und abwehren.

Stattdessen sind die Pädagogen damit beschäftigt, eifrig das dem Kapitalismus genehme Konsumvieh zu dressieren: „Schneller, weiter, höher, mehr!“ Das ist ihre Devise. Die Erziehungswissenschaften, die solchen Unsinn wissenschaftlich legitimieren, versagen grausam. Sie sind mit schuldig am grassierenden Elend der Lieblosigkeit in dieser Welt. Ihre Protagonisten, selbst eifrige Konsumenten, Süchtige eben auch sie, haben nichts, aber auch gar nichts verstanden. Ich verachte sie jeden Tag mehr.

Da ist selbst das Fernsehen schon weiter. Erfreulich die aktuelle Themenwoche von 3Sat: „Hauptsache Konsum?“

Was not tut ist ein neuer Zeitsinn, ein neuer Raumsinn, ein neuer Verbrauchssinn, was not tut ist ein neuer Sinn  für das Leben, -  jenseits der Sklavenmoral des Konsums, ein Sinn für Weniges, das von längerer Dauer ist.


Vgl. Themenwoche 3sat „nano speziel“:  „Hauptsache Konsum?“ Aktuelle Sendung: "Overkill - von allem zuviel".

Edward und Robert Skidelski: Wie viel ist genug? München 2013

Ernst Ulrich von Weizsäcker (Hrsg.): Grenzen-los? Berlin/Basel/Boston 1997

 


Zufällig ausgewählte Glosse

So viel Verstand bei so wenig Vernunft; so enge Grenzen bei so viel Kraft. Eine gefährliche Konstellation.